Generationen-Konflikt: Was wirklich hinter „OK, Boomer“ steckt

Die Fronten zwischen den Generationen sind verhärtet. Millenials und Generation Z haben es satt und reagieren mit lediglich einer Antwort: OK, Boomer. Unsere Autorin erläutert den Konflikt.

Stuttgart – Eine neuseeländische Parlamentsabgeordnete erklärt die Bezeichnung als „kollektive Frustration“. Die New York Times kündigt das „Ende der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Generationen“ an. Zwei Worte, die Wellen schlagen. Dieser kurze Satz ist die Antwort auf Meinungen älterer Personen, meist aus der Boomer Generation, die als engstirnig und herablassend empfunden werden. Oft sind diese Meinungen bezogen auf technischen Fortschritt oder Wertvorstellungen der jüngeren Generationen.

Woher kommt’s?

Obwohl das Meme „Ok, Boomer“ seinen Ursprung schon vor einiger Zeit hatte, gelangte es durch einen Artikel der New York Times an die breite Masse. Später erschien das Video einer neuseeländischen Parlamentsabgeordneten, die während ihrer Rede zum Klimawandel von einem älteren Abgeordneten unterbrochen wurde und daraufhin mit „OK, Boomer“ antwortete.

Das Meme drückt vor allem eines aus: Frustration und irgendwie auch Resignation.

Boomer was?

Als Babyboomer wird die Generation nach dem zweiten Weltkrieg bezeichnet. Grob von 1955-1969. Geprägt von der Nachkriegszeit stieg die Zahl der Geburten und der wirtschaftliche Aufschwung war in vollem Gange.

Entgegen dieser Altersgruppe steht überwiegend die Generation Z (circa 1997 bis 2012), aber auch Millenials (Frühe 80-er bis späte 90-er Jahre). Generationskonflikte sind keine Neuheit, allerdings fühlt es sich gerade etwas zugespitzt an. Ob die Generationen je befreundet waren und ob das Meme die Frendschaft nun beendet hat, steht weiterhin im Raum.

So sehen Ok, Boomer Memes aus

Es klingt nach einem klassischen „Wir gegen die“ und eigentlich weiß man gar nicht wofür oder gegen wen man ist. Allein das Geburtsjahr stellt einen auf die jeweilige Seite. Das ist stark pauschalisierend und auch für Kritiker des Memes ein Argument, dass die Aussage „Ok, Boomer“ sowohl als altenfeindlich, als auch altersdiskriminierend gilt. Diese sagen ebenfalls aus, dass die „Boomer“ undifferenziert und stereotypisch behandelt werden.

Aber was fühlen die jüngeren Generationen? Sie fühlen sich vor allem eines: im Stich gelassen. Von Boomern fühlen sich Generation Y und Z nicht ernstgenommen und „gegaslightet“, also emotional manipuliert. Insbesondere in Bezug auf den Klimawandel und die Wirtschaft.

Generationskonflikte

Dass sich Menschen und Generationen verändern ist kein Geheimnis. Auch Reibereien sind keine Neuheit und sogar ein wichtiger Prozess der Ablösung der Kinder von ihren Eltern. Zwangsläufig entstehen Konflikte, die aber die Chance zum Dialog öffnen. Es sollte unser aller Aufgabe sein – Generation X, Y, Z hin oder her –, einen fairen Kontakt zu suchen. Jede Generation macht Fehler, jede Generation bringt auch Gutes. Es ist die natürliche Entwicklung unserer Gesellschaft. Wir können von unseren Vorgängern lernen und versuchen Fehler besser zu machen. Gleichzeitig gilt es für die älteren Generationen, dass sie Fehler eingestehen und Verantwortung übernehmen. Eigentlich wie in jeder zwischenmenschlichen Beziehung eben.

Es ist Quatsch sich hinter verhärteten Fronten zu verstecken und leichter undifferenzierte Aussagen mit einem „Ok, Boomer“ abzutun. Doch ich glaube ganz fest daran, dass wir viel mehr verstehen als das. Als Meme, das einen Konflikt humorvoll darstellt, hat „Ok, Boomer“ auch bei mir einen Platz im Herzen. Dennoch sollten wir die Ernsthaftigkeit des Konflikts unter der Oberfläche nicht ignorieren.

Und zusammengefasst?

Wichtig ist in der Diskussion, dass wir die pauschalen Konflikte anerkennen. Allerdings müssen wir diese auch fair und konkret angehen und den Diskurs zwischen den Generationen stärken. Denn es gibt Erklärungsbedarf und Fragen, die im Raum stehen. Der Konflikt sollte der Beginn eines gleichberechtigten Dialogs sein, bei dem beide Seiten anerkannt werden – mit ihren Fehlern und Stärken und offenen Armen und Herzen.

Fotos: Unsplash/ Kae Ng & Patrick Pierre

Mehr aus dem Web