Heiko Fleck über
20 Jahre Caffè Bar

In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an Stuttgart so lieben – und was sie so richtig nervt. Diesmal mit Caffè-Bar-Chef Heiko Fleck.

Stuttgart – Rund 90 Mitarbeiter, treue Gäste und bizarre Geschichten: In 20 Jahren Caffè-Bar ist viel passiert. 2009 übernahm Heiko Fleck die Kult-Location am Tagblatt-Turm von Vater Otfried Fleck und Schauspieler Willi Schneck, die das Café 1998 ins Leben gerufen hatten. Gerade sei man besonders emotional. „Immerhin bin ich in dem Laden teilweise groß geworden“, so der 41-Jährige. Von Donnerstag bis Sonntag lässt er deshalb feierwütig die Korken knallen. Das Programm schlage eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wir haben mit Heiko in beide Richtungen geblickt.

Klassisch, mediterran, skurril

Der Blick in die Vergangenheit lässt Heiko ganz emotional werden. „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt“, gibt der Gastronom zu. Er blickt sich in der kleinen Räumlichkeit mit langer Holztheke um, seine Augen leuchten. 20 Jahre seien schon ein beachtliches Jubiläum. Welcher Gastrobetrieb feiert das heute noch? Nur wenige, sind wir uns einig. Das macht den Stuttgarter stolz. Aber es sei ja auch nicht sein alleiniger Verdienst. 1998 hatte sein Vater und Friseur Otfried Fleck mit Stammkunde und Schauspieler Willi Schneck die Caffè-Bar (ehemals Fleck & Schneck) ins Leben gerufen. Währenddessen sammelte Heiko fleißig Gastro-Erfahrung – schmiss unter anderem sechs Jahre lang die Ha.bar im Gewölbekeller des väterlichen Friseursalons, um 2009 schließlich das Café zu übernehmen.

Seine Bar bezeichnet der 41-Jährige als „klassisch-original“ und mediterran. Soll heißen: viel dunkles, hochwertiges Holz, eine gewölbte Decke, entworfen und bemalt von einem Kulissenmaler, dazu ockerfarbene Wände, die mit antiken Strukturwalzen gestaltet wurden. „Die Terrasse an der Torstraße ist in der Stadt sicher die skurrilste ihrer Art.“ Zwei Jahre nach Eröffnung der Caffè-Bar wurde Stuttgarts erste Terrasse direkt an einem City-Ring liegend eröffnet. Geplant von einem Stuttgarter Architekturbüro sitzt der Gast wie auf einem Freisitz, nur von einer Betonmauer getrennt, direkt an der Straße – praktisch eine öffentliche Bühne mit verzinkten Nachttischlampen und einem Metallgitter als Accessoire.

Auf die nächsten 20

Das Jubiläum rückt nun also in greifbare Nähe, lange hatte Heiko darauf hin gefiebert. „Ich bin sehr gespannt, mir aber auch sicher, dass es cool wird, weil für jeden etwas dabei ist.“ Er freue sich besonders auf die Ehemaligen genauso auf Stammgäste und Freunde. „Es gibt ja auch einige Caffè-Bar-Kinder. Ich habe selbst auch eines“, so der Geschäftsführer lachend. Seine Freundin sei die Schwester von Sänger Noah Kwaku, der auch schon in der Caffè Bar gearbeitet hat. Damit sei die Brücke in Richtung Zukunft geschlagen. Und wie geht es mit der Caffè-Bar weiter? „Ich habe keine Sorgen, aber die Baustellen nebenan nerven.“ Es gebe immer Höhen und Tiefen, das Stadtbild habe sich sehr gewandelt, immer wieder würden neue Locations aufploppen. „Doch unser Konzept hat sich bewährt, ist seit 1998 unverändert.“ Kein Wunder hat die Caffè Bar mittlerweile Kult-Charakter. Da bleibt Heiko nicht mehr viel zu sagen, außer: „Auf die nächsten 20!“

Heiko Fleck vor seiner Caffè Bar.

Zum Jubiläumsprogramm: Am Donnerstag startet man gediegen ins lange Feier-Wochenende mit Musik von Joscha Brettschneider, einem Teil der Band BRTHR, und vielen Gastro-Kollgen. Es wird eine kleine Außenbar mit Rubus-Gin-Specials geben. Der Freitag wird musikalisch von Alex Fuffi besser bekannt als DJ 5ter Ton bestritten. Und am Samstag spielt tagsüber DJane Flora, abends übernehmen die Gastro-Urgesteine Marco Solarinio und Benny Auer das Musikzepter. „Marco hat hier ja auch mal gearbeitet und das passt auch deshalb so gut, weil tagsüber der Ehemaligentreff mit 88 Mitarbeitern seit 1998 zelebriert werden soll“, freut sich Heiko. Damit wage man gleichzeitig auch einen Blick in die Zukunft. Ähnlich sehe es bei den Mitarbeitern aus. „Wir haben ganz frische Kollegen dabei, die neben alten Hasen für das Gelingen sorgen werden.“

Romantische Dates auf dem Hausdach

Dein Beruf in Eigendefinition: Gibt es nicht wirklich, Unternehmer, Kneipier, Gastronom, Lebenskünstler, manchmal auch Psychologe.

Seit wann lebst du in Stuttgart? Ich war eigentlich nur als Kleinkind in Stuttgart ansässig, meine Eltern sind dann raus gezogen und ich bin auch immer außerhalb geblieben.

Wo wohnst du heute? Sachsenheim-Spielberg, eines der kleinsten Dörfer, die es im Umkreis gibt – mit knapp 400 Einwohnern. Keine Kirche, ein Gasthaus, viele Tiere, ein Maibaum.

