Festival für Toleranz rund ums Consafos

Mit dem Platzfest  „Festival for Tolerance“ gedenken das Consafos und die Stiftung Geißstraße dem Namensgeber Joseph Süß Oppenheimer. Auf eine fröhliche Art – mit Musik, Drinks und der Nachbarschaft.

Stuttgart – Zwanzig Jahre ist es her, dass der kleine Platz im Herzen der Stadt nach Joseph Süß Oppenheimer benannt worden ist. Initiatoren der Aktion waren der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden und die Stiftung Geißstraße. Oppenheimer war eines der tragischsten Justizopfer der Stuttgarter Geschichte. Er wurde 1734 nach einem unfairen Prozess aufgrund von Intoleranz und Indizien zu Tode verurteilt und hingerichtet. Sein Leichnam wurde im Anschluss jahrelang zur Abschreckung ausgestellt.

Ein Festival für Vielfalt und Toleranz

Dass der kleine Platz am Rande der Königstraße nach dem jüdischen Verwaltungs- und Finanzexperten Joseph Süßkind Oppenheimer benannt ist, wissen leider nicht viele. Wenn Roy Safos erklären möchte wo sich sein Café Consafos befindet, das er gemeinsam mit seiner Frau Mes betreibt, erntet er fragende Blicke. „Kaum einer weiß, dass der Platz nach Oppenheimer benannt ist“, sagt er.

Zum zwanzigsten Jahrestag der Umbenennung soll dagegen jetzt vorgegangen werden – passend zum Namen des Platzes und zur aktuellen Situation mit einem großen Fest für Toleranz. „Wir finden es ist die perfekte Gelegenheit den Platz zu beleben und die Geschichte Oppenheimers wieder in Erinnerung zu rufen“, sagt Mes. Vor allem in einer Situation wie der aktuellen, wichtiger denn je. „Ich bin nicht politisch aktiv, lehne aber ab, was gerade passiert. Vielleicht können wir mit unserem Festival einen Beitrag leisten und ein Zeichen gegen Intoleranz und Vorurteile setzen“, sagt sie weiter.

Nachbarschaft und tolerantes Miteinander feiern

Mit dem Fest haben die Safos offene Türen eingerannt. Der Oppenheimer-Platz hat lange Jahre ein eher trostloses Dasein gefristet: Parkhaus-Verkehr, wendende Sattelschlepper und Baustellen waren und sind auch heute teilweise noch die dominierenden Lärmquellen.

Roy und Mes haben mit ihrem hübschen Café aber einiges für eine Aufwertung des grauen Unortes getan. Seit die Baustelle nicht mehr den halben Platz einnimmt, haben die beiden die Fläche vor dem Café mit selbstgebauten Möbeln versehen, Sitzbänke, Sonnenschirme und Pflanzen verschönern jetzt den Platz. Bis abends kann man hier nah genug und trotzdem weit genug entfernt vom Treiben der Königstraße noch in der Sonne sitzen, Kaffee trinken oder einen Drink schlürfen. Essen wird vom Essenziale nebenan geliefert.

Mit dem kleinen Quartiersfest am Samstag soll deshalb auch die Nachbarschaft gefeiert werden. Mit dabei ist neben dem Essenziale, Kim’s So Korean Food von nebenan, Gin von Heimat Gin und Rubus Gin, Süßes von Superjuju und die Nachbarn vom Haute Cueture Laden stellen ihre neue Herbst- und Winterkollektion vor. „Gedenken funktoniert auch auf eine solche Art, auf eine fröhliche Art“, sagt Michael Kienzle von der Stiftung Geißstraße.

Das Festival-Programm

13 bis 15 Uhr: Ansprache zum Jubiläum der Namensgebung, afrikanische Geschichtenerzählerin, Kinderprogramm, Podiumsdiskussion zum Thema Vielfalt und Toleranz

15 bis 17 Uhr: Live-Musik verschiedener Kulturen und Künstler

17 bis 22 Uhr: Musik von DJs vom „Camp David“, einer temporären Gastronomie, die vor vielen Jahren zeitweise den Oppenheimer-Platz belebt hat

Ab 22 Uhr: Party im Transit/Bergamo

 

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