Herz auf Zunge: Ein Podcast verbindet Kulturen

Uns verbindet mehr, als uns trennt: Das wollen Cathi Kaiser, Zohreh Ahmadian und Marie Eisendick mit ihrem Podcast „HerzaufZunge“ zeigen. Geradeheraus sprechen sie über Themen, die junge Menschen zwischen Stuttgart und Teheran bewegen.

Stuttgart – Interkulturell und unkonventionell packen die Schöpferinnen von „HerzaufZunge“ Politisches und Persönliches auf den Tisch, statt es unter den Teppich zu kehren. Während Cathi und Zohreh dem Podcast ihre Stimme geben, kümmert sich Marie hinter der Geräuschkulisse um Schnitt, Sound und Technisches. Unterstützt werden sie außerdem in Form von Bild und Ton durch Illustratorin Ronja Keifer und DJane Zola.

Hört, hört: Ein neuer Podcast ist in der Stadt

Die Idee, einen interkulturellen Podcast aufzunehmen, kam Journalistin Cathi vor drei Jahren. Bei dem Besuch einer Unterkunft für Geflüchtete in Athen lernte sie damals die Syrerin Nesrin kennen. „Wir haben gemeinsam Ramadan verbracht, nachts stundenlange Gespräche geführt, uns zu allen möglichen Themen ausgetauscht und gemerkt, dass es – trotz unterschiedlicher kultureller Herkunft – viel mehr Gemeinsamkeiten gibt, als wir anfangs vielleicht erwartet hätten“, erzählt die 27-Jährige.

Feuer und Flamme für Feminismus und Toleranz

Wieder zurück in Deutschland wuchs Cathis Wunsch, ein eigenes Projekt ins Leben zu rufen, das geflüchtete und beheimatete Frauen auf Augenhöhe miteinander in den Dialog bringt. „Ich wollte Frauen wie Nesrin eine Stimme geben und die Diskussionen auf einer größeren Plattform stattfinden lassen“, erklärt die Journalistin. Als Cathi Zohreh und Marie von ihrem Vorhaben erzählt, sind beide sofort Feuer und Flamme.

Mit dem Herzen auf der Zunge gegen gesellschaftliche Tabus

Mit ihrem Podcast wollen die drei Frauen nun ihren Beitrag leisten, Vorurteile aus der Welt zu schaffen, Berührungsängste zu nehmen und denen eine Stimme geben, die sonst nicht zu Wort kommen. Die Devise lautet: Nicht über Menschen sprechen, sondern mit Menschen sprechen. Ein besonderes Augenmerk möchten sie dabei auch auf feministische Themen legen und bewusst Tabus ansprechen, um Frauen und Männern aus unterschiedlichen Kulturen die Angst zu nehmen, offen über gewisse Themen zu sprechen.

„Mir fällt oft auf, dass Menschen mit Migrationshintergrund darauf reduziert werden, dass sie geflohen sind. Das ist natürlich super wichtig und ich glaube, es findet auch immernoch kein ausreichender Dialog zwischen Nichtgeflüchteten und Geflüchteten statt, aber jede geflüchtete Frau ist eben auch eine Frau. Punkt. Sie hat unterschiedliche oder ähnliche Erfahrungen gemacht – aber sie ist nicht nur ein geflohener Mensch oder eine Migrantin. Das stößt mir immer so bitter auf.“

Marie Eisendick

Was Zuhörende erwartet sind also – trotz oder gerade wegen des interkulturellen Zusatzes – Themen, die bewusst nicht ausschließlich um Flucht kreisen. „Wenn die Tür in den Unterkünften für Geflüchtete zugeht, dann sprechen Frauen eben auch dort über Liebe, Sexualität oder ihren Körper – das sind einfach Themen, die uns beschäftigen und deshalb möchten wir an dieser Stelle ansetzen“, sagt Cathi und Zohreh fügt hinzu: „Mein Gedanke hinter dem Podcast ist auch, Schönheitsideale aufzulösen und beispielsweise mehr gegenseitige Toleranz und Akzeptanz unter Frauen zu fördern. Auch im Hinblick auf die Kopftuchdebatte – jeder kann und sollte diese Frage für sich beantworten dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden.“

Apropos Kopftuchdebatte, genau über dieses Thema wollen die Frauen unter anderem in ihrer nächsten Folge sprechen. „Es wird generell um körperliche Selbstbestimmung gehen. Wahrscheinlich wird Nesrin uns als Dritte im Bunde unterstützen, denn sie trägt selbst ein Kopftuch. Das ist für uns eine super wichtige Perspektive – da die Diskussion in den Medien meiner Meinung nach gerade noch sehr einseitig ist und man sehr selten Stimmen von Frauen hört, die das Kopftuch aus eigenen Stücken tragen und sich selbst als Feministin bezeichnen“, erklärt Cathi.

Vom Podcast zur Podiumsdiskussion?

Der Podcast sei ein erster Ansatz, in ihrer Vorstellung würden die Frauen gerne irgendwann Treffen von Geflüchteten und Beheimateten organisieren und über die Themen diskutieren, über die sie bereits im Podcast gesprochen haben. Ob es neben den monatlichen Folgen dazu kommen mag oder nicht ­– am Ende steht eines fest: Mit ihrem Projekt beweisen Cathi, Zohreh und Marie, dass sie ihr Herz nicht nur auf der Zunge, sondern auch am rechten Fleck haben!

Bilder: Alessandra Coronato