Fegen & Fury – Marienplatz oder Müllhalde?

Ab sofort lassen wir Gast-Autoren zu Wort kommen. Diesmal macht sich der Stuttgarter Blogger Mojo from the Blog Luft. Worum es geht? Die Vermüllung der Stadt. Am liebsten würde er seinen Kehrwochen-Nachbarn mal auf Streife schicken.

Stuttgart – Es ist Frühling! Endlich! Der Winter ist endgültig vorbei, der Sommer naht. Welcome to the good Life. Und sobald die ersten Sonnenstrahlen unseren Kessel erreichen, treibt es die Stadtkinder nach draußen. Raus an die mehr oder weniger frische Luft, raus in den Park, raus an die Plätze unserer Stadt. Und da geht das Problem auch schon los! Denn wer in diesen Tagen in Stuttgart unterwegs ist, der wird es sicher schon gesehen haben – Müll soweit das Auge reicht! Und das im sonst so ordentlichen Stuttgart. Was ist da los?

Was juckt mich der Dreck von gestern?

Egal ob am Feuersee, im Schlossgarten, am Marienplatz oder sogar im schicken Degerloch (ja, auch Champagnerflaschen müssen entsorgt werden) – die Stadt versinkt regelrecht im Müll! Und dabei hat die Open-Air-Saison doch gerade erst begonnen. Deshalb frage ich mich, liebe Stuttgarter, ist das euer Ernst?

Sobald das Wetter besser wird, werden die Manieren vieler Leute offensichtlich schlechter. Anders lässt sich dieses Phänomen nicht erklären. Denn viele scheinen, sobald sie ihren kehrwochengepflegten Lebensraum verlassen, auch ihren Anstand daheim zu lassen. Und so landet der Müll an Stuttgarts Hotspots nicht in den dafür vorgesehenen Mülleimern, die übrigens nicht umsonst so heißen, nein, jeder lässt seinen Scheiss einfach irgendwo rumliegen. Irgendwer wird es schon wieder wegkehren. „Littering“ nennt man das im Cool-Kids-Jargon. Asoziales Verhalten nenne ich es.

Leute, was ist los mit euch? Ist es wirklich so schwer, dass sich jeder ein bisschen für unsere Plätze verantwortlich fühlt? Ist es wirklich so, dass jeder – im wahrsten Sinne – nur vor seiner eigenen Tür kehrt, auf öffentlichen Plätzen aber schön die Sau rauslässt?

Müll-Ausnahmezustand

Und so herrscht zum Beispiel am Marienplatz nach jedem sonnigen Tag und jeder lauen Nacht der absolute Müll-Ausahmezustand. Sonntagmorgen und man sitzt wortwörtlich auf einer Müllhalde, während ein paar Meter weiter Kinder zwischen Scherben, Zigarettenstummeln und auf den Boden geworfenen Eisbechern spielen. Das kann’s doch nicht sein! Klar, die wenigen Mülleimer auf dem Platz quellen schon nach wenigen Stunden über. Aber das rechtfertigt doch noch lange nicht, dass jeder seinen Müll einfach irgendwo auf „Stuttgarts urbaner Betonwüste“ liegen lässt. Was juckt mich mein Dreck von gestern? Irgendwer wird das Chaos schon wieder beseitigen!

Fegen & Fury

Ja, der Frühling und Sommer könnte an Stuttgarts beliebten und belebten Plätzen so schön sein. Fast ein bisschen wie Urlaub fühlt es sich dort an. Wäre da nicht das Meer aus Müll, das immer bedrohlicher an den Stammplatz im Condesa oder den Lieblingsplatz am Feuerseeufer heranwächst. Es ist eine Art Dominoeffekt. Überall in der Stadt. Sobald einer etwas liegen lässt, macht’s ein anderer nach. Warum soll ICH jetzt meinen Müll wieder mitnehmen oder – ganz verrückt – in den nächsten oder sogar erst übernächsten Mülleimer werfen, die anderen machen es doch auch nicht?! Aber Hauptsache wir schimpfen alle über das „böse“ Auto, die vielen Baustellen und die, ach, so dreckige Luft in Stuttgart. Ja, dieser Müllwahnsinn in der Stadt regt mich auf. Fegen & Fury! Es ist einfach eine Schande, dass unsere Parks und Plätze von uns Stuttgartern selbst Tag für Tag so zurückgelassen werden. Müll soweit das Auge reicht. Alter, wie mich diese „Ich-lass-einfach-alles-liegen“-Mentalität ankotzt.

