Friseursalons eröffnen wieder: Das sagen Stuttgarter Friseure

Nach den ersten Lockerungen und Wiedereröffnungen in den vergangenen Wochen geht es nun auch für Friseursalons unter der Einhaltung besonderer Schutzmaßnahmen weiter. Wir haben bei Selbstständigen und kleinen Friseursalons in Stuttgart nachgefragt: Welchen Herausforderungen mussten sie sich stellen? Und wie geht es jetzt weiter?

Stuttgart – Rund sechs Wochen lang hatten Friseure Zwangspause. Nach ersten Wiedereröffnungen von Stuttgarter Shops sind seit heute, den 4. Mai, auch Friseursalons wieder geöffnet – natürlich unter der Einhaltung besonderer Schutzmaßnahmen und Hygieneauflagen. Unter anderem können durch die Abstandsbestimmungen weniger Menschen gleichzeitig bedient werden. Es gibt nun Hygienestationen am Eingangsbereich der Salons – Kaffee und Zeitschriften zum Friseurbesuch gehören erst einmal der Vergangenheit an, „gesichtsnahe Dienstleistungen“ wie Augenbrauen- und Wimpernfärben sowie Bartpflege sind auch verboten. Fakt ist: Es wird anders – sowohl für Friseure als auch Kunden. Wir haben uns bei kleinen Stuttgarter Friseursalons und Selbstständigen nach der aktuellen Stimmungslage erkundigt.

Corona: Unsicherheit auch für Friseure

Alle sind sich einig: Es waren und sind harte Zeiten. Die plötzlichen Schließungen haben den Betrieben zugesetzt: „Das Schlimmste daran war, meine Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, weil auch ich ohne sie aufgeschmissen wäre“, so Marcus Böhm vom Salon Turbulenzen.

Nina Wagner erinnert sich: „Die letzte Woche vor der Schließung hat es sich komisch angefühlt. Fast alle anderen Läden hatten bereits geschlossen und der Mindestabstand für alle von 1,5 Metern war ja auch schon vorgeschrieben. Dies hat uns sehr verwirrt.“

Zwar ohne Mitarbeiter, jedoch mit ähnlichen Problemen hatte Monia-Diana Söhner zu kämpfen. Die 31-jährige Friseurmeisterin arbeitet aktuell als Visagistin. Corona bedeutet für sie (nach wie vor): keine Aufträge.

Ob und wann es weitergeht? Eine der meistgestellten Fragen der vergangenen Wochen. Auch in Katja Zollers „studio ka“. Glücklicherweise gingt es mit der Soforthilfe von der Regierung ziemlich schnell: „Das hat uns schon sehr beruhigt“, berichtet sie.

Corona bedeutet vor allem, dass Lebensgrundlagen drohen wegzubrechen: „Wir mussten den Kunden kurzfristig absagen, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Da waren natürlich auch existenzielle Sorgen im Spiel – eine riesige Stresssituation für alle“, so Marcus Böhm.

Mehr Wertschätzung durch Corona-Frisuren

Vermisst habe man die Arbeit schon. Marcus Böhm und sein Team sind mit ihren Kunden über Social Media in Kontakt geblieben. Natürlich auch, um vor missglückten „Corona-Hairs“ zu warnen. „Wir haben mit einem Augenzwinkern darum gebeten, keine Selfmade-Aktionen zu starten. Wir sind gespannt, was auf uns zukommt.“

Und doch kann Nina Wagner den Griff zur Schere zuhause nachvollziehen: „Klar konnten es einige nicht aushalten und haben selbst Hand angelegt, das ist ja auch verständlich. Wenn man zum Beispiel einen Pony hat und kaum mehr etwas sieht, dann muss er natürlich gekürzt werden.“ Die Chefin des Salons im Lehenviertel sieht es positiv:

„Einigen ist vielleicht dadurch erst bewusst geworden, dass es gar nicht so einfach ist, was wir machen.“

Katja Zoller stimmt zu: „Ich glaube, umso mehr wird unser Beruf wieder geschätzt.“

Trotz der besonderen Maßnahmen überwiegt die Freude über die Wiedereröffnungen

Seit heute sind die Scheren in Stuttgarts Friseursalons wieder im Einsatz. Doch wie sieht es für Selbstständige ohne eigenen Laden aus? Für Monia-Diana Söhner ändert sich aktuell noch nichts: „Da ich ja überwiegend als Visagistin ohne festen Arbeitsplatz arbeite, habe ich bisher alle Anfragen für Frisuren abgelehnt. Die vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften kann ich so nicht wirklich einhalten.“

„Die größte Herausforderung war und ist es immer noch, den Ansturm, der jetzt auf uns zu kommt, irgendwie unter den Hygieneauflagen zu bewältigen. Der Mai war quasi innerhalb von zwei Tagen bereits voll ausgebucht“, so Nina Wagner. „Unser Online-Buchungssystem war zeitweise sogar überlastet“, berichtet Katja Zoller aus dem „studio ka“.

Man ist jedoch geduldig: „Die Kunden haben absolutes Verständnis dafür, wenn sie noch ein paar Wochen auf ihren Termin warten müssen. Das finden wir mega und sind super dankbar“, ergänzt Nina Wagner.

Trotz Sorgen freue man sich vor allem auf die Wiedereröffnungen. Im Salon Turbulenzen überwiegt der Tatendrang: „Wir freuen uns sehr auf unsere Kunden! Wir leben von Stammkunden und die sind uns als Menschen sehr ans Herz gewachsen“, erklärt Marcus Böhm.

Auch das „studio ka“ ist ready: „Wir haben genügend Desinfektionsmittel eingekauft und unser Mundschutz wurde fertiggestellt.“

Klar, das mit dem Mundschutz bei der Arbeit tragen, fühlt sich erst einmal seltsam an. Dennoch versuchen die Friseure, das Beste aus der jetzigen Situation zu machen: „Wir sind startklar, der Kalender ist voll und wir freuen uns auch, alle wiederzusehen und hoffen, dass unsere Kunden gesund sind und es auch bleiben“, so Nina Wagner.

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