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders, was eher weniger? Meine hundertprozentige Freiheit, die grandiose Nachbarschaft und unser Ausblick. Liegt leider verkehrstechnisch sehr ungünstig, aber alles auf einmal kann man selten haben. Das Kontrastprogramm ist teils schon heftig. Stuttgart vs. Spielberg. So habe ich aber von allem etwas.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Was ist passiert? Habe ich mich verliebt? Ja, vielleicht schon – als ich vor vielen Jahren die Markthalle kennengelernt habe. Das muss parallel mit dem Tagblatt-Turm passiert sein. Ist ein krasser Turm, aber nur auf den zweiten Blick oder bei Nacht. Google mal!

Wo hängst du am liebsten rum und warum? Meine Hood ist um die Caffè-Bar herum. Dort bin ich auch einfach so tatsächlich gern.

Wo ist Stuttgart am schönsten? Wenn man von oben in den Kessel schaut oder auf Dächern steht und in Hinterhöfe gucken kann. Das Leonhardsviertel finde ich auch nett. Oft lohnt einfach ein Blick die Hausfassaden hoch. Das, was nach dem Krieg stehen geblieben ist, sind teils richtige Perlen.

Wo am hässlichsten? Bahnhofsbaustelle, Theo und sorry – das, was am Mailänder Platz gebaut wird, entspricht nicht ansatzweise meinem Geschmack.

Ein Daueraufreger in dieser Stadt ist…wie vermutet, die Baustellen – S21. Da wird einem das Autofahren durch Baustellen und XY-Plaketten in den tollsten Farben versaut und dann sollst du mit ÖPNV diesen Bahnhof nutzen!?!

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Der Fernsehturm bei Sturm hat was! 1. Bist du fast alleine. 2. Er wird nicht kippen. 3. Weiß aber gar nicht, ob die einen mittlerweile noch hochlassen bei Sturm. Eine Führung lohnt sich auch dort!

Welchen Ort wählst du für ein romantisches Date? Ein Hausdach, ganz klar!

Wie reagierst du, wenn jemand sagt, die Stadt sei hässlich? Hat recht, aber nur auf den ersten Blick. Also wenn du als Fremder das erste Mal in die Stadt fährst, siehst du halt erstmal nichts Überwältigendes, Pompöses, keine grandiosen Bauwerke. Auf den zweiten Blick eröffnet einem die Stadt doch viele Schmuckstücke und wunderschöne Ecken. Sagt man nicht sowas ähnliches über den schwäbischen Charakter? Mit dem Kölner bist du sofort best Buddy, mit dem Stuttgarter nicht unbedingt… aber dann richtig!

Dein Lieblingsrestaurant? Das hab ich nicht! Find ich auch gut so. Ich glaube das würde mich irgendwann langweilen oder enttäuschen. L.A. Signorina, Reiskorn, Weinstube Schellenturm, Trattoria Salieri und Perbacco – dort fand ich’s sehr lecker!

Deine Lieblingskneipe? War ’ne Zeit lang öfters 1. Stock, Café Weiss, Mata Hari. Offen gestanden gehe ich zur Zeit aber eher selten weg. Meiner Familie tut es gut. Wenn, dann trinke ich auch liebend gern ein kleines Estrella bei mir an der Theke und genieße das Gast-Dasein.

Wo bist du am öftesten abgestürzt? Definitiv in meiner Bar, die ich zuvor betrieben habe – sechs Jahre am Stück stand ich freitags und samstags immer hinter der Theke der Ha.bar, selten war ich privat weg. Da hab ich’s schon öfter mal krachen lassen.

Wo gibt‘s die besten Konzerte? Meistens wenn Schwager und Schwiegermutter mit Freund zu Besuch sind – die machen immer Wohnzimmerkonzerte. Das berührt mich sehr. Der Schwager ist auch so ein bissle berühmt geworden in den letzten Monaten: Noah Kwaku. Bin aber kein typischer Kozert-Typ – das letzte ist aber doch erwähnenswert: Freundeskreis mit anschließender Komplett-Dusche.

Wie bist du in der Stadt unterwegs? Auto, Rad, zu Fuß? Heute zum Beispiel mit der APE in die Stadt, mit der Bahn nach Hause. In der Stadt selbst doch meist zu Fuß. Auto, nur wenn es sein muß.

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Ein Konzept für den ÖPNV – etwas, das sich jeder leisten kann! Ein Angebot für das jeder ohne mit der Wimper zu zucken sein Auto stehen lässt. War mal ein paar Monate in Barcelona. Dort läuft’s. Ticket günstig, keine zeitliche Einschränkung, Variationen der Tickets überschaubar, Zonenwirrwar Fehlanzeige. Das würde in Stuttgart viele Probleme lösen, auch wenn es Geld kostet. Ein schöner renaturierter Neckarstrand mit Sand, Wiese, Bäumen, viel Natur fänd ich auch gut

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst?  Ich würde alles daran setzen, dass wir wieder einen normalen Bahnhof bekommen. So schnell wie möglich. Bis die fertig sind, ist das Geld aus. Womöglich laufe ich in zehn Jahren noch durch einen provisorischen Bahnhof. Das ist das,was jeder Reisende zuerst wahrnimmt. Find ich für Stuttgart sehr schade. Abgesehen davon: mehr bezahlbarer Wohnraum, mehr Baulücken schließen.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Mal mit einem kleinen Boot den Neckar entlang fahren oder in die Unterwelt der Bunker und Kanäle eintauchen.

20 Jahre Caffè Bar

4 Tage Party zum Jubiläum.

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