Für mehr Frauen in der Popmusik!

Gender Gap, Equal Pay Day und so weiter: Die Kluft zwischen den Geschlechtern schließt sich nur langsam. Im Merlin gibt es mit Girl Put Your Records On deswegen das erste Branchentreffen für Frauen aus der hiesigen Musiklandschaft. Stadtkind sagt: You go girls!

Stuttgart – Die meisten Festival-Veranstalter? Männlich. Die meisten Musikmanager? Männlich. Die meisten Booker? Männlich. Die meisten Headliner? Männlich, männlich, männlich. Das zu ändern ist nicht ganz einfach. Es war aber auch nicht ganz einfach, auf dem Mond zu landen und wir haben es irgendwie, irgendwann trotzdem geschafft. Einen Anfang macht heute Abend Girl Put Your Records On im Kulturzentrum Merlin, ein Branchentreffen von Frauen für Frauen aus der regionalen Musikindustrie. Und der ist wichtig.

Die Festivals als Sausage Fest

Denn jeder, der in der Stuttgarter Musikszene unterwegs ist, weiß eigentlich: Es gibt verdammt viele Frauen, die aktiv am Musikbusiness beteiligt sind. Nur eben immer noch unterrepräsentiert und überwiegend nicht in hohen Positionen. Bei Musikern dasselbe Bild: Foo Fighters, The Cure, Interpol, Wolfmother und The Streets heißen die großen Namen beim diesjährigen Southside. Frauen? Fehlanzeige. Tool, Die Ärzte, Slipknot, Marteria & Casper sind es bei Rock am Ring. Dieselbe Nummer.

Frauen? Mangelware!

Deswegen hat das Popbüro Girl Put Your Records On initiiert. Um etwas zu verändern und Frauen die Möglichkeit zum Netzwerken zu geben. „Die Musikbranche allgemein, aber auch die lokale Musikbranche leidet immer noch unter einem Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern, wenn es beispielsweise um den Zugang zu Mitteln, Präsenz in der Branche oder öffentliche Wahrnehmung geht“, sagt Sara Stapp vom Popbüro. „Mit dieser Veranstaltung sehen wir die Möglichkeit, Musikerinnen und weibliche Musikschaffende zu unterstützen, ohne ihnen konkrete Vorgaben zu machen.“

„Mach‘ einfach und lass‘ dich nicht aufhalten“, das will man mit diesem neuen Event sagen. „Dementsprechend war nun die Idee, sich erst einmal gegenseitig kennenzulernen und sich gegenseitig zu supporten, um dann, wenn wieder die Frage nach weiblichen Musikschaffenden aufkommt, übereinander zu sprechen und sich gegenseitig zu empfehlen.“ Dafür gibt das Merlin zu gern seine Räumlichkeiten her – ein Umstand, über den das Popbüro sehr dankbar ist.

Gegen die Männerdomäne Musik

Denn auch wenn nicht immer eine böse Absicht dahintersteckt: Benachteiligung passiert schnell mal unterbewusst. Sara nickt. „Auch wir ertappen uns bei Booking-Vorschlägen, dass wir an eine rein männlich besetzte Band denken, obwohl eine gemischte oder weiblich besetzte Band genauso gut passen könnte. In den meisten Köpfen sind männliche Vorbilder auch heute noch so sehr verankert, dass wir immer zuerst an Musiker statt an Musikerinnen denken. Es haben sich über lange Zeit Strukturen gebildet, die Frauen oft ausgrenzen. Und diese gilt es, Stück für Stück abzubauen, indem wir gezielt Förderprogramme entwickeln.“

Sie sind da, sie machen ihren Job genauso gut

Chancengleichheit ist das Ziel. Aber noch ein weiter Weg. Zeigt sich ja allein schon an dem Geschiss, das gemacht wird, wenn es tatsächlich mal eine Band in die Medien schafft, bei der eine Frau nicht nur singt oder Gitarre spielt, sondern tatsächlich auch Musik und/oder Texte schreibt. Und wenn es mal eine reine Frauenband in unsere Breiten schafft, dann wird aus diesem Umstand allein schon ein PR-Slogan gedrechselt. „All female Rock-Band aus England“, heißt es dann ganz gern mal. Echt? Ist es so sensationell, dass auch Frauen eine Gitarre richtig herum halten und die Scheiße aus einem Drumkit herausprügeln können?

Scheinbar. Ziel dieses Projekts ist es deswegen, weibliche Musikschaffende sichtbar zu machen: Musikerinnen, Bookerinnen, Veranstalterinnen, Produzentinnen, Managerinnen und so weiter. „Sie sind da, sie machen ihren Job genauso gut – und das soll anerkannt werden. Das mag romantisch klingen, aber dann braucht es auch keine Quote.“

Nur das erste von vielen Treffen

Zum Auftakt an diesem Mittwoch um 18 Uhr ist die freie Bookerin, Promoterin, Produkt- und Labelmanagerin Imke Machura aus Hamburg als Gast dabei. 2017 rief sie den Raketerei-Podcast ins Leben, in dem sie Frauen porträtiert und interviewt, die die Musikbranche prägen und mitgestalten. Sie soll aber nur der erste Gast bei der ersten von hoffentlich vielen Veranstaltungen werden. Männer sind übrigens auch willkommen. Sara grinst: „Wir sind kein moderner, umgedrehter Boys Club. Wir wollen den Austausch, und darum ist auch niemand ausgeschlossen. Je mehr Diversität und Ansichten, desto besser.“ Amen.

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