Faszination Meer: Surferin und Fotografin Julia Ochs stellt im Coucou aus

Julia Ochs verbindet in ihrem Beruf zwei Leidenschaften: Surfen und Fotografieren. Ihre Arbeiten sind derzeit im Café Coucou im Stuttgarter Westen zu sehen.

Stuttgart – Weiße Gischt, die an Land trifft, Abstufungen unzähliger Blautöne, feiner brauner Sand, Schärfen und Unschärfen – manche von Julia Ochs Fotografien wirken viel mehr wie abstrakte Ölgemälde. Sie zeigen die Naturgewalt Meer, dessen Beschaffenheit und Texturen. „Für mich ist das Meer ein Ort der Ruhe und Entschleunigung“, sagt die Fotografin.

Faszination Meer dokumentiert

Ochs zog es schon immer ans Meer. Nach ihrem Studium an der Hochschule der Medien, ist sie nach Australien gereist. Ohne konkreten Plan, one way. Dort hat sie als Nanny gejobbt und ist zum ersten Mal auf einem Surfbrett gestanden. Da sie „irgendwas mit Medien“ studiert hat, kam auch ziemlich schnell das Angebot eines Surfcamps, Erinnerungsfotos von den Anfängern zu schießen. Surfen und Fotografieren – zwei Komponenten, die seit diesem einschneidenden Jahr im Leben der heute 31-Jährigen untrennbar zusammengehören. „Nach einem Jahr Australien war mir klar: Ich will immer am Meer leben!“. Danach ging es deshalb für eine Festanstellung nach Cornwall und anschließend in den Norden Portugals. Immer mit dabei: das Surfbrett und die Kamera.

Auch dort hat sie in einem Surfcamp fotografiert, zusätzlich für andere Auftraggeber wie Surfmagazine und Bademoden-Labels wie das Stuttgarter Label „Hi Oceanlovinggirls“. „Da stand für mich fest, dass ich Fotografin werden will“, erinnert sie sich.

Um sich die notwendigen Fähigkeiten anzueignen, ist sie zurück nach Deutschland, hat in Stuttgart und Berlin als Assistentin für verschiedene Fotografen gearbeitet. Und immer wieder ist sie zurück ans Meer – fünf bis sechs mal im Jahr ging es nach Portugal, Indonesien, Sri Lanka. Immer vor der Linse: Das Meer und Surfer von Anfängern bis hin zu Surflegenden wie Kelly Slater und Jordy Smith im portugiesischen Peniche.

„Das Meer steht für mich für die Verbindung zur Natur“, sagt Ochs. Für einen Perspektivenwechsel. „Man fühlt sich klein und bedeutungslos. Aber es fühlt sich dennoch richtig an, wie nach Hause kommen.“

Wie sich die Technik der 31-Jährigen seither entwickelt hat, ist derzeit in der Ausstellung „Visuals from the Sea“ im Café Coucou im Stuttgarter Westen zu sehen. Die Aufnahmen sind zwischen 2017 und 2019 in Frankreich, Portugal und Indonesien entstanden. Längst fotografiert Ochs nicht mehr nur mit Teleobjektiv und Stativ von Land aus das Geschehen im Wasser, sondern stürzt sich dank eines Wassergehäuses auch selbst hinein. „Wenn ich Surfen war, habe ich oft gedacht: Wenn ich jetzt nur meine Kamera dabei hätte!“. Viel näher kann sie seitdem die Energie zwischen Wasser und Mensch, zwischen Euphorie und ruhiger Momente auf dem Brett dokumentieren.

Unterschiedliche Temperaturbedingungen, Schwimmen, Tauchen, Strömungen, die Wucht der Wellen – beim Fotografieren im offenen Meer hilft ihr ihre jahrelange Erfahrung vom Surfen. „Man muss das Meer lesen können, Kondition haben und auch mal seine Angst überwinden“, sagt sie.

Ochs ist in der Nähe von Ulm aufgewachsen. Derzeit wohnt sie in Stuttgart. Hier ist für sie der Wald der Ersatz fürs fehlende Wasser. „Für mich ist Stuttgart die perfekte kleine Großstadt.“ Ob sie mal wieder ans Meer zieht, weiß sie noch nicht. Ein paar Monate im Jahr ihren Wohnsitz zu verlegen, könnte sich die freie Fotografin aber gut vorstellen. Und bis dahin geht es eben alle paar Monate ans Meer: Noch in diesem Winter soll es nach Norwegen oder Island gehen – in eine Umgebung, die vor allem in den kalten Monaten besonders rau und ursprünglich ist.

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