Festival-Bericht: „Wasser mit Geschmack“

3200 Besucher feierten am Samstag auf dem Festival „Wasser mit Geschmack“ zwischen Schwäbisch Gmünd und Aalen, das vor sechs Jahren auf Omas Obstwiese startete.

Heubach – Gut gerüstet laufen die zumeist jungen Festivalgänger am Samstag entlang der Heubacher Straßen, das vorerst abrupte Ende des Sommers hat auch vor der Stadt mit knapp 10.000 Einwohnern keinen Halt gemacht. Trotz miesem Wetter tingeln massenhaft gut gelaunte Menschen in übergroßen Regenparkas in Richtung „Wasser mit Geschmack“. Wer vorhatte, viel Haut zu zeigen, muss sich mit einer Jacke zufriedengeben. Die Sonnenbrillen gehören dagegen beim Techno-Publikum zur Grundausstattung, da ist das Wetter nicht entscheidend. 3200 „Wasser mit Geschmack“-Tickets waren schon im Vorfeld verkauft worden – „Ausverkauft“ posteten die Veranstalter Wochen vor dem Event auf ihren Social-Media-Kanälen.

Ein Festival von Freunden für Freunde

Der Südwesten ist nicht gerade bekannt für Festivals, bei denen House und Techno das musikalische Programm dominieren. Insbesondere am Rande des Remstals zwischen Schwäbisch Gmünd und Aalen würden die meisten eine solche Veranstaltung wohl kaum vermuten. Doch dort, wo 25 Jahre lang das „Umsonst und draußen“-Festival organisiert wurde, hat sich in den vergangenen sechs Jahren ein kleines Festival zu einer festen Instanz entwickelt. 2013 hatte das erste „Wasser mit Geschmack“-Festival noch auf Omas Obstwiese stattgefunden, 300 Besucher kamen zur ersten Ausgabe. Unter dem Motto „Von Freunden für Freunde“ wurden die Eintrittsbänder kostenlos im Freundeskreis verteilt. Seitdem steigen die Besucherzahlen jedes Jahr an.

2015 zog das Festival von der Obstwiese in die Stellung, ein schmales Tal unterhalb der Burgruine Rosenstein. Von drei Bühnen wurden die Gäste am Samstag mit House, Techno und Disco beschallt, die beeindruckende Soundtechnik kommt dabei von der österreichischen Firma Lambda Labs. Chen Hen Mai, einer der fünf Veranstalter, die sich alle aus Heubach kennen, sieht den Erfolg des Festivals in dem großen Aufwand, den die fünf jedes Jahr betreiben. „Viel viel Liebe“ steckten sie jedes Jahr aufs Neue in das Festival. „Die Gäste schätzen, dass wir es ihnen so schön wie möglich machen“, vermutet der 32-jährige Kreativleiter des Festivals.

Jedes Jahr ein neues Thema

Jedes Jahr gibt es ein Thema, das Deko-Elemente und Licht bestimmt. Nach dem Motto „Tieftreiben“ im Vorjahr, bei dem Quallen, Fische und Seeungeheuer das Bild bestimmten, brachen die fünf Jungs in diesem Jahr weiter nach unten durch. Passend zum Motto „Unter der Erde“ wurden auch die drei Stages Bergwerk, Durchbruch und Vergessene Welt getauft. Große Plastiken, u.a. ein Flugsaurier und ein rotierender Bohrer, unterstützen Lichteffekte und Nebelschwaden und verlegten das Festival in dem grünen Tal unter Tage. „Deko ist uns sehr wichtig“, verrät Chen Hen Mai. Mit der Zeit seien mehr und mehr Freunde dazugekommen, die ebenfalls Spaß daran haben.

Mit Acts wie den Italienern Moonwalk, die ihre Platten auf Oliver Koletzkis Label „Stil vor Talent“ veröffentlichen, dem Berliner Stefan Biniak oder den Liveacts Jonas Saalbach und Einmusik, bringen die Veranstalter große Namen der Szene in den Ostalbkreis. Der Exil-Stuttgarter Niklas Ibach, bekannt durch House-Remixe bekannter Popsongs, spielte das erste Mal unter seinem Techno-Pseudonym Max Marsalle. Aus Stuttgart waren außerdem die „Ottencrew“ und die Jungs von „Midnight Service“ mit Showcases auf der Disco Stage vertreten.

Gute Zusammenarbeit mit der Stadt

Auch den DJs machte der plötzliche Temperatursturz teilweise zu schaffen. Stefan Biniak, der direkt aus Rumänien anreiste, hatte keine lange Hose im Gepäck, dafür aber wenigstens eine Regenjacke. Das sei seine Standardausrüstung, „die hat mich heute gerettet“. Beim „WMG“, wie die Organisatoren es nennen, war Biniak zum ersten Mal. Das Festival sei für ihn aufgrund der Tallage etwas Außergewöhnliches. „Die Stimmung ist so, dass es die Leute mitzieht.“ Getrübt werden konnte diese auch nicht von den zwischenzeitlichen Regenschauern. „Wasser mit Geschmack“ eben.

Bei der Stadt Heubach komme das Festival auch gut an, freut sich Chen Hen Mai, im Grunde gebe es gar keine Beschwerden. Tontechniker kümmern sich darum, dass die Musik nur dort gehört wird, wo sie auch gehört werden soll, nämlich vor den Bühnen. Das Ergebnis ist zweifellos gut. Obwohl die Bühnen recht nah beieinanderliegen, überlagert sich der Sound nicht. Wer vor einer der Bühnen steht, kann sicher sein, auch nur die dortige Musik zu hören. Am Sonntag würden die Veranstalter außerdem dafür sorgen, dass die Straßen von Flaschen oder sonstigem Müll befreit sind. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Chen Hen Mai.

Wie geht es weiter?

Viele der Gäste des Festivals kommen aus der Gegend, einige aus Stuttgart. Trotzdem würden die Jungs auch merken, dass inzwischen auch Besucher aus Hessen oder Berlin anreisen. Dass das Festival jetzt auch überregional Anerkennung findet, sei etwas, dass die Jungs antreibt. Obwohl das Festival nur einen Tag läuft, kann von Freitag bis Sonntag auch gecampt werden.

Ob das Festival im nächsten Jahr erneut wachsen wird, ist noch unklar. „Wir können erst danach bewerten, wie wir mit der Kapazität umgehen“, erklärt Chen Hen Mai. Die Jungs aus Heubach wollen nicht überheblich werden und alles Schritt für Schritt machen. Damit dürften sie die Sympathien der Stadt, der Besucher und der DJs auf ihrer Seite haben.

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