From Stuttgart to Kenia: Filmprojekt „Feminism Matters“

Feminismus – eine Bewegung, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kenia immer größere Wellen schlagen soll. Und zwar mit Hilfe des Filmprojektes „Feminism Matters“. Produktionsassistentin Daniela Fritz aus Stuttgart gibt im Interview Einblicke hinter die Kulissen.

Stuttgart/Nairobi ­– Seit einigen Wochen läuft die Fundraising-Kampagne zum Film „Feminism Matters“ nun schon. Und ist auf dem besten Weg, ihr Ziel zu erreichen. Bald schon soll es an die Umsetzung gehen. Die Geschichte, die die Macher des Films erzählen wollen, beleuchtet die Rechte der Frau in Kenia, hinterfragt bestehende Geschlechterrollen und behandelt Themen wie Gleichberechtigung und Empowerment. Gemeinsam wollen die Beteiligten versuchen, patriarchalische Strukturen mit der Kraft von Kunst und Kultur zu verändern und die Gesellschaft in Sachen Frauenrecht und Feminismus zu sensibilisieren.

Regisseurin und Filmemacherin Jinna Mutune, Aktivistin für Frauenrechte Binna Maseno und Emily Onyango in Kariobangi, Nairobi
Regisseurin und Filmemacherin Jinna Mutune, Aktivistin für Frauenrechte Binna Maseno und Emily Onyango in Kariobangi, Nairobi (Oktober 2018). Bild: Magnus Rosshagen

Ein Film über Feminismus in Nairobi ­– wie kam es dazu?

Daniela: „Die Idee ist letztes Jahr im K-Youth-Media Center in Kariobangi, einem Slum in Nairobi, im Rahmen eines Women-Empowerment-Workshops entstanden. Unter dem Thema #MeToo arbeiteten Frauenaktivistinnen drei Monate lang gemeinsam mit einer Gruppe von jungen Frauen in unterschiedlichen Disziplinen wie beispielsweise Fotografie. Daraus entstand dann die Idee, ein Filmprojekt ins Leben zu rufen.“

Feminism Matters ­– kannst du die Einstellung der Menschen vor Ort in Worte fassen und beschreiben, weshalb ein solches Projekt wichtig für die Gesellschaft ist?

Daniela: „Ich kann nicht für ganz Kenia sprechen, nicht mal für ganz Nairobi. Diese Stadt ist so unterschiedlich, die Menschen so divers. Die Kluft zwischen Arm, Mittelstand und Reich ist sehr groß. Ich habe das Leben im Slum erlebt, meine Freunde sind alle von dort. Im Slum herrschen ganz eigene Regeln. Es wäre zu einfach, verallgemeinernd zu sprechen und das will ich auch gar nicht, weil man selbst im Slum sonst nichts und niemandem gerecht wird. Aber von dem, was mir die jungen Frauen während des Fotografie-Workshops, den ich mitbetreute, erzählt haben, gehören körperliche Gewalt besonders gegen Frauen, sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt und Erniedrigungen zur Tagesordnung.

Für Jugendliche, die im Slum aufwachsen, ist es sehr schwer, über ihre Lebensumstände hinauszuwachsen ­– für Frauen noch schwerer. Beispielsweise werden aufgrund von Geldmangel oft nur die Jungen einer Familie zur Schule geschickt. Die Mädchen werden zu Hausfrauen und Müttern aufgezogen. Während des Workshops habe ich auch ganz stark gespürt, dass die Frauen es überhaupt nicht gewohnt sind, über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen und ihre Geschichten zu erzählen. Wir hatten das Thema #MeToo, innerhalb welchem die Frauen Fotos kreieren sollten. Es tat ihnen gut, zu sehen, dass sich andere für ihre Geschichte interessieren. Zu merken, welchen Einfluss Fotos haben können, was man mit ihnen ausdrücken kann. Genau das wollen wir mit dem Kurzfilm erreichen – ein Gesamtwerk, durch das die jungen Frauen ihre Geschichten erzählen können.“

Lynnette während eines Foto-Shootings in Nairobi, im Slum (Januar 2018). Bild: Daniela Fritz

Was hast du für dich persönlich aus der Zeit in Nairobi mitgenommen?

Daniela: „Als sich meine Zeit dort dem Ende zuneigte, ist es mir sehr schwer gefallen, wieder zu gehen. Dabei kam mir kein einziges Mal der Gedanke, ich wäre dort unersetzlich oder man käme nicht ohne mich klar. Es waren vielmehr die Menschen, die ich dort kennengelernt und in mein Herz geschlossen hatte, die Nairobi während meiner Zeit dort zu einem Zuhause gemacht haben. Auch jetzt, acht Monate später, ist der Wunsch, zurückzukehren und „meine Leute“ bei ihren coolen Ideen und Projekten zu unterstützen und mit ihnen zu leben, unverändert stark.

