Fluxus-Abschied: Die Bar Tatti hat eine neue Heimat

An das Ende des Fluxus hat man sich so langsam gewöhnt. Längst hat die Phase begonnen, in der spekuliert wird, wie es mit den einzelnen Mietern weitergeht. Das Rätsel um die neue Location der Bar Tatti ist nun gelöst.

Stuttgart – Was alle vorzeigbaren Menschen in Stuttgart unter 40 in den vergangenen Wochen beschäftigt hat, war nicht die Frage, wo bezahlbarer Wohnraum herkommen soll, wieso dieser eine Onkel aus Bayern die Bundeskanzlerin so sehr nervt oder wer die WM gewinnen wird (Deutschland nach Toren von Özil und Gündogan), sondern wohin die Bar Tatti ziehen wird.

Tatti-Geschichte wird weitererzählt

Das Tatti befand sich bisher am Eingang des Einzelhandels-Märchens Fluxus, war in Wahrheit aber so etwas wie die heimliche Herzkammer der Freizeitanlage für großstädtische Ausgeher und Flaneure. Zum 30. Juni ist die Fluxus-Geschichte mit so wunderbaren Läden wie The Local House, Mademoiselle Yéyé oder der schönen Bar Holzapfel bekanntlich auserzählt, am 14. Juli wird ein letztes Mal in memoriam Fluxus gefeiert und dann hatten Paul Benjamin Scheibe und Marcus Philipp erst einmal geplant, den Sommer zu genießen, um sich später nach einer Immobilie umzusehen, in der sie ihr nächstes gastronomisches Vorhaben verwirklichen können.

Der stets bestens unterrichtete Volksmund hat für solch einen Fall den Spruch „erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ parat, deshalb werden Scheibe und Philipp nun nahtlos weitermachen, und die Tatti-Geschichte an einer Stelle weitererzählen, an der man so viel Fluxus-Coolness nicht erwartet hätte: in der ehemaligen Kostbar, die jetzt noch Apanaya heißt, hinter dem Rathaus, in unmittelbarer Nähe zum Hans-im-Glück-Brunnen-Viertel. Das Apanaya wurde von Sascha Gerecht und seiner Frau Ramona betrieben, da Familie Gerecht aber nun endgültig und komplett nach Kalifornien übersiedelt, war dieses Objekt überraschender Weise auf dem Markt.

Wir wollen das Besondere der Bar fortführen.

„Eigentlich waren wir uns sicher, dass man den Tatti-Spirit nicht an anderer Stelle weiter erzählen kann. Mit dem Apanaya haben wir nun aber einen Ort gefunden, wo wir genau das doch schaffen wollen“, sagt Paul Benjamin Scheibe über die neue Herausforderung. „Wir wollen den Außenbereich komplett umgestalten, mit der ungezwungeneren Tatti-Bestuhlung, innen alles Weiß streichen und auch sonst alles versuchen, das Besondere an unserer Bar an dieser Stelle fortzuführen“, so Scheibe weiter.

Tatsächlich könnte das sehr gut funktionieren, steht und fällt eine Location doch mit der eigenen Note und dem Stil, den die Betreiber mitbringen. Die Stuttgarter Innenstadt ist in Bezug auf den Handel wie alle deutschen Innenstädte geprägt durch Ketten und Filialisten. Im Bereich der Gastronomie gibt es aber gerade in diesem Teil der City individuelle Ausgehorte:

Am Oppenheimer Platz hat sich das kleine Juwel Consafos einen Namen gemacht, Bars wie das Bergamo am Hans-im-Glück-Brunnen funktionieren seit Jahren und an der Eberhardstraße ist das Bermuda-Dreieck Breitengrad samt Bar- und Club-Doppelpack White Noise ebenfalls gut besucht. Gleichzeitig haben es Ketten wie Burger King in dieser Ecke schwer, wie sich erst kürzlich gezeigt hat.

Ein nahtloser Tatti-Übergang

So könnte in diesem Teil der Stuttgarter Innenstadt eine neue, kleine Ausgehmeile entstehen, die perspektivisch noch größer werden dürfte: Am Fruchtkasten neben der Stiftskirche wird im Herbst ein Gastro-Konzept eröffnen, das es in dieser Form in Stuttgart bisher noch nicht gibt, und auch für die Gastronomieflächen im Neubau der Rathausgarage gibt es dem Vernehmen nach interessante Bewerber.

Jetzt ist aber zunächst einmal der nahtlose Tatti-Übergang von Interesse: „Wir wollen noch im Juli an der Steinstraße an den Start gehen“, erklärt Marcus Philipp. Das ist sehr fürsorglich von den Tatti-Machern: So wird ihre Fangemeinde nur wenige Tage heimatlos sein.

(Foto: Lichtgut/Leif Piechowski)

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