Fotografin Linda Ambrosius

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben – und was sie so richtig nervt. Heute mit Fotografin, Flamingo-Expertin und Fahrradfahrerin Linda Ambrosius.

Stuttgart – Es war eine Reise, die alles veränderte. Als Linda Ambrosius vor zwei Jahren an der Seite eines Reisefilmproduzenten durch Nepal und Bhutan zog, war ihr plötzlich alles klar. Die Fotografie, die sie zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre als leidenschaftliches Hobby betrieb, sollte fortan ihr Beruf sein. Damals war sie 25 – und startete eine beeindruckende Karriere. Heute knipst sie am liebsten „Menschen und Mode“, wie sie selbst sagt, hatte aber auch schon mal wilde Flamingos im fernen Patagonien vor der Linse, hat den Mount Everest aus dem Flugzeug geknipst und schwebte in einem Helikopter mit offenen Türen über den Alpen.

Linda Ambrosius

Ebenso prägend findet sie aber „einen Menschen, der sich vor dir öffnet und dir Vertrauen schenkt.“ Ihren Bildern merkt man das an. Es sind wunderbare Momentaufnahmen, weder extrem belichtet noch stark bearbeitet. Ihre Portraits strahlen eine Natürlichkeit aus, die dennoch nicht ohne ein Fünkchen Glamour daherkommt. Ganz wie sie selbst also.

Wer oft auf Indie-Konzerten unterwegs ist, hat die junge Dame mit den langen Haaren vielleicht auch schon mal vor der Bühne gesehen – auch so eine Leidenschaft von ihr. „Ich fühle mich hinter der Kamera fast unsichtbar, als würden mich die Menschen vor der Bühne gar nicht wahrnehmen“, sagt sie schwärmerisch. „Ich bin mitten im Geschehen, aber doch nicht der Mittelpunkt, das gefällt mir.“ Was sie so alles im Städtle treibt, wenn sie mal nicht mit Flamingos auf Tuchfühlung geht, hat sie uns im Rahmen unserer Stadtkinder-Reihe anvertraut.

„Der Marienplatz ist einzigartig“

Seit wann lebst du in Stuttgart? Seit 2013, bedingt durch den Beginn meines Studiums an der Hochschule der Medien.

Wo wohnst du heute? Direkt am Marienplatz im wunderschönen Süden.

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders? Der Marienplatz an sich ist objektiv betrachtet eigentlich nicht schön, aber das Leben, das sich in den letzten Jahren drumrum entwickelt hat, macht diesen Platz meiner Meinung nach in Stuttgart einzigartig, gerade im Sommer.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Den genauen Zeitpunkt kann ich gar nicht bestimmen. Ich weiß auch gar nicht, ob es die Stadt an sich war oder vielmehr die Menschen, denen ich begegnen durfte. Ich hatte das Glück, auf eine wundervolle WG zu stoßen, durch die ich viele andere tolle Menschen kennengelernt habe – auch viele, die mich in beruflicher Hinsicht unterstützt haben.

Wo ist deine Hood? Der Süden. Hier habe ich meine liebsten Leute um mich, dazu Cafés, Restaurants – und das alles in einem Umkreis von fünf Minuten zu Fuß.

Wo ist Stuttgart am fotogensten? Alles eine Frage der Betrachtung. Mit der richtigen Tageszeit und dem richtigen Licht können eine extrem hässliche Einfahrt, eine Straßenecke oder auch ein Zimmer, in das ein kleiner Lichtstrahl dringt, zur perfekten Location werden.

Und wo am unfotogensten? Umgekehrt: Offensichtlich schöne Ecken verlieren oft den Reiz, da die Stadt doch relativ klein ist und diese Plätze schnell ausgelutscht sind.

Das Schönste an dieser Stadt ist…? Der Ausblick über die Stadt von einem der vielen Erhöhungen. Er beschert mir immer ein gewisses Freiheitsgefühl.

Ein Daueraufreger in dieser Stadt ist…? Die schlechte Luft.

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Der Buchladen „Buch im Süden“ am Bihlplatz, ein kleiner, feiner Laden mit sehr netten und kompetenten Mitarbeitern.

Deine Stuttgarter Lieblingsbands? Rikas und Eau Rouge, beides wundervolle Bands mit tollen Musikern, die ich schon oft fotografisch begleiten durfte

Dein Lieblingsrestaurant? L.A. Signorina. Mit bedingt durch das Personal dort, den Fußweg von knappen zwei Minuten von meiner Wohnung und natürlich die überragenden Pizzen und das Ambiente.

Deine Lieblingskneipe? Um gemütlich was trinken zu gehen, mag ich die Sattlerei zur Zeit sehr gerne. Feiern war ich in letzter Zeit ehrlich gesagt selten, hauptsächlich, weil ich den letzten zwei Jahren unfassbar viel unterwegs und selten an Wochenenden in Stuttgart war.

Wo bist du am häufigsten abgestürzt? Eindeutig im Freund & Kupferstecher – dort habe ich zwei Jahre lang gejobbt und dann natürlich auch privat viel Zeit verbracht. Das lag vor allem an dem starken Team, das den Laden am Laufen hält, und den tollen Jungs, die den Laden ins Leben gerufen haben.

Wo hängst du im Winter am liebsten ab? Im Winter mache ich es mir gerne Zuhause gemütlich oder setze mich mit einem guten Buch in ein hübsches Café, zum Beispiel ins Café Condesa.

Wie bist du in der Stadt unterwegs? Im Sommer sehr viel mit dem Fahrrad. Im Winter siegt jedoch oft die Faulheit und die öffentlichen Verkehrsmittel werden zum Beförderungsmittel Nummer eins.

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Wasser. Gerade im Sommer. Ich finde offenes Wasser unfassbar beruhigend und Stuttgart hat leider weder schöne Seen in näherer Umgebung, noch einen schönen Zugang zum Neckar.

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? Mehr Raum für Kulturelles, Musik, Kunst und Kreativität.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? In die Stuttgarter Oper gehen. Das ist eines dieser Dinge, über die ich mit Freunden schon etliche Male gesprochen und doch bislang nie umgesetzt habe.

www.lindaambrosius.de

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