Ich hatte das große Glück unter anderem eine Gruppe junger Frauen im Alter von 17 bis 23 Jahren kennenzulernen. Sie alle waren Teil des Women-Empowerment-Workshops, der zur Stärkung und Unterstützung junger Frauen in den Slum-Regionen in Nairobi im Bereich Medien ins Leben gerufen wurde. Denn nach der Schule fehlt vielen Jugendlichen in Nairobi, besonders aus ärmeren Verhältnissen, eine Perspektive und schlicht die finanziellen Mittel für eine Weiterbildung. K-Youth Media will dem entgegenwirken, indem es Kurse im Medien-Bereich anbietet. Dadurch können sich die Jugendlichen Kompetenzen aneignen, die ihnen bessere Chancen für einen Berufseinstieg ermöglichen.“

Während der Abschlussfeier des Women-Empowerment-Workshops im Alliance Francaise in Nairobi (Februar 2018). Bild: Magnus Rosshagen

Gab es einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Daniela: „Schwere Frage. Es gibt so vieles, was mich in der Zeit dermaßen geprägt hat. Die vielen kleinen und großen Freuden, die ich dort erlebt habe, besonders aber die Freundschaften, die ich geschlossen habe. Vielleicht war es der Moment, von dem an ich nicht mehr nur irgendeine „Weiße“ war, sondern Dani ­– die Momente, in denen wir zusammen gelacht haben und ich für einen Augenblick vergessen konnte, dass ich nicht schwarz bin. Oder als ich im Slum bei einer jungen Mutter zu Besuch war, mit der wir ein Interview geführt haben, die uns bei starkem Regen bei sich aufgenommen hatte und uns erst wieder gehen ließ, als sie uns frische Chapati (eine Art Pfannkuchen) mit auf den Weg gegeben hatte.“

Eure Crowdfunding-Kampagne zum Film läuft derzeit. Wie sehen die weiteren Schritte aus?

Daniela: „Am 20. März werde ich nach Kenia fliegen, dann geht’s in die heiße Phase. Es wird viel zu koordinieren, planen und vorbereiten geben. Wir werden anfangen, das Drehbuch zu entwickeln, gleichzeitig weiter fundraisen, Kontakte knüpfen, den Dreh vorbereiten, Leute für den Dreh akquirieren etc. Dann geht’s an den Dreh selbst, der im Juni starten soll. Für Juli und August ist dann die Postproduktion angesetzt. Im September wollen wir den Film dann veröffentlichen und bei Filmfestivals enreichen. Mit etwas Glück gewinnen wir den ein oder anderen Preis, mit dem wir dann wiederum ein weiteres Filmprojekt finanzieren könnten.“

Emily Onyango, Projektkoordinatorin K-Youth Media in Nairobi, mit den Teilnehmerinnen Sharon Apido, Mercy Dwegi, Wangui Ndoga und Mary Nyambu (Oktober 2018). Bild: Magnus Rosshagen

Wer genau steckt hinter dem Projekt?

Daniela: „Magnus Rosshagen, Lehrer an einem Mediengymnasium in Stockholm und Mitbegründer des K-Youth Media Centers. Er hat die Leitung und Initiative des Projekts übernommen, ist stark aktiv im Fundraisen und Connecten und tut von Schweden aus was er kann. Jinna Mutune, eine bekannte kenianische Filmregisseurin, wird gemeinsam mit den jungen Frauen das Skript entwickeln und das Projekt bis zur Fertigstellung begleiten. Sie ist als Mentorin aktiv und hilft beim Netzwerken zwischen den jungen Frauen und Erfahrenen im Filmgeschäft in Kenia. Emily Onyango, Kizito Gamba und Samuel Karanja werden als K-Youth-Media Aulumni als Mentoren aktiv im Projekt, wenn es um das Training der jungen Frauen in den einzelnen Disziplinen des Filmemachens geht. Hierfür werden wir aber auch noch weitere professionals aus der Filmszene in Nairobi ins Boot holen. Betty Andera, Binna Maseno und Rachael Mwikali sind Frauenaktivistinnen, die die jungen Frauen während des Projekts begleiten und sie darin stärken, ihre Geschichten zu erzählen.

Außerdem gibt es, neben K-Youth Media, Organisationen aus den Bereichen der Kunst und Kultur-Förderung in Nairobi wie die Nacka-Nairobi Initiative, ASMO, Go Down Art Center Nairobi, Pawa254, die das Projekt in Sachen Promotion, Location-Bereitstellung, Equipment, Vernetzung oder im Event-Bereich unterstützen.“

Während eines Foto-Shootings des Workshops in Nairobi, im Slum, zum Thema #MeToo (Januar 2018). Bild: Daniela Fritz

Titelbild: Mercy Dwegi