Auch die Pizzeria L.A. Signorina ist sich der Müllverschmutzung auf dem Platz vor ihrer Location bewusst. Deswegen: Keine Pizza to go mehr für den Marienplatz. In einem Facebook-Post schreiben sie dazu:

„PIZZASCHNITTCHEN DIESER STADT,
AUFGRUND DIVERSER GRÜNDE KÖNNEN WIR EUCH AN SONNIGEN WOCHENENDEN KEINE PIZZA TO GO MEHR ANBIETEN.
ZUM EINEN WOLLEN WIR UNS BESSER UM UNSERE GÄSTE IM HAUS KÜMMERN, ZUM ANDEREN WOLLEN WIR NICHT ZUR VERMÜLLUNG DES MARIENPLATZES BEITRAGEN.
ALSO, NEHMT EUCH EINE STUNDE ZEIT, SETZT EUCH UND GENIESST DIE PIZZA VOM TELLER. DAS SCHMECKT BESSER UND SPART MÜLL.
EURE SIGNORINA“

Müll-Anarchie am Marienplatz

Es ist irgendwie verrückt, bei mir daheim wird die berühmte schwäbische Kehrwoche akribisch von meinen Nachbarn überwacht. Und wehe da liegt auch nur ein Papierle auf dem Gehweg. Skandal, böser Zettel an der Haustür, großes Drama! Story of my life!
Umso irritierender ist es, dass nur wenige Meter weiter, auf dem Marienplatz, eine Art Müllanarchie herrscht. Klar, es ist super schön an lauen Frühlings- und Sommerabenden draußen zu sitzen, ein Bierchen zu trinken und zu chillen. Aber dann muss es doch mögliche sein, dass man seinen Müll wieder mitnimmt? So schwer kann das nicht sein! Am Marienplatz hat das L.A. Signorina inzwischen schon Gegenmaßnahmen eingeleiteten und verkauft über die warmen Tage an den Wochenenden keine Pizza to-go mehr. Vor Ort schmeckt’s bekanntlich eh besser und nur so kann man gegen die Müllflut auf Stuttgarts beliebtester Betonwüste irgendwie ankämpfen.
Und auch die Stadt versucht das Chaos zwar irgendwie immer wieder zu beseitigen, schickt täglich Reinigungstrupps an unsere Plätze, aber das reicht offensichtlich nicht aus. Das Problem liegt ganz klar im Verhalten derer, die sich zu fein sind, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. So spießig das klingt, so einfach ist es! Und in einer Stadt, in der „Parksünder“ 24/7 bestraft werden, sollte es doch auch möglich sein, irgendetwas gegen die ganzen „Müllsünder“ zu unternehmen?
Alternativ würde ich einfach mal meine Kehrwochennachbarn auf Streife schicken – und glaubt mir, das wollt ihr wirklich nicht!

Über den Autor: Mojo from the Blog

Joachim aka “Mojo” ist 28 Jahre alt und wohnt in Stuttgart-Süd. Wenn er sich nicht gerade mit seinen Nachbarn wegen der Kehrwoche streitet oder Maultaschen isst, trifft man ihn vor allem am Marienplatz und an sämtlichen coolen Spots der Stadt an. Für ihn ist Stuttgart fast so aufregend wie New York City – was in stetiger Konkurrenz zu Stuttgart als seine “Lieblingsstadt” steht. Deshalb schreibt er schon seit vier Jahren auf www.mojofromtheblog.de über das Leben im Kessel. Ein richtiges Stadtkind halt!

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One thought

  1. Sehr guter Beitrag! Ich sammle Müll im Park auf, auch wenn ich ihn nicht selber hinterlassen habe. Hoffentlich machen das immer mehr und es wird wieder besser. Am besten wäre es wenn mehr Mülleimer aufgestellt würden und gar nicht so viel Müll produziert würde…

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