Generation Maybe? Legt euch mal fest!

Im letzten Jahrzehnt wurde der Begriff der „Generation Maybe“ geprägt. Junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die niemals „Ja“, aber auch niemals „Nein“ sagen. Alles kann, nichts muss. Vielleicht. Mal gucken. Unser Autor fordert: Schluss damit! Ein neues Jahrzehnt hat begonnen, Zeit sich endlich mal festzulegen.

Stuttgart – „Hey, kommst du heute Abend mit?“, frage ich per WhatsApp. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Schnell und entschlossen? Naja! „Mal gucken. Entscheid ich dann spontan!“, wird mir – gefolgt von ein paar Emojis – verkündet. Eine Antwort, wie sie typisch ist für meine Generation – der so genannten „Generation Maybe“. Und jeder weiß, dass „Entscheide ich dann spontan“ das bequemere „Nein“ ist. Ja, einfach alles offen lassen und entschlossen die Unentschlossenheit leben. Kein „Ja“, kein „Nein“ – höchstens ein „Vielleicht“. Ganz ehrlich Leute, ihr nervt!

Das große „Vielleicht“

Die „Generation Maybe“ ist ein Begriff, welcher vor allem in den 2010er Jahren geprägt wurde. Er beschreibt junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, denen die ganze Welt mehr oder weniger offen steht – aber die sich extrem schwer damit tun Entscheidungen zu treffen. Verloren in der schnelllebigen Welt – online und offline. Doch warum ist das so? Warum ist es für viele (immer noch) so hart, sich einfach mal festzulegen? Klare Entscheidungen zu treffen? Ja oder Nein? Ich selbst bin vor kurzem 30 geworden, demnach habe ich diese Generation komplett miterlebt. Eine klare Aussage treffen? Mich festlegen? Kein Problem. Also meistens. Denn manchmal erwische ich mich dann auch dabei – wie ich fest entschlossen zu einem großen „Vielleicht“ werde.

Aber warum können wir uns nicht mehr festlegen? Nein, warum wollen wir uns nichtmehr festlegen? Sind wir heute einfach faul? Unmotiviert? Oder gehört das sich alles offen halten zum Lifestyle dazu? Mal gucken. Vielleicht. Ich weiß noch nicht. Eine komplette Generation ist mit den einfachsten Fragen überfordert. Kommst du heute Abend mit ins Kino? Kommst du auf meine Party? Bock später einen Kaffee trinken zu gehen? Fragen, die so einfach und dennoch so schwer sind. Also was tun? Ganz einfach – man sagt niemals „Ja“, aber auch niemals „Nein“ – und bleibt beim „Vielleicht“.

Entschlossene Unentschlossenheit

Wir sind jung, modern und irgendwie ziemlich verloren. Das Smartphone immer griffbereit, werden wir tagtäglich mit unfassbar vielen Informationen geflutet. WhatsApp, Facebook, Instagram, Newsfeeds – die Welt dreht sich schnell. Und wir sind mittendrin. Drehen uns mit. Wir wissen immer, was gerade wo los ist und was wo geht. Und somit auch, welche Möglichkeiten man theoretisch hätte. Theoretisch. Denn um eine Möglichkeit zu nutzen, müsste man sich ja festlegen. Sich entscheiden.

Da wird es dann aber schon wieder schwierig. Denn alles ist möglich – aber nichts muss sein. Von daher einfach alles offen halten, in jeder Beziehung. Ob Geburtstagseinladungen von Freunden, die man auf Facebook ganz einfach mit „Vielleicht“ beantworten kann, oder die Teilnahme an irgendeinem Event, an dem man höchstens „interessiert“ ist. Man wird regelrecht dazu eingeladen, sich doch bitte nicht festzulegen. Danke für nichts!

Legt euch mal fest!

Sich nicht festlegen wollen. Immer auf der Suche sein – nach etwas Besserem, Coolerem, Spannenderem. Was das sein soll? Das weiß niemand so recht. Die Angst etwas zu verpassen – und sich im schlimmsten Falle mit dem Zweitbesten abgeben zu müssen – ist jedoch immer präsent. Es ist der Fluch der Generation Maybe. Egal in welcher Beziehung. Vielleicht gibt’s ja noch ’ne coolere Party am Wochenende? Vielleicht ist bei Tinder bald ein noch besseres Match dabei? Ja, das kann alles sein. Vielleicht ist es aber auch einfach mal genau richtig sich festzulegen. Eine klare Ansage zu machen. Ja oder Nein. Ganz einfach. Wir haben 2020 und die Generation Maybe ist wirklich richtig 2010. Zeit erwachsen zu werden!

Foto: Unsplash/Daria Nepriakhina

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