FlixTrain: Eine heiße Erfahrung

Ein heißer Erfahrungsbericht über die Fahrt mit dem FlixTrain von Stuttgart nach Berlin. Ohne WLAN und ohne Klimaanlage. Dafür mit netten Bekanntschaften.

Stuttgart – Ich war zwar noch nie in Indien, aber so stelle ich mir dort eine Zugfahrt vor. Mein Fensterplatz glich einem Solarium. Die Hitze stand quasi sichtbar im Abteil und von einer Klimaanlage war die Lüftung des Wagens so weit entfernt, wie Stuttgart 21 von der Fertigstellung. Über das gemeinsame Thema „Schwitzen“ kamen ich und meine Nebensitzerin recht schnell ins Gespräch. Erster Pluspunkt für den FlixTrain: Kommunikation wird durch das nicht funktionierende WLAN zusätzlich gefördert.

Hitzige Gespräche

Ihr Griff ging zwar noch ein paar Mal zum Smartphone, doch da das Mobilfunk-Netz auf der Strecke ungefähr so gut ist, wie im S-Bahn-Tunnel zwischen Bad Cannstatt und dem Hauptbahnhof, haben wir uns einfach mal versucht kennenzulernen. Mit jeder Schweißperle fiel auch die Zurückhaltung und unser Gespräch glich einem schönem Fiebertraum.

Unser Zug war ein abgerockter Regionalexpress in neuem FlixTrain-Dress. Weil es ein alter Wagon war, ließen sich noch die beiden großen Schiebefenster öffnen. Dadurch entstand zwar das unangenehme Luftflattern, das wirklich laut werden kann und mit der Zeit richtig nervt, aber immerhin sorgte es für ein wenig Durchzug im Wagen.

In Mannheim verließ mich dann meine nette Leidensgenossin und ich machte mich im Zuge dessen auf die Suche nach dem Speisewagen. Dieser Speisewagen war zwar nur eine Kabine mit Kühlschrank, dafür waren die Getränke aber auch warm. Man soll bei der Hitze ja bekanntlich lieber Tee trinken. Humor haben die Flixis!

 

FlixTrain: Der grüne Don Quichotte

Doch das alles ist natürlich Meckern auf hohem Niveau. Denn das Ticket war mit 39€ für die Hin- und 29€ für die Rückfahrt ein super Schnäppchen. Außerdem ist der FlixTrain eine faire Initiative für mehr Wettbewerb auf den Gleisen Deutschlands. Die Deutsche Bahn hatte nämlich seit jeher ein Monopol und war daher ein echter Elefant im Porzellanladen.

Bisher ist dieser einsame grüne Zug also der Don Quichotte zwischen Stuttgart und Berlin. Täglich kämpft er gegen die großen Windmühlen der Deutschen Bahn an und steht nicht selten auf dem Abstellgleis. Denn die Vorfahrt auf den Schienen wird meist den weißen Zügen mit roter Schrift gewährt.

So sagt der Schaffner nicht nur einmal durch, dass die Verzögerung aufgrund von „Bauarbeiten der Deutschen Bahn“ oder „wegen des Wartens auf einen passierenden ICE“ zustande kommt. Der arme Kerl hat sich ständig für irgendwas entschuldigt.

Und dann auch noch 15 Minuten zu früh in Berlin

Und dann auch noch das: Der FlixTrain holt die Verspätungen tatsächlich wieder rein und wir kommen sogar 15 Minuten früher in Berlin an. Das habe ich mit der Bahn noch nie erlebt. Und auch den Rest nicht. Bahnfahren kann einfach immer noch ein Abenteuer sein. Denn immerhin habe ich jetzt eine neue Facebook-Freundin, mein Buch zu Ende gelesen und zwei nasse T-Shirts. Königsdisziplin: auf der Toilette umziehen.

(Titelbild: Lichtgut/Julian Rettig)

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