Ein Zeichen setzen gegen Homophobie

Gegen Diskriminierung und für Vielfalt und Toleranz: Heute ist der Internationale Tag gegen Homo-und Transphobie. Das wird auch in Stuttgart gefeiert.

Stuttgart – Es ist gar nicht so lange her, da wurde Homosexualität noch offiziell als psychische Krankheit eingestuft. Am 17. Mai 1990, vor genau 28 Jahren, beschloss die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität von der Liste der Krankheiten zu streichen. Seit 2005 wird dieser Tag jährlich als Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie begangen.

Diskrimierung immer noch alltäglich

Inzwischen hat sich die Situation für Schwule und Lesben in Deutschland gebessert, letztes Jahr führte der Bundestag die Home-Ehe ein. Doch noch immer müssen viele mit Diskriminierung und Vorurteilen kämpfen und in anderen Ländern gilt Homosexualität als ein Tabu, Schwule und Lesben werden verfolgt und bestraft.

„Homophobie und Transphobie sind mittlerweile wieder in Parteiprogrammen erhalten, es gibt Demonstrationen gegen den Bildungsplan und gegen Aktionspläne. Wir sind auch im Jahr 2018 nicht im Paradies der Gleichberechtigung angekommen. In anderen Staaten ist die Situation schlimmer, wie in der Türkei, wo es seit 2015 keinen CSD mehr gibt, weil die Regierung das verbietet“, sagt Christoph Michl vom CSD Stuttgart.

Auch in Deutschland hinkt einiges hinterher. 1994 wurde der Strafparagraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, abgeschafft. Erst 2017 wurden die Urteile, die auf Basis des Paragraphen gefällt worden sind, als unrecht anerkannt und die knapp 5000 noch lebenden Betroffenen entschädigt.

Und auch bei anderen Gesetzen gibt es Nachholbedarf. „Man darf jetzt zwar heiraten, aber eine gemeinschaftliche Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare ist nicht möglich. Das dauert noch lange, bis alle gleichberechtigt sind“, sagt Ulrike Goth vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD).

Kundgebung in Stuttgart

Mittlerweile hat sich der Aktionstag auch das Thema Transphobie auf die Fahnen geschrieben. Transsexualität wird von der WHO als Krankheit eingestuft, das soll aber demnächst geändert werden.

Daher ruft die Interessengemeinschaft Christopher Street Day (IG CSD) und der Lesben-und Schwulenverband Deutschland (LSVD) dazu auf, heute Flagge zu zeigen. Auf dem Kronprinzplatz findet um 17:45 Uhr eine Kundgebung zum Internationalen Tag gegen Homo-und Transphobie statt. Reden werden bei der Veranstaltung Vertreter der IG CSD und vom LSVD Baden-Württemberg sowie Manne Lucha, der Minister für Soziales und Integration Baden-Württembergs.

Anschließend lassen die Besucher bunte Luftballons in den Himmel aufsteigen als Zeichen der Erinnerung und der Mahnung. Ebenso steht auf der Königstraße (Höhe Büchsen-/Schulstraße) von 11 bis 19 Uhr ein Infostand, der über Homo-und Transphobie aufklärt.

Das Ganze bietet einen Vorgeschmack auf den Christopher Street Day, der vom 13. bis 29. Juli in Stuttgart stattfindet. Auch hier werden die Menschen aufgefordert, sich für Vielfalt und Akzeptanz einzusetzen.

„Auch wenn man die Ehe für Alle eingeführt hat, bedeutet das nicht, dass die Botschaft auch in den Köpfen der Gesellschaft angekommen ist. Wir müssen die eigene Brille abnehmen und uns fragen: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Sie soll geprägt sein durch Freiheit, Respekt und Vielfalt“, so Christoph Michl.

Mehr aus dem Web

Hinterlasse eine Antwort