Generation Z & Y treffen sich in Stuttgart

Y war gestern – Die Generation Z steht in den Startlöchern. Höchste Zeit, einmal zu fragen: Wie denken diese Jugendlichen? Und was unterscheidet sie von ihren Vorgängern? Wir stellen in Stuttgart zwei typische Vertreter der Generationen gegenüber.

Stuttgart – Die Personaler sind glücklich: Endlich haben sie verstanden. Die Generation Y will Freiheit, Selbstbestimmung und nebenbei am besten noch die Welt retten. Doch während Unternehmen noch mit den Begriffen flexible Arbeitszeit, Work-Life-Balance und Home-Office um sich werfen, reift im Stillen schon eine neue Gruppe heran: die Generation Z.

„Wochenende ist für mich Wochenende! Da arbeite ich nicht.“ Diesen Satz sagt Ronja Essig, Studentin der Kommunikationswissenschaften in Hohenheim, 21 Jahre und damit Vertreterin der Generation Z. In der Freizeit erreichbar zu sein, kommt für die Studentin nicht in Frage. Lieber möchte sie eine klare Trennung von Beruf und Privatem – am besten funktioniert das mit geregelten Arbeitszeiten. „Natürlich hängt das aber immer von der Position ab, die man innehat“, sagt sie.

Flexible Arbeitszeiten? Nein, danke.

„Die Generation Z ist anders als ihre Vorgänger. Sie sagt es nur nicht so laut“, erklärt Generationenforscher Prof. Dr. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes. Der Schnitt wird ungefähr ab dem Jahr 1995 gesetzt: Alle Jahrgänge zwischen 1980 und 1995 gehören zur Generation Y, alle nach 1995 Geborenen zur Generation Z. Allerdings ist der Übergang fließend und auch äußerlich wird man die Gruppen kaum unterscheiden können: weiße Sneaker, das Smartphone in der Hand. Der Unterschied liege in den Details, meint der Wissenschaftler.

Von geregelten Arbeitszeiten ist Henning Schürig weit entfernt. Mit seinen 35 Jahren ist er ein klassischer Vertreter der Generation Y. Vor vier Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Der Digitalberater aus Stuttgart legt besonders Wert auf berufliche Freiheit: „Flexible Arbeitszeiten finde ich total wichtig. Ich möchte selbst bestimmen, wann ich ins Büro komme.“ Sein perfekter Arbeitstag beginnt zwischen 11 und 12 Uhr am Vormittag und endet am späten Abend auf einer Veranstaltung. Dafür müsse man auch dem Arbeitgeber mehr Freiheiten einräumen: „Wenn ich im Büro private Gespräche führen will, darf ich mich nicht beschweren, wenn mein Chef mich mal außerhalb der Arbeitszeiten anruft. Aber ich bestimme, wann ich erreichbar bin.“ Ein krasser Gegensatz also zu dem, was sich Ronja von ihrer Zukunft wünscht.

Generation Z erwartet Taktsysteme

Professor Christian Scholz sieht in dem Umschwung eine Schutzreaktion der Generation Z: „Die jungen Menschen erleben den Stress ihrer Vorgängergenerationen und schenken den Lockrufen der Unternehmen keinen Glauben mehr.“ Also lieber wieder starre Arbeitsverhältnisse statt ständiger Erreichbarkeit. Außerdem wachse die Generation Z in sehr durchgetakteten Systemen auf: „Das Abitur mit G8, die Bologna-Reform – all diese Systeme geben genaue Muster vor. Diese Taktsysteme erwartet die Generation dann auch von ihrem Arbeitgeber“, sagt Scholz.

Auch neben dem Arbeitsplatz finden sich Unterschiede zwischen den Generationen: Henning war während des Studiums politisch sehr aktiv. Er engagierte sich in der Hochschule, war Mitgründer der Grünen Jugend in Stuttgart und stand 2005 mit vielen anderen Studenten auf der Straße, um gegen die Studiengebühren zu protestieren. Das nahm viel Zeit in Anspruch: „Am Ende habe ich acht Jahre für meinen Abschluss gebraucht“, sagt er. Aber egal – es ging ihm um eine bessere Welt. „Meine Freizeit bestand damals größtenteils aus Politik. Aber man kann ja nicht einfach nur abwarten, bis sich etwas ändert.“

Abrücken vom Weltretter-Dasein

Politisches Engagement, seine Haltung öffentlich kundtun – dafür ist Ronja eher nicht der Typ. „Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt. Natürlich bin ich interessiert und habe meine Meinung, aber die behalte ich auch gerne für mich“, sagt sie. An einer Demonstration würde die Stuttgarter Studentin nur teilnehmen, wenn das Thema sie unmittelbar betrifft.

Auch das sei typisch, meint der Generationenforscher: „Die Generation Z rückt ein bisschen ab vom großen Weltretter-Dasein ihrer Vorgänger. Sie sprechen sich ebenfalls für Fairtrade und gegen Kinderarbeit aus, kaufen aber trotzdem auch mal Billigklamotten ein.“ Aktives Engagement finde sich eher bei Dingen, die vor der eigenen Haustür passieren. „Die Z’ler nehmen die Welt nicht so dramatisch. Sie lassen sich nicht stressen, obwohl die Gesellschaft ihnen enormen Stress macht.“

Das Smartphone als Armbanduhr

Zum Druck der Gesellschaft kommen bei beiden Gruppen die sozialen Medien: Facebook, Instagram und WhatsApp bestimmen den digitalen Alltag. Die Stuttgarter Vertreter beider Generationen sind sich einig: Das Smartphone zu checken ist die erste Handlung am Morgen und die letzte am Abend. Henning versucht zwar, seine Nutzung bewusst zu steuern, aber er gibt zu: „Manchmal stresst mich mein Smartphone schon. Besonders, wenn ich viele Nachrichten in kurzer Zeit bekomme.“

Auch hier hat die Nachfolgegeneration Schutzmechanismen entwickelt, sagt Professor Scholz: „Das Smartphone ist für Jugendliche immer mehr ein Teil des Lebens, der aber nicht lebensbestimmend ist – wie eine Armbanduhr: Man schaut zwar oft darauf, aber das war es dann auch.“ Ronja bestätigt diese Einschätzung: „Ich verbringe viel Zeit am Smartphone. Aber Stress entsteht dadurch nicht. Wenn ich meine Ruhe will, kann ich die Nachrichten auch gut ignorieren und eben mal nicht antworten.“

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