Für mehr Minimalismus auf Social Media!

Minimalismus ist in. Wer nur 33 Kleidungsstücke im Schrank hängen hat, gilt als cool. „Weniger ist mehr“, lautet die Devise. Unsere Autorin findet: Was beim Wohnen und Shoppen gilt, gilt bei Social Media erst recht!

Stuttgart – Die Sonne scheint und wir sitzen im Café. Reden über dies und das. Genauer gesagt über die und den und was die alle eigentlich so treiben. „Habt ihr das nicht gesehen, was Anna vor Kurzem gepostet hat?“, fragt eine von uns. Zur Erklärung: Anna ist die, die meistens nervt und der man im echten Leben eigentlich nicht begegnet. „Ja! Wie peinlich war das denn“, stimmen alle aus der Gruppe zu. Außer einer. „Ehrlich gesagt ist mir das zu blöd, ich bin der schon lange entfolgt“, sagt Mona. Es stellt sich heraus, dass sie sich auf Social Media auch von der anstrengenden Arbeitskollegin, dem Ex und der nervigen Urlaubsbekanntschaft von 2011 verabschiedet hat. „Ich will das doch alles gar nicht sehen“, sagt sie. Und ganz ehrlich: Hat sie nicht eigentlich recht?

Will ich das wirklich wissen?

Im Durchschnitt verbringen wir pro Tag 138 Minuten auf Social Media. Tendenz steigend. Und ganz ehrlich: das meiste von dem, das wir dort konsumieren, wollen wir eigentlich gar nicht wirklich sehen. Klar, ein paar lustige Memes und Katzenvideos, auf denen mich gute Freunde markieren, sind ja in Ordnung. Aber muss ich wirklich mitbekommen, dass einer aus meiner alten Schule jetzt einen Traktorführerschein hat? Oder die eine aus meinem Dorf jetzt mit zwanzig schwanger ist? Gossip und Klatsch in allen Ehren, aber die Info brauche ich nicht.

Im Schnitt verbringen wir täglich 138 Minuten auf Social Media. | Foto: Becca Tappert via Unsplash

Einfach mal das Insta-Feed ausmisten

So geht es mir mit Instagram, aber auch mit Facebook. Ich bekomme ständig Benachrichtigungen, weil Isabell Irgendwer die Seite „Basteln für Anfänger“ geliked hat oder Kevin Keineahnung ein neues Foto von seinem Traktor gepostet hat. Und weil ich beide eigentlich nur über fünf Ecken kenne, kann ich mich weder für Kevins landwirtschaftliche Tipps, noch für Isabells Bildchen von gehäkelten Blumentöpfen begeistern. Für dieses Problem gibt es zwei Lösungen: Entweder, ich benutze Facebook nicht mehr oder ich lösche sie einfach mal, all die Menschen und Seiten, von denen ich eigentlich ganz und gar nichts wissen will.

Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck – Silbermond

So gibt es zum Beispiel Menschen, die auf die 333-Methode schwören. Mit 33 Klamotten für drei Monate auskommen und danach merken, dass das nicht nur vollkommen ausreicht, sondern das Leben sogar bereichert. Stichwort: Minimalismus. Warum? Weil uns der reduzierte Besitz die Entscheidungslast abnimmt. Wer kennt es nicht: Man steht vor dem übervollen Kleiderschrank und hat nichts zum Anziehen. Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht –  man hat einfach zu viele Auswahlmöglichkeiten.

Die ideale Lebensform

Genau hier greift die Idee des Minimalismus. Denn sobald wir unsere Lieblingsstücke auf eine gesonderte Kleiderstange hängen, geht es doch sofort viel einfacher und wir kreieren viel schneller coole Looks. Das gleiche Prinzip leben überzeugte Tiny-Haus-Bewohner, die nur mit der nötigsten Einrichtung und teils mit weniger als 15 Quadratmetern auskommen. Dass uns purer Konsum nicht glücklich macht, und sich auch die Umwelt freut, wenn wir nicht schon wieder ein Shirt im Internet bestellen, ist nichts Neues. Schon die Stoiker im alten Griechenland predigten die „Einfachheit“ als ideale Lebensform. Und wenn „Weniger ist mehr“ bei Shoppen, Wohnen und Lebensstil gilt, dann bei Social Media doch erst recht, oder?

Real-Life-Inspiration statt „schöner Schein“

Auf Instagram lebe ich nach dieser Policy schon eine ganze Weile. Wessen Stories mich nerven, der wird gemutet. Accounts, denen ich folge, werden alle paar Monate ausgemistet. Wichtig sind mir dabei folgende vier Kriterien:

Entweder:

  • Kenne ich die Person hinter dem Account und interessiere mich für das, was sie macht?

Oder:

  • Inspiriert mich der Account und schaue ich mir die Posts auch wirklich an?
  • Macht mich der Account happy und hinterlässt er ein gutes (Selbstwert-)Gefühl?
  • Habe ich eine ausgewogene Mischung verschiedener Accounts, Unternehmen und auch Newsseiten, sodass ich auf Instagram alles, das mich interessiert, mitbekomme?

Und es funktioniert:

Mittlerweile scrolle ich wirklich gerne durch mein Instagram-Feed. Was ich sehe, sind nur noch Blogger, die mich nicht mit unglaubwürdigen Anzeigen nerven. Die nicht ständig nur gestellte Posts, sondern auch mal ein Real-Life-Bild hochladen. Menschen, die ich mag und deren tausendstes Urlaubsbild ich trotzdem gerne like. Newsseiten, die mir anzeigen, was ich wirklich über das Weltgeschehen wissen will.

Im Großen und Ganzen einfach ein bisschen weniger von allem –  und dafür genau die Posts, die ich gerne sehe und auch gerne lese. Die mich glücklich machen anstatt nur um Aufmerksamkeit zu buhlen. Ich glaube auf Facebook mache ich das jetzt auch mal. Tut mir leid Kevin und Isabell: Echt nicht böse gemeint, aber man sieht sich ja eh irgendwann auf dem Stufentreffen…

Titelbild: Unsplash/Christian Newman

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