Ein Hund und die Depression

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Dieses Mal erzählt sie, wie ihre Hündin sie durch Tiefen und Höhen begleitet.

Bremerhaven/Stuttgart – In der Psychotherapie gibt es ein Verfahren, das sich tiergestützte Therapie nennt. Es wird von einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik berichtet, wenn Tiere wie Hunde oder Pferde einen Patienten begleiten. Eigentlich war ich eher ein Katzenmensch, jetzt habe ich meine kleine Hündin aus Rumänien und sie heißt Merle.

Ein neuer Alltag mit neuen Aufgaben

Für mich war das eine ganz neue Situation. Relativ spontan adoptierte ich Merle bei einem Tierschutzverein aus Rumänien. Vier Wochen später war sie da. Seitdem Merle in meinem Leben ist, schlafe ich wieder regelmäßig und gut.

Wir stehen jeden Morgen um 7 Uhr gemeinsam auf und gehen Gassi. Ob mir das passt oder nicht, ob ich liegen bleiben möchte oder nicht. Morgens überhaupt aufzustehen ist meist am schwierigsten, aber nach dem kleinen Spaziergang – bei jedem Wetter – bin ich wach und bereit für meinen Tag.

Merle und die Autorin

Merle verschönert mein Leben auf verschiedene Art und Weise. Sie ist treu, menschenbezogen, sie kuschelt gerne und ist der liebste Hund der Welt (das sagt wahrscheinlich jeder über sein Haustier).

Ich bin dazu gezwungen meinen Alltag zu strukturieren, das Haus zu verlassen und trage nicht mehr nur für mich selbst die Verantwortung. Das macht es leichter und vor allem bringt es mich in die Realität. Merle liebt mich bedingunglos, egal wie es mir geht. Und gerade wenn es mir schlecht geht, bleibt sie ganz nah bei mir und zeigt mir, dass sie da ist.

Ein Hund gegen Depressionen?

Pauschal hilft ein Haustier natürlich nicht gegen Depressionen oder psychische Erkrankungen. Man sollte sich bewusst machen, welche Verantwortung ein Tier mit sich bringt.

Mir hilft Merle genau an den Stellen, an denen ich oft scheitere – Routine, Alltag, Schlafrhythmus. Wenn ich das schon nicht für mich machen mag, hilft sie mir, es für sie zu tun.

Ein untrennbares Team – durch Höhen und Tiefen

Inzwischen sind Merle und ich ein untrennbares Team, erleben gemeinsam die Höhen und Tiefen des Lebens und meiner Erkrankung. Dass ich sie erziehe, hilft mir über meinen eigenen Schatten zu springen und Konsequenz zu lernen.

Sie vertraut mir und ich gebe auf sie Acht. Eigentlich kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wie das Leben ohne sie war. Sie hat den festesten Platz in meinem Herzen.

Es war die beste Entscheidung meines Lebens und die unendliche Liebe, die wir einander geben, macht das Leben so viel schöner.

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

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