Egon Forever Comics: Wahrheit im Detail

Wer in den sozialen Kanälen unterwegs ist, hatte vielleicht schon das Glück, über Egon Forever zu stolpern. Die Comics mit den schlichten Strichmännchen trumpfen mit Inhalt und Pointen. Andre Lux ist der Mann hinter den Zeichnungen und hat sich mit Stadtkind zum Interview getroffen. Oder sagen wir zu einer Sammlung zitierwürdiger Aussagen.

Stuttgart – Lux ist aktuell 34 Jahre alt und arbeitet als Erzieher in Stuttgart-West. So weit, so normal. Während sich andere nachts aufs Sofa legen oder ihr Superheldenkostüm überstreifen, widmet er sich seinen Alter Egos – den Egon Forever Comics.

Da braucht man schon Balls (Anm. d. Red.: Eier), sich mit Strichmännchen da hin zu setzen.

Seit 1994 zeichnet er sich von Panel zu Panel. Wer die Arbeiten aufmerksam betrachtet, sieht, dass sich Lux und Egon stilistisch definitiv weiter entwickelt haben. Das wird besonders bei den immer vielfältigeren Mimiken deutlich. Von Farben oder meisterlichen Mangazeichnungen wird er aber auch in Zukunft die Finger lassen. Dafür gibt es andere. So beispielsweise ziemlich jeder Aussteller bei der Comic Con im vergangenen Jahr, wo sich auch Egon Forever präsentierte.

Wahrscheinlich fühlen sich unglaublich viele von dem, was ich tue, angegriffen.

Trotzdem werden in den Comics nicht alle Themen behandelt. Auch wenn Egon Forever als eine Art Tagebuch funktioniert, zu Privates kommt nicht aufs Papier.

Ich finde, jeder Mensch sollte seinen Mund aufmachen – gerade in der heutigen Zeit.

Aktuelle, politische oder gesellschaftliche Themen sind immer wieder Gegenstand der Handlung.

Ich drücke mich durch die Cartoons aus und zeige, wer ich bin.

Das macht es aus, denn Egon Forever ist in großen Teilen autobiografisch. Gezeichnet wird, was Lux selber erlebt oder mitbekommt. Wer ihn kennt, kann durch die Comics erkennen, wie seine aktuelle Stimmung ist.

Manchmal funktioniert es nicht. Dann wird es trotzdem hochgeladen.

Auch wenn die Pointe nicht zu 100 Prozent sitzt – es ist wohl mehr ein Ausprobieren und sehen was passiert.

Likes sind wichtig. Es wäre eine Lüge, wenn ich behaupte, das wäre nicht so.

Egons Zugpferd ist Facebook, dort amüsieren sich knapp 10.000 Follower regelmäßig über die Comics. Aber auch auf allen anderen gängigen sozialen Kanälen sind sie vertreten. Zudem veröffentlicht Lux regelmäßig in Intro, Geheimtipp Stuttgart und Titanic.

Ich glaube, wