Ein Spielautomat wandert durch Stuttgarter Bars

Er steht noch bis Mitte September im Raucherbereich der Bar Fais Dodo, sieht aus wie eine Zigarettenschachtel und brachte seinen Ideengeber dazu, mit dem Rauchen aufzuhören: der Spielautomat MadLove. Was steckt hinter dem interaktiven Kunst-Objekt? Wir haben nachgefragt.

Stuttgart – Genauer gefragt: Wer erweckte den wandernden Spielautomaten zum Leben? Zum einen Stefan, der nach eigenen Angaben „eigentlich“ Entwickler ist und im letzten Jahr seinen festen Job gekündigt hat, um sich mal ein bisschen bei freien Projekten auszutoben – „und ich habe eine Menge Freunde an der Kunstakademie“, stellt er lachend fest. Die perfekte Überleitung zu Christian bzw. Gurkiman, der dort Kommunikationsdesign studiert. Das Projekt habe nicht so viel mit seinem Studium zu tun. „Aber ich war passionierter Raucher.“ Kein Wunder folgt wenige Momente später der Satz: „Die Idee dazu hatte ich beim Rauchen.“ Die Rede ist vom Spielautomat MadLove, der erst anders hieß – man kann es sich denken. Beim legendären AKA-Rundgang, der kürzlich stattfand und bei dem Studenten ihre Arbeiten des vergangenen Jahres zeigten, hatten schließlich auch die beiden Kreativköpfe ihr interaktives Kunst-Objekt präsentiert. „Darauf haben wir hingearbeitet, es ist aber nicht dafür entstanden“, erklärt der Student.

Schnappsidee, Raucherbereich, Nostalgie-Vibes

„Eigentlich war’s voll die Schnapsidee“, sind sich die Freunde einig. Aber nicht wie wir uns das jetzt vorstellen: trinkfest in einer Raucherkneipe die Idee eines Spielautomaten feiernd. „Neeee! Irgendwann letzten Winter saß ich allein in der Küche, habe geraucht – und beim Rauchen über Videospiele nachgedacht: Ach, das wär doch lustig, da eine Animation draus zu machen“, erinnert sich Gurkiman. Aus der Idee wurde ein Video und das ging als Post auf Instagram viral.

Daraufhin hatte sich Stefan bei Christian gemeldet, voll motiviert: „Hey, lass uns das programmieren.“ Und weil die Jungs Zeit und keinen Bock auf halbe Sachen hatten, dachten sie sich: Lass uns noch einen Automaten dazu bauen. Das sei peu à peu etwas eskaliert, erzählen die beiden lachend. Passend dazu ist auch eine Posterserie entstanden. „Das ist tatsächlich klassisches Kommunikationsdesign und hat dann doch etwas mit meinem Studium zu tun.“

Und wie einfach oder auch schwer ist es einen Spielautomaten zu kreieren? „Uns war wichtig, dass es vom Stil wie ein altes Spiel daherkommt – ohne Game-Engine, die Logik musste ich komplett selbst schreiben“, erklärt Stefan. Grafisch habe Gurkiman alles umgesetzt. „Wir hatten an uns auch den Anspruch, dass es Bock macht das Spiel zu zocken – das war tricky.“ Die Herausforderung dabei: Es darf nicht zu monoton, aber auch nicht zu dynamisch sein. Auch den Automat baute Gurkiman komplett selbst.

Eine Wanderausstellung in den Bars von Stuttgart

Nach dem Rundgang ist vor dem Fais Dodo: „Es war uns auch einfach zu schade, den Automat verstauben zu lassen. Semesterarbeiten haben normalerweise auch nicht so einen Umfang“, betont Christian. Und viele hätten auch gefragt: Und was habt ihr jetzt damit vor? „Und dann haben wir einfach mal ein paar Bars angeschrieben.“ Denn der Automat soll wandern. Eine Website wird folgen, auf der nicht nur steht, wo sich der Automat gerade befindet, sondern auch der Highscore und die Top-Ten-Liste. To be continued.

Die Maße des Automaten:

Höhe: 1,84 m
Breite: 65 cm
Tiefe: 84 cm

„Es gibt kaum ein Videospiel, das so zynisch ist wie unseres“, findet Gurkiman lachend. „Vor allem wenn man bedenkt, dass ich bis zu Veröffentlichung selbst noch geraucht habe wie ein Schlot.“ Dass der Automat im Raucherbereich vom Fais Dodo steht, sei eigentlich eher Zufall, es passe von den Räumlichkeiten einfach am besten.

Das Spiel ist eine ironisch-zynische Auseinandersetzung mit dem Thema Rauchen. Die Spielmechanik lehnt sich dabei an den Arcade-Klassiker der Achtziger ‚Breakout‘ an.

Let the Wanderausstellung begin…

Apropos Arcade. Bei Janina Messerle und Sebastian Heitzmann vom Fais Dodo kam der Automat gleich super an. Man würde ihn sofort mit der Kindheit verbinden, wie man auf Campingplätzen Urlaub machte und am Arcade zockte. Und auch die Gäste freut’s.

Im Fais Dodo steht „MadLove“ noch bis Mitte September, danach zieht er weiter ins Icecafé Adria.

Aufgepasst: Das Fais Dodo hat vom 18. bis 30. August geschlossen, öffnet aber zwischendurch, am 24. August, für das Sommerfest. Mehr Infos gibt’s hier >>>

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