Hier kommt Schmutzki: Backstage bei den Toten Hosen

Stuttgarts Punk-Rock-Dauerbrenner Schmutzki haben am Samstag für die Toten Hosen eröffnet. Stadtkind war exklusiv hinter den Kulissen der Show dabei.

Stuttgart – Der Rock‘n‘Roll muss heute früh aufstehen. Er beginnt morgens um halb zehn in der U9. Und ein klein wenig verschlafen stolpern die drei Schmutzki-Jungs Beat Schmutz, Dany Horowitz und Florian Hagmüller am Charlottenplatz dann schon in die Bahn. Sie haben Rucksäcke dabei, Schlagzeuger Florian trägt ein neues Becken für sein Drumkit. Erst mal geht es in den Proberaum. Sie sind recht still während der Fahrt, plaudern ein wenig über dieses und jenes.

10 Uhr: Graue Wolken

Nichts lässt darauf hindeuten, dass diese drei Typen in gut sieben Stunden auf der riesigen Bühne des Cannstatter Wasen stehen und ein Konzert für die Toten Hosen eröffnen werden. Und zwar nicht irgendein Konzert. Sondern die wahrscheinlich größte Show, die die Stuttgarter je gespielt haben.

Es tröpfelt, als wir die Bahn an der Hedelfinger Straße verlassen. Der Himmel besteht aus jeder Menge dunkler Grautöne, die Wettervorhersage auch. „Ganz okay“, findet Basser Dany. „Dann ist der Druck schon nicht so hoch.“ Schmutzki haben in den letzten Jahren viel erreicht. Der Gewinn des Förderwettbewerbs PlayLive, danach der Auftritt auf dem Southside. Seither haben sie zwei Platten veröffentlicht, sich den Hintern wundgetourt, waren auf den größten Festivals zu Gast.

Echte Punks fahren mit der Bahn zum Konzert!

Das heutige Heimspiel ist dennoch was Besonderes. Erstens, weil man in Stuttgart keine größere Show spielen kann und selbst Helene Fischer am Folgetag „nur“ das Stadion vollmachen wird. Und zweitens, weil das Trio mittlerweile sein eigenes Label BÄM Records gegründet hat. Auf dem erscheint am 14.9. auch das neue Album „Mehr Rotz und Verstand“, das mit „Beste Bar der Stadt“ auch ein Loblieb auf das Kap Tormentoso zu bieten hat. „Unser altes Label wollte den Vertrag nicht verlängern, also versuchen wir es jetzt mal allein“, zuckt Sänger und Gitarrist Beat mit den Schultern. Das Material ist gut, viel schiefgehen sollte da nicht.

10:30 Uhr: Schmutzki im Proberaum

Im Proberaum beim LKA steht die Luft. „Warmes Bier?“, fragt Dany scherzhaft. Er selbst trinkt eine (warme) Cola. So gern die Band auch mal einen über den Durst trinkt: Jetzt muss erst mal alles gecheckt werden. Sie stöpseln die Instrumente auf und spielen ein paar mal die oben erwähnte Hymne aufs Kap. „Das ist der einzige neue Song heute, der muss sitzen“, findet Beat.

Letzte Vorbereitungen im Proberaum

Danach trifft die Schmutzki-Crew ein, das Einladen beginnt. „Ich hab beim ersten großen Konzert mit meiner alten Band mal mein halbes Schlagzeug vergessen“, berichtet Florian, während er die Trommeln verstaut. „Wäre schon gut, wenn das heute nicht passiert.“ Die Anspannung steigt ein wenig, als alles verladen ist. Tourmanagerin, Filmer, Fotograf – alle sind dabei, um diesen Tag zu etwas ganz Besonderem zu machen. Und das soll er auch werden. Trotz des immer stärker werdenden Regens.

11:30 Uhr: Backstage Baby!

Verteilt auf einen Kombi und einen Sprinter gurkt der Tross gen Wasen. Der Backstage-Bereich ist jedoch in der Schleyer-Halle eingerichtet. Später wird die Band hin und her shuttlen müssen, nicht unbedingt die komfortabelste Möglichkeit. Das gilt im Übrigen auch für die anderen Vorbands Royal Republic und The Hives sowie für die Toten Hosen selbst. Campino und seiner Band ist seit jeher wichtig, dass jede Band gleich behandelt wird. Und das merkt man im Backstage schnell: Schmutzki haben eine großzügige Garderobe mit Bad und gefülltem Kühlschrank, beim Catering werden sie genau so verwöhnt wie alle anderen.

Sänger Beat im Backstage

„Nachher trinken wir aber schön Schnaps zusammen!“, ruft Ole Plogstedt den Schmutzkis gut gelaunt zu. Ole ist der Chef der „Roten Gourmet Fraktion“, einer Catering-Firma, die sich seit vielen Jahren um das leibliche Wohl großer Rock-Bands kümmert. Ole kennt die Stuttgarter schon von anderen Konzerten, die sie mit den Hosen gespielt haben. Die Stimmung ist äußerst familiär, Fahnen in Regenbogenfarben oder mit großen „FCK AFD“-Aufdruck setzen schöne Zeichen.

