„Eine richtig gute Currywurstbude fehlt!“

Stuttgart, für immer erste Liebe: In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben – und was sie so richtig nervt. Heute mit Stefan Dachale, Kaffeeröster, Kaffeeversteher und Kaffeetrinker.

Ja, wie nennt man Leute wie Stefan Dachale jetzt eigentlich? Idealisten, Macher, Entrepreneure, Freaks, Impressarios, Aficionados, Besessene? Von allem ein bisschen wahrscheinlich. Eigene Rösterei, eine sexy und kurvenreiche Lady aus Metall mit ordentlich Dampf auf dem Tresen, ein kleines, heimeliges Café, Qualitätsanspruch und lückenlose Rückverfolgung seiner fair gehandelten Bohnen – sein Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit im Frühjahr 2015 wurde binnen kürzester Zeit zum neuen Stammcafé sehr, sehr vieler Koffeinabhängiger und Tratscher.

Schade, dass Bilder nicht riechen können: Stefan Dachale sorgt für röstfrischen Nachschub. Foto: Björn Springorum

Und Dachale selbst? Freut sich natürlich über die Beliebtheit seines Ladens. Jeden Montag steht er in seinem geschlossenen Laden und röstet neue Bohnen, bei unserem Treffen dürfen wir ihm dabei sogar über die Schulter schauen. Er selbst nennt sich übrigens „Green Bean Tuner“, verrät er mit einem schelmischen Grinsen. Was das bedeutet? Er denkt Kaffee eben wirklich weiter, gibt sich nicht damit zufrieden, Cappuccino oder Espresso zu kredenzen. Mixgetränke, Cold Brews neuartige oder traditionelle Zubereitungsmethoden… Dachale zeigt vor allem, wie vielfältig der Bohnentrunk ist. „Für mich ist Kaffee das großartigste Getränk der Welt – und da ich keinen Alkohol trinke, musste ich mir irgendetwas anderes zum Austoben suchen“, erzählt er lachend und rührt in den langsam rotierenden Bohnen.

Bevor Dachale sich den Traum von der eigenen Rösterei samt Café erfüllt hat, arbeitete er in der Film- und Werbebranche, wollte anfangs eigentlich nur eine eigene Rösterei. „Als ich meine jetzige Location im Stuttgarter Westen gefunden hatte“, erzählt er, „wusste ich aber: da muss ich einfach auch noch ein Café miteröffnen. So ein Café ist natürlich auch ein super Ort, um den Leuten zu zeigen, wie vielschichtig und lecker Kaffee sein kann.“ Das macht er mittlerweile auch auf Messen oder in Seminaren, zudem kündigen sich in nächster Zeit einige spannende Projekte und Entwicklungen im Mókuska Caffè an. Bis es soweit ist, genießen wir einen Filterkaffee (Dachales Favorit) und sprechen mit ihm über die Stadt, die er seit zweieinhalb Jahren mit Koffein und Fachwissen versorgt.

Seit wann lebst du in Stuttgart? Seit 2009.

Wo wohnst du heute? An der Rosenbergstraße im Stuttgarter Westen.

Was gefällt dir an der Ecke besonders, was eher weniger? Ich mag die Architektur, die Hinterhöfe und dass es hier immer wieder versteckte kleine Grünflächen gibt. Furchtbar ist die Parkplatzsituation – und dass es hier halt schon alles sehr eng bebaut ist.

Wann hast du dich in Stuttgart verliebt? Eigentlich erst recht spät – das war um 2012. Ich bin während meines Studiums immer zwischen Stuttgart und dem Bodensee gependelt. Dadurch war ich zwar unter der Woche immer in Stuttgart, habe der Stadt aber eigentlich keine Chance geben können. Nach unserer Trennung habe ich Stuttgart eigentlich erst richtig kennen- und auch schätzen gelernt.

Ein schöner Song einer Stuttgarter Band: Ich bin mit Stuttgarter Hip-Hop groß geworden, und da gibt es schon die eine oder andere Bombe. Ein Song, der immer geht, ist „Midnightsession“ von DJ Thomilla.

Wo ist deine Hood? Stuttgart-West. Da ich viel im und um den Laden bin, habe ich gar nicht die Zeit, von hier wegzukommen. Aber warum auch?

Wo kann man noch guten Kaffee genießen? In Stuttgart gibt es für mich wenige tolle Kaffeespots, an denen man sich wirklich mit Leidenschaft und Kenntnis dem Getränk widmet. Ich mag aber, was Michaela Tsanidou im Misch Misch macht.

Wo ist Stuttgart am schönsten? Schwierige Frage. Ich bin am Bodensee aufgewachsen, und eigentlich schätze ich die Natur. Ich mag den Feuersee, den Blick auf den Kessel vom Bismarckturm, aber auch die schnell erreichbaren und ruhigeren grünen Spots außerhalb der Stadt.

Wo am hässlichsten? Rund um den Hauptbahnhof.

Ein Daueraufreger in dieser Stadt ist…? Feinstaub und Parkplätze. Komisch – hängt irgendwie zusammen, oder?

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Eine vollkommen unerwartete Entdeckung war für mich das Kwan Kao an der Ludwigstraße. Das war für mich seit langem das mit Abstand beste thailändische Essen. Total winziger Laden, aber so richtig mit Herzblut geführt.

Wie reagierst du, wenn jemand sagt, die Stadt sei hässlich? Dann weiß ich, dass er Stuttgart einfach noch nicht richtig kennt.

Dein Lieblingsrestaurant? Habe ich aktuell nichts. Aber mit den richtigen Leuten und guter Küche ist für mich jedes Restaurant perfekt. Ein leckeres Sushi bei Hiro oder den Sonntagsbraten in der Metzgerei am Bismarckplatz würde ich aber natürlich nie ausschlagen.

Wo hängst du im Herbst am liebsten ab? In den Wäldern rund um den Bärensee. Aber besser auf den Wegen etwas abseits des Haupttrubels. Am liebsten mit Picknickdecke, leckerem Essen, Kaffee und natürlich meiner kleinen Familie im Gepäck.

Was würdest du sofort erlassen oder ändern, wenn du OB wärst? Ich würde eine Kampagne zum Thema Kaffee-Mehrwegbecher, in die ich gerade involviert bin, sofort fördern. Generell wäre es schön, wenn die Stadt ein wenig grüner werden würde. Und es ist echt schade, dass der Neckar irgendwie an Stuttgart vorbeifließt und kein richtiger Teil der Stadtkultur ist.

Wie bist du in der Stadt unterwegs? Meist mit dem Rad, zu Fuß oder mit den Öffis. Wir leihen uns zwar öfters ein Auto bei Stadtmobil, aber der Stadtverkehr geht mir meist tierisch auf die Nerven…

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Radwege und eine Behördenpolitik, die es Entrepreneuren und Gastronomen leichter macht. Ach ja, und eine richtig gute Currywurstbude!

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Ich war noch nie auf dem Monte Scherbelino und auch noch nicht im Porsche Museum.

mokuska-caffe.de

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