FridaysForFuture: „Wir streiken für das Klima!“

„Wir sind hier, weil wir eine lebenswerte Zukunft wollen!“ Jeden Freitag treffen sich bundesweit Schüler und Studenten als Teil des FridaysForFuture-Netzwerkes vor öffentlichen Stellen, um wie die 16-jährige Aktivistin Greta Thunberg in Schweden für das Klima zu streiken. Wir haben uns mit Nisha Toussaint Teachout und Jonathan Fritz der Ortsgruppe Stuttgart getroffen.

Stuttgart – „We can no longer save the world by playing by the rules. It’s time to rebel to save the future.” Mit ihrer schonungslos ehrlichen Rede mischte die 16-Jährige Aktivistin Greta Thunberg nicht nur die Klimakonferenz in Kattowitz auf. Auch ihre Protestaktion, die sie „Schulstreik für das Klima“ nennt, findet nun weltweit immer mehr junge Anhänger. Alleine, mit selbstgebastelten Plakaten, sitzt sie seit mehreren Monaten jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament und streikt. Ein Anstoß, der vieles ins Rollen gebracht hat – auch hier in Stuttgart.

FridaysForFuture: Ein demokratisches Netzwerk

„Wir haben von Greta und ihrem Streik gehört und dachten: Das können wir auch, lass uns auf die Straße gehen“, erzählt die 19-jährige Nisha. Seitdem gibt es FridaysForFuture Stuttgart als Teil eines weltweiten Netzwerks junger Menschen, die das Thema Klimawandel und dessen Folgen auf die Karte setzen. Die Mitglieder der Ortsgruppe im Kessel sind ungefähr zwischen 14 und 26 Jahre alt, organisieren sich hauptsächlich über Facebook und WhatsApp – ganz demokratisch, ohne Anführer oder Entscheider. Auch Treffen finden statt, vor allem freitags, vor oder zum Streik selbst. Mitmachen kann jeder: „Entweder einfach vorbeikommen oder auf der Internetseite nach der jeweiligen Regionalgruppe suchen und beitreten.“

„Wir streiken, weil es richtig ist!“

Auch mit Klischees werden Nisha und Jonathan immer wieder konfrontiert: „Ach die Ökos wieder!“ Jonathan sagt: „Das ist Quatsch. Bei uns treffen Menschen aus den verschiedensten Bereichen zusammen. Wir streiken nicht, weil wir Ökos sind, sondern weil es richtig ist.“  Mit den Streiks wollen sie aufmerksam machen. „Es ist ein Prozess. Wir müssen das Verständnis der Menschen ändern. Dafür gehen wir auf die Straße.“ Nisha ergänzt: „Egal, ob wir interessiert sind oder nicht, der Klimawandel wird uns früher oder später betreffen. Noch haben wir den Luxus auf die Straße zu gehen und etwas zu bewegen. In anderen Teilen der Welt geht das nicht mehr.“

Nachhaltig denken, am besten schon gestern

Plastik vermeiden, weniger Fleisch essen, den Konsum einschränken oder regionale und saisonale Produkte verwenden – die Veränderung beginnt bei jedem Einzelnen: „Die Welt ist abhängig von der Gesellschaft und die Gesellschaft wiederum von uns Menschen“, so Nisha. Alle sind verantwortlich für die Gesellschaft, in der wir leben und somit zählt auch jede noch so kleine Veränderung. „Wer damit beginnt, inspiriert vielleicht andere, daraus entsteht eine Bewegung und auf diesem Weg können wir die Welt verändern.“

Jonathan betont, dass es nicht nur von Bedeutung sei, in der eigenen Heimat anzupacken: „Genauso müssen wir die Standards weltweit verbessern. Es ist eine Kettenreaktion. Die Auswirkungen werden erst später für uns spürbar sein.“

„Genau! Deshalb müssen wir jetzt damit anfangen. Denn irgendwann wir die Dringlichkeit größer, unser Leben wirklich radikal umzustellen“, ergänzt Nisha.

Forderungen an Politik und Bürger

Mit ihrem Streik richten sich die Schüler und Studenten von FridaysForFuture nicht nur an die Bürger und Bürgerinnen. Vor allem fordern sie die Politik dazu auf, die Klimaziele einzuhalten und diese Verantwortung nicht nur auf die Bevölkerung abzuwälzen: „Natürlich sind Regulierungen notwendig, jedoch ist es falsch, wenn Bürger eingeschränkt oder finanziell belastet werden.“

Neben allgemeinen Zielen wie der Abschaffung von Braunkohle, fordert die Ortsgruppe Stuttgart im speziellen nach einer transparenteren Klimapolitik sowie Alternativen, die größere Anreize schaffen, um etwas verändern zu wollen – zum Beispiel den kostenlosen Öffentlichen Nahverkehr.

Das nächste Treffen:

Stuttgart, 15.03.2019
11 Uhr: Marktplatz – Warm-up, Laut sein, Musik
12 Uhr: Kundgebung auf dem Schlossplatz
13.30 Uhr: Demozug durch die Stadt
14.30 – 16 Uhr: Marktplatz
Alle Infos gibt es hier >>>

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