13 Uhr: Auf dem Wasen

Ankunft hinter der riesigen Bühne des Cannstatter Wasens. Der Regen wird so langsam richtig heftig. Hinter und auf der Bühne stehen wir zwar im Trockenen, doch die Pfützen auf dem Gelände gehen so langsam ineinander über. Die Schweden Royal Republic machen gerade Soundcheck. Die Schmutzkis laden aus, bauen am Bühnenrand schon mal auf. Pünktlich zum Soundcheck wird das erste Bier gereicht. Durchaus gut gegen die langsam stärker werdende Nervosität.

Basser Dany: Ruhe vor dem Sturm

Hinter der Bühne herrscht ein reges Treiben. Techniker, Stage-Hands, Crewmitglieder, Musiker… dutzende Menschen wuseln herum. Wie in einem Ameisenhaufen sieht das nur für Außenstehende nach Chaos aus. Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Schmutzki auch. Ihr Soundcheck läuft überpünktlich ab, alle Instrumente sind gestimmt. Im Grunde heißt es jetzt nur noch Zeit totschlagen. Und das geht wahrscheinlich am Besten bei einem zweiten Bier.

15 Uhr: Lauft um euer Leben!

Die Tore gehen auf. Wie besessen rennen die ersten paar hundert Menschen am kleinen Schmutzki-Merchandisestand vorbei. Erst mal hat hier kaum jemand Augen für die feilgebotene Ware. Es gilt, in den ersten Wellenbrecher zu kommen, um Campino nachher möglichst nah zu sein. Nachher, das ist zu diesem Zeitpunkt in über fünf Stunden. Die Schlangen an den Bierständen werden rasch länger. Die an den relativ wenigen Toiletten noch schneller. Später werden die Menschen 45 Minuten vor den Klos warten müssen. Ziemlich uncool.

Rennen die zum Klo oder zur Bühne?

Nach und nach sammeln sich doch einige Schmutzki-Fans am Merchandise-Stand. Sie kaufen Shirts, Beutel und Kappen, bekommen gratis Aufkleber mit. Es gibt kein Festival, auf dem nicht irgendwelche Menschen mit Schmutzki-Sticker auf Shirt, Haut oder Tasche herumrennen.

16:55 Uhr: Jetzt wird’s ernst!

Noch fünf Minuten bis zur Show. Beat, Dany und Flo sind durchaus ein wenig angespannt. Die Menschenmenge reicht schon jetzt bis zum Horizont. Und doch spuckt jeder Zug der Sonderlinie U11 weitere Hundertschaften. Erstaunlicherweise hat es aufgehört zu regnen. Der Wettergott, ein Schmutzki-Fan? Die Band klatscht noch mal ab, dann die Überraschung. Ihr Ansager ist nicht irgendein Kerl. Sondern Hosen-Basser Andreas Meurer. Tosender Applaus begrüßt ihn auf der Bühne, als er „unsere Freunde Schmutzki aus Stuttgart“ ansagt. Jetzt ist der Moment gekommen. Die Band stürmt die Bühne.

Krass gut: Schmutzki bei ihrem Heimspiel
Schmutzki vor ihrer großen Show

17 Uhr: Showtime!

Wenn sie davor noch nervös waren, merkt man davon jetzt nichts mehr. 30 Minuten haben Schmutzki Zeit, ein riesiges Publikum für sich zu gewinnen. Und sie brauchen keine drei. „Backstage“, „Hey du“, „Zeltplatz Baby“ oder „Rodeo“ fegen von der Bühne. Die Leute jubeln, springen, bilden Moshpits, reißen die Arme hoch. Die „Mittelfinger hoch“-Ansage gegen die AfD sorgt bis in die letzte Reihe für Stinkefinger, auch der neue Song „Beste Bar der Stadt“ feiert eine gelungene Premiere.

Der Spuk ist überraschend schnell vorbei. Die drei können selbst kaum glauben, dass es das schon gewesen sein soll. 30 Minuten Schmutzki sind eben äußert kurzweilig. Und das Publikum hätte kaum besser reagieren können.

17:31 Uhr: Die Zigarette danach

„War glaub ganz okay“, feixt Dany hinter der Bühne und zündet sich erst mal eine Zigarette an. Er, Beat und Flo sind schweißüberströmt, aber überglücklich.

Campino beglückwünscht Schmutzki

Selbst Campino lässt es sich nicht nehmen, seinen jungen Kollegen zu gratulieren. Er hat die Show vom Bühnenrand aus beobachtet und ist ehrlich beeindruckt. Die Band kommt langsam wieder in der Normalität an. Zack, schnell ein Bier geöffnet, angestoßen. Das war schon krass gut, um im Jargon der drei zu bleiben.

18:15 Uhr: Die Nacht ist noch jung

Schmutzki kämpfen sich zum Merchandise-Stand vor. Sie werden johlend empfangen. Erstaunlich viele haben sich eingefunden, um ihre Band zu feiern. Schmutzki sind Musiker zum Anfassen, das weiß man. Royal Republic beginnen ihr Konzert, doch das ist für Beat, Dany und Flo in diesem Moment gar nicht so wichtig. Sie haben ein Heimspiel hinter sich, das sich gewaschen hat. Und auch wenn sie früh aufgestanden sind: Jetzt bereiten sie sich auf eine sehr, sehr lange Nacht vor.

http://www.schmutzki.de/

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