Für Brustkrebs-
patientinnen: Dessous für die Seele

Rosa Schleifchen machen gerade die Runde, es ist Oktober und damit Brustkrebsvorsorgemonat. Jana Wagner bietet mit ihrer Boutique Le Néné der Thematik Brustkrebs die Präsenz und Bühne, die sie verdient.

Stuttgart – Man merkt, dass Jana Wagner eine Menge an Le Néné liegt, dass ihr Herz in diesem Laden in Stuttgart-Nord steckt. „Jeden Morgen schließe ich ihn auf und denke: Das ist mein Baby“, freut sich 35-Jährige. Hier kann sie sich verwirklichen – ihre Familie etwa sei happy, dass ihr Deko-Tsunami den Laden treffe, berichtet sie lachend. Doch da steckt noch so viel mehr dahinter. Etwa die Brustkrebserkrankung ihrer Mutter, ohne die es Le Néné nicht geben würde. Dass sich ihre Mama in Sanitätshäusern nicht wohl fühlte, ließ Jana nicht mehr los. Als die dreifache Mutter vor etwa fünf Jahren schließlich in einer Dessouszeitschrift folgende Zeile las: „Wunsch und Wirklichkeit der Kundin im Mastektomiebereich“, war ihr sofort klar: „Da muss sich etwas ändern.“

Stuttgart – zweite Liebe

Gebürtig aus Potsdam zog es Jana der Liebe wegen in den Kessel. „Die Schwaben scheint es ja wahnsinnig nach Berlin zu ziehen, das fasziniert mich immer wieder.“ Sie sei in und um Berlin herum aufgewachsen und habe sich nie richtig wohlgefühlt. „Berlin war nie ein Zuhause für mich. Alle wollen weg und ich bin ins Schwabenland gezogen. Und fühle mich hier richtig wohl, habe so viele zauberhafte Menschen kennengelernt.“ Bei Wörtern wie ‚kommsch‘ gehe ihr einfach das Herz auf. „Und wenn ich morgens über die Birkenwald- und Panoramastraße zur Arbeit fahre, der Blick in den Kessel, Weinberge mitten in der Stadt, Häuserreihen wie in Paris – das alles finde ich ganz großartig. Ich habe das erste Mal im Leben das Gefühl, richtig angekommen zu sein.“

Eine Bühne für die Thematik Brustkrebs 

Ein Grund dafür ist sicherlich auch Le Néné. Ihr Laden, der im November 2014 eröffnet wurde, sollte der Thematik Brustkrebs eine andere Präsenz und Bühne geben, „einfach eine, die sie verdient.“ Denn schließlich ist hier die Rede von 70.000 bis 75.000 Neuerkrankungen jährlich in Deutschland. Und das Angebot an BHs in Sanitätshäusern sei nicht besonders ausgeprägt.

Sidefact: An die BHs von Brustkrebspatientinnen werden besondere Anforderungen gestellt: Sie sollten keine Bügel mehr haben, breitere Träger und die Lymphproblematiken dürfen nicht verschlimmert werden. Aber deshalb muss es ja nicht hässlich sein! Das dachte sich auch Jana und betont: „Wäsche ist nicht gleich Wäsche, es ist das, was man morgens als erstes an- und abends als letztes auszieht. Und es macht einen Unterschied, ob ich aus der Dusche steige und einen hautfarbenen Lappen zum Bedecken anziehe oder ein Teil, bei dem die Farbe Spaß macht oder es besonders gut sitzt. Wäsche kann Stimmungen beeinflussen, Freude machen, Illusionen erschaffen und sich auch unter einem Jogginganzug fantastisch anfühlen.“

Sanitätshaus ist nicht gleich Sanitätshaus

Jana ist es aber auch wichtig, eine Lanze für Sanitätshäuser zu brechen, die unzählige Produkte anbieten müssen. Da sei es einfach auch knifflig für bestimmte Teilbereiche einen geschützten Raum zu schaffen und diesen auch ansprechend zu gestalten. „Es gibt Sanitätshäuser, die das mittlerweile schön lösen.“ Bei anderen sei aber noch Luft nach oben.

Sanitätshaus oder französische Boutique? Beides!

„Und im Grunde genommen sind wir ja auch ein Sanitätshaus, getarnt als französische Boutique“, so Jana lachend. Kollektionen würden in der ganzen Welt zusammengesammelt, die gebürtige Potsdamerin sei auch jedes Jahr auf der großen Messe in Paris, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. „Wir versuchen immer die Diamanten unter den Klo-Steinen da zu finden“, betont die 35-Jährige mit einem Augenzwinkern. Das sei ihr sehr wichtig und ein Anliegen. Genauso wie der geschützte Raum, den sie mit Le Nené geschaffen habe und anbiete. „Mir war auch wichtig, dass man sich aufs Wäsche kaufen freut. Da kommt es auch nicht aufs Alter an. Unsere älteste Kundin ist 96 und meinte kürzlich: Frau Wagner ich brauche etwas in sexy und habe das Gefühl, die Industrie sieht das in Kombination mit meinem Alter nicht mehr vor.“

Bewusst leben, anschauen, abtasten!

Was Jana hingegen ärgert: „Wenn es heißt, das kann dir ab 60 plus passieren. Nein, kann es nicht. Unsere Kundinnen sind zwischen 17 und 96 Jahren alt.“ Es gehe auch nicht darum, Panik zu schüren. „Aber schaut euch bewusst an und tastet euch bewusst ab, das ist unglaublich wichtig.“ Und dabei helfe auch der Oktober als Brustkrebsvorsorgemonat. Denn er erinnert Frauen: Geht zur Vorsorge! Das kann auch Leben retten.

Brustkrebspatientinnen den Schutzraum bieten, den sie verdienen: Das macht Jana Wagner mit ihrer Boutique Le Néné.

Und wie wird die Krankheit bei Le Néné zum Thema gemacht? „Das empfinde ich als ganz unterschiedlich, je nachdem wie frisch auch die Diagnose ist. In welcher Phase sich die Kundinnen gerade seelisch befindet.“ Das Zuhören und Miteinander würde bei Jana groß geschrieben, man nehme sich Zeit. „Mir ist wichtig, dass wir alle immer im Hinterkopf haben: Wir verkaufen hier keinen Liter Milch. Das ist hier etwas ganz anderes.“

Zwei BHs pro Jahr 

Auch wichtig und was viele nicht wissen: Den Kundinnen stehen zwei BHs pro Jahr zu – Prothesen, Ausgleichsschalen und Bademode. Jana hält dazu regelmäßig Vorträge in Kliniken und Selbsthilfegruppen. Apropos zwei BHs. Laut einer Statistik kauft sich die deutsche Frau 1,3 BHs im Jahr. Besonders amüsiert Jana, wenn Kundinnen anrufen, ihr BH sei jetzt „lommelig“, übrigens ein Lieblingswort der gebürtigen Potsdamerin – und das nach vier Jahren. „Da staunen wir hier manchmal schon. Wir haben aber natürlich auch Kundinnen, die diese Statistik kreischend und mit Freude über den Haufen rennen.“

Mehr Infos zu Le Néné gibt’s hier >>>

Le Nené – Seestraße 63

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