Flanking: Über einen Modetrend, der keiner ist

Der vermeintliche Modetrend „Flanking“ ist jetzt auch in Stuttgart angekommen, sagen die Kollegen der Stuttgarter Nachrichten. Stadtkind-Redakteur Peter Buchholtz ist der Meinung: Nicht jeder muss über Mode sprechen. Er macht’s trotzdem.

Stuttgart – „Flanking“ soll der neue Modetrend sein, meinen die Kollegen der Stuttgarter Nachrichten in einer Kolumne. Die Stadtkind-Redakteure (und nicht nur die, sondern auch viele Leser) fragen sich derweil: Warum ist der erst nach fünf Jahren hier angekommen? Auch der Rest der Stuttgarter gibt sich seit Jahren gefangen zwischen Trends wie dem Layer-Look und knallroten Turnschuhen.

Teils unfreiwillig, weil Mann beim Friseur auch heute noch die von Testosteron triefende Presseschau aus Focus, Autozeitschrift und Grillmagazin vorgelegt bekommt. Nicht jeder muss – vielleicht auch aus modischen Gründen – die neue 032c unter dem Arm tragen. Aber eine zerfledderte Vogue liegt doch bestimmt irgendwo noch rum.

Modetrends zwischen Mercedes-Cup und Meat-Club

Bei Modeexperten gilt mittlerweile unter der Hand der Grundsatz: Wenn sich ein Modetrend bis nach Stuttgart durchgesprochen hat, dann gilt er offiziell als beendet. Da hilft es auch nicht, wenn der Journalist beim „Weissenhof-Tennisturnier um den Mercedes-Cup oder bei der Eröffnungsfeier des Meat-Clubs zweier Fußballprofis“ modische Eindrücke sammelt. Es ist schon eher fahrlässig. Bei Fußballern nach neuen Modetrends zu suchen ist etwa so, als würde man im schwäbischen Restaurant Spaghetti Carbonara bestellen und das kulinarische Ergebnis für jeden zukünftigen Besuch beim Italiener als Richtwert nehmen.

Dabei ist bekannt: Wenn Fußballer den Swag aufdrehen, hat das wenig mit Mode zu tun, dafür aber umso mehr mit Geld verbrennen. Beim Royal Ascot hat man den „Knöchel-Exhibitionismus“, den laut Bogen bisher niemand auf dem Schirm hatte, inzwischen verboten: Männer sind laut offiziellem Dresscode dazu verpflichtet, in schwarzen Schuhen mit Socken über die Rennbahn zu flanieren.

Das einzige modische Credo auf der Königstraße

Und was ist das eigentlich für ein Begriff, „Flanking“? Das klingt in etwa so unangenehm, wie wenn Markus Lanz vom „Simsen“ spricht, oder Günther Oettinger vom Internet. Benutzt wird dieser Begriff jedenfalls nicht, auch wenn man ihn bei Google findet. Aber anscheinend haben wir Glück. Denn das Positive an der Erscheinung „Flanking“ sei, schreibt Bogen, „dass bei allen, ob bei dicken oder dünnen Menschen, die Fußfessel ähnlich ist“. Das bedeutet nun, dass Uwe Bogen entweder dicke oder dünne Menschen ansonsten für unansehnlich hält. Oder, dass er sich darüber freut, dass wir im Grunde doch alle gleich aussehen. Das ist nebenbei bemerkt auch seit Jahrzehnten das einzige modische Credo auf der Königstraße.

Auf der Rennbahn ist der Modetrend verboten.

Ran an die Äffchen!

Zu guter Letzt kommen hier noch drei Trends, die man als Stuttgarter 2018 nicht verpassen sollte (*Zwinkersmiley):

Die Schallplatte: Viele kennen diesen Tonträger noch aus Zeiten vor dem Krieg. Doch 2018 feiert die Schallplatte ihr großes Comeback. Von Helene Fischer bis Andreas Gabalier – alles, was heute in Jugendzimmern angesagt ist, wird auch wieder in schwarzem Gold gepresst.

Burger: Dieser Trend stammt frisch aus den USA und verbreitet sich auch in der Landeshauptstadt rasend schnell. Leckere Burger Patties aus bestem Rindfleisch oder zerrupftem Schwein gibt es 2018 endlich auch in Stuttgart an jeder Ecke.

WhatsApp: Fax, SMS und Email – das war gestern. Heute werden Nachrichten frech per WhatsApp verschickt. Für Menschen über 40 gilt dabei: Je mehr Emojis die Nachricht schmücken, desto wahrscheinlicher ist, dass die Botschaft im Familienchat von den Kindern gelesen wird. Also ran an die Äffchen – vielleicht sind sie 2019 schon längst out.