Gelebte Realität: Nachtsicht Festival in Stuttgart

Am Wochenende startet das bereits dritte Nachtsicht Festival – dieses Jahr allerdings ganz corona-konform online. Wir haben mit dem Kollektiv über die Veranstaltung und den Gedanken dahinter gesprochen.

Stuttgart – Hannah Liya, Sophia Sadzakov, Hannah Bickhoff und Christine Koschel haben sich vor vier Jahren als Kollektiv zusammengetan. Zum Teil kannte man sich bereits untereinander, zusammengefunden habe man sich in dieser Konstellation allerdings erst, um gemeinsam etwas zu starten. Die Idee: ein Festival, nur anders, ohne klassisches Konzept. Zumindest wollen es die vier nicht so betiteln. Viel mehr soll eine Selbstverständlichkeit geschaffen werden, ohne plakativ dafür zu werben. „Das Nachtsicht Festival ist gelebte Realität“ – offen, feministisch, intersektional, experimentell, mit flachen Hierarchien, ein Raum für Künstler und Künstlerinnen.

„Wir haben nie überlegt, ob wir es machen, sondern eigentlich nur, wie wir es machen.“

Leerstand nutzen – auch ein Punkt auf der Agenda des Kollektivs, aus dem sich ein gemeinnütziger Verein gründete. Die vergangenen Veranstaltungen fanden deshalb in der alten Perlenfabrik in der Stöckachstraße und im Jahr darauf im Eiermann-Areal in Vaihingen statt. 2019 pausiert, sollte es dieses Jahr für das Festival weitergehen. Doch dann kam Corona. „Wir haben nie überlegt, ob wir es machen, sondern eigentlich nur, wie wir es machen.“

Die Entscheidung fiel relativ schnell: 2020 wird der virtuelle Raum genutzt. „Dieses Jahr bringt eine ganz neue Komponente mit sich, die ein anderes denken hervorruft. Außerdem wird die Veranstaltung so für viel mehr Personen zugänglich sein.“

Die Oberthemen des Nachtsicht Festivals kristallisieren sich durch Recherche, gemeinsame Gesprächen und Interessen heraus. „Eigentlich dient das auch mehr unserer internen Struktur.“ Dieses Jahr hat sich das aus freischaffenden Künstlerinnen bestehende Kollektiv intensiv mit dem terrestrischen Manifest von Bruno Latour auseinandergesetzt.

Vor allem wolle man den Fokus – gerade in Zeiten von Corona – auf das Miteinander legen. Geplant sind: Tanzexperimente, eine Late-Night-Rap-Show, Hörspiele, Heimkino-Feeling, Koch – und Backworkshops mit Locals, Sounds aus dem Höllenfeuer, Kinderüberraschungen, digitale Malerei und vieles mehr. Unterstützt wird das Nachtsicht Festival dabei von vielen Supportern und Förderern, unter anderem auch der Stadt Stuttgart.

Festivals 2020: Corona-Konforme Watchpartys

Nachtsicht Festival

Das Festival startet am Freitag, den 28. August, um 19 Uhr auf der Webseite. Alle Beiträge sind vorproduziert. Es wird also keinen klassischen Livestream geben. Dafür aber einen Timetable, der anzeigt, welcher Beitrag wann online gestellt wird. Manche Inhalte sind exklusiv und somit nur einmalig verfügbar. Unterstützt wird das Nachtsicht Kollektiv dabei von den drei Grafikern Felix Bareis, Christian Nicolaus und Valentin Alisch. Am Ende entsteht auf der Webseite eine große Fläche. „Es soll sich anfühlen wie eine Welt, in der man sich bewegen kann.“ Auch hier gilt: Es gibt kein gesamtheimliches Konzept. Die künstlerische Freiheit steht im Mittelpunkt.

Für Zukunftsvisionen ist vor dem Festival nicht viel Zeit. Einige sind sie sich trotzdem: „Wir wollen es weitertreiben, egal in welche Richtung auch immer. Uns ist es wichtig, nicht nur als Partykollektiv wahrgenommen zu werden, sondern dass der Gedanke dahinter im Vordergrund steht.“

Für das Wochenende empfehlen sie übrigens eine Corona-konforme Watchparty. Also ladet schon mal eure Freunde ein!

Mehr Infos zu Workshopanmeldungen und Co. findet ihr hier: >>>

Nachtsicht Festival:// EditionNoEscape : 28. – 30. August 2020

Titelbild: Sandy Zimmermann

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