Girlsplaining: Lesung im Superjuju

Im Kuriositätenkabinett Superjuju gibt es ab sofort auch Lesungen! Zum Auftakt präsentiert Katja Klengel ihren entlarvenden Comic „Girlsplaining“. Und nimmt sich feminine Tabus, Geschlechterrollen und Lord Voldemort vor.

Stuttgart – Für alle, die immer noch nicht wissen, was Mansplaining ist, sei hier kurz Wikipedia zitiert: „Mansplaining bezeichnet herablassende Erklärungen eines Mannes, der fälschlicherweise davon ausgeht, er wisse mehr über den Gesprächsgegenstand als die – meist weibliche – Person, mit der er spricht.“ Ja ja, der Mann, das starke Geschlecht und all dieser Unfug. Schlimm genug, dass es das gibt. Aber noch schlimmer ist, dass es viele gar nicht merken, wenn sie es anwenden.

Männer wissen es eh besser

Auch Katja Klengel, Drehbuchautorin und Comic-Künstlerin aus Berlin, kam schon in den Genuss dieser männlichen Errungenschaft. „Ich habe an einer Kunst-Universität studiert, die sich als Malerklause verstand und in der Comic als Kunstform sowieso verpönt war“, erzählt die 30-Jährige. „Da war es eh schon schwierig, mich zu behaupten. Die ProfessorInnen waren hauptsächlich männlich. Und manche hielten Gleichstellungsbeauftragte für Schwachsinn.“

Katja Klengel hat was gegen Sexismus. Es heißt „Girlsplaining“.

Mansplaining gibt es aber natürlich auch anderswo – auf Familienfesten etwa, „wenn mir irgendwelche Onkel dritten Grades bei einem Teller Kartoffelsalat erklären wollen, wie man denn mit Comics nun wirklich Geld verdienen kann.“ Puh.

Humor ist die Kehrseite von Wut

Doch anstatt sich darüber aufzuregen, hat sich Katja für einen anderen Weg entschieden. Für einen humorvollen und eloquenten Gegenangriff, sozusagen: Ihr Comic „Girlsplaining“ dreht den Spieß einfach um und konfrontiert (nicht nur) Männer mit vermeintlichen Tabuthemen und „Frauensachen“. Man verzeihe diesen angestaubten Ausdruck.

Eine Seite aus „Girlsplaining“ (Bilder: Reprodukt Verlag)

Am Samstag, den 13. Oktober, stellt Katja diesen Comic im Superjuju an der U-Bahn-Haltestelle Rathaus vor. In ihren Zeichnungen fängt sie ihren Alltag ein – humorvoll, frech und auch ein wenig direkt. Und wie ernst das Ganze ist, wird dadurch nur noch deutlicher. „Humor ist auch immer die Kehrseite von Traurigkeit oder Wut“, nickt sie. „Ich versuche also oft, die Balance zwischen Humor und Emotion zu finden. Weil ich mich nicht lustig machen will. Ich will ja etwas mitgeben.“

Psst: Vulva!

Besonders gut gelingt ihr das mit einem Rückgriff auf „Harry Potter“. Ebenso wie Lord Voldemort nicht laut ausgesprochen werden darf, so Katja, verhält es sich mit dem Wort Vulva. „Es ist ein Tabu und fast genauso verboten wie Lord Voldemort.“ Dennoch sieht Katja Fortschritte. „Ich glaube, die #metoo-Debatte hat schon das Bewusstsein für tabuisierte Themen geschärft. Wir bewegen uns in eine richtige Richtung, in der Männer wie Seehofer, Kavanaugh und Trump nicht einfach hingenommen werden, sondern ihre toxische Männlichkeit aufgedeckt wird.“

Außerdem ist für sie klar: Das sind keineswegs Themen, die nur Frauen angehen. „Zumindest, wenn wir in einer Welt leben wollen, in der Gleichberechtigung und Diversität Grundsätze sind. Eine Welt ohne Gewalt und Machtmissbrauch. Und dazu gehört es nicht nur, das wir drüber reden, was wir Frauen ändern. Sondern auch, was Männer dazu beitragen können.“

Zur Veranstaltung: www.facebook.com/events/480551152445960/

Lesungen im Superjuju

Katja Klengels „Girlsplaining“-Abend ist der Auftakt einer neuen Reihe im Superjuju. Nach dem Umzug vom Fluxus an die Stadtbahnhaltestelle Rathaus wird es hier künftig regelmäßig Events wie diese geben. „Wir haben eine große Auswahl an Comics und Graphic Novels. Da bietet es sich an, dazu auch Leseabende zu veranstalten“, sagt Julia Rein vom Superjuju, die auch die Idee zu den Lesungen hatte. „Katjas Lesung ist die erste von vieren, die noch in diesem Jahr stattfinden werden. Und für das nächste Jahr planen wir weitere Lesungen und Konzerte und denken auch über ein Comicfestival nach.“ Am 27. Oktober ist Hanna Wenzel zu Gast, am 17. November gibt es einen Abend rund um den Stuttgarter Kult-Comic Egon Forever. Und am 24. November darf Gregor Hinz ran.

www.superjuju-shop.de

Mehr aus dem Web