Gutes tun: Portal sucht Alltagshelfer für Senioren

Ältere Menschen sind manchmal einsam – und oft freuen sie sich über etwas Unterstützung im Alltag und über jemanden, mit dem sie mal plaudern können. Antonia Albert und ihr Bruder Nikolaus Albert haben eine Plattform gegründet, die solche Helfer vermittelt. Herausgekommen ist ein Nebenjob mit Sinn.

Stuttgart – Hand aufs Herz, wann habt ihr zuletzt Oma oder Opa besucht? Wenn sich jetzt das schlechte Gewissen meldet, dann seid ihr damit nicht allein: Mittlerweile ist es der Normalfall, dass man nicht mehr in derselben Stadt wie die Großeltern lebt – und dann werden die Besuche bei Oma oder Opa oft seltener.

Careship: Nebenjob mit Sinn

Junge Frauen machen außerdem heute eher Karriere, als „nur” Hausfrau und Mutter zu sein. Wir empfinden es zunehmend als unfair, dass der Großteil der Care-Arbeit wie Kindererziehung die Pflege von Verwandten auf die Frauen abgewälzt wird. Die Frage ist nur: Wer kümmert sich eigentlich um Oma und Opa, wenn sie langsam doch etwas wackliger auf den Beinen sind?

Die Gründerin Antonia Albert hat gemeinsam mit ihrem Bruder Nikolaus eine Lösung entwickelt: Careship. Die Plattform vermittelt seit 2015 Alltagshelfer für ältere Menschen. Die Helfer erledigen leichte Tätigkeiten im Haushalt, gehen einkaufen und verbringen Zeit mit den Senioren. Die Helfer bekommen dafür pro Stunde 17,50 Euro – und die älteren Menschen Kontakt zu Jüngeren. Mittlerweile ist Careship auch in Stuttgart und in vielen anderen Großstädten aktiv.

Hier erfahrt ihr mehr über Careship >>>

Um Alltagshelfer zu werden, müsst ihr nicht unbedingt Erfahrung mit Senioren haben, sagt Gründerin Albert. Vielleicht habt ihr eure Großeltern nicht mehr kennengelernt und seid deshalb gespannt auf Kontakt mit der älteren Generation. Aus Alberts Sicht ist es das Wichtigste, dass man Lust hat, ältere Leute in der eigenen Nachbarschaft zu unterstützen. Um sicher zu gehen, dass die Bewerber seriös sind, prüft Careship außerdem das polizeiliche Führungszeugnis aller Interessenten.

Die Idee kam Antonia, als ihre Oma wackeliger auf den Beinen wurde

Auf die Idee für Careship kam Antonia Albert übrigens durch ihre eigene Oma. 2015 habe ihre Großmutter im Alltag mehr Unterstützung gebraucht, erinnert sie sich. Aber Antonia und ihr Bruder wohnten zu weit weg, so dass es für sie schwer war, ihr regelmäßig zu helfen. „Wir haben uns jemanden gewünscht, der sie regelmäßig unterstützt – beim Aufstehen zum Beispiel, wenn es die Treppe heruntergeht oder beim Einkaufen”, erinnert sie sich.

Erst dachte Antonia, es müsse doch einfach sein, eine solche Person zu finden: Sympathisch, kommt regelmäßig vorbei, ist legal angemeldet und versichert. „Aber es war unfassbar schwierig! Es gab keine Organisation, die sich darum kümmert.” Also nahmen Antonia und ihr Bruder Nikolaus die Sache selbst in die Hand und gründeten Careship.

Als Konkurrenz zu ambulanten Pflegediensten sieht Antonia Careship nicht. Die Alltagshelfer müssen auch nicht unbedingt einen beruflichen Background in der Pflege haben. „Wir sprechen bewusst von Alltagshelfern, denn sie unterstützen im Alltag und tun eben das, was ich bei meiner Großmutter zu Hause auch tun würde, wenn ich vor Ort wäre”, erklärt sie. Dienste wie Careship könnten zu einer zusätzlichen Säule im Pflegebereich werden und die medizinischen Fachkräfte entlasten, denkt sie. „Das Fachpersonal sollte mehr Zeit haben, sich auf die Menschen zu konzentrieren, die tatsächlich medizinische Pflege benötigen.”

Antonias nächstes Ziel als Gründerin ist, möglichst viele Menschen, die Senioren unterstützen wollen, mit Angehörigen zu vernetzten, die händeringend nach etwas Unterstützung für Oma und Opa suchen. Die meisten älteren Leute wollen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Zuhause bleiben. Die Alltagshelfer können dazu beitragen. Und gleichzeitig können sie etwas gegen das schlechte Gewissen vieler Familien tun, die ihre Großeltern nicht regelmäßig besuchen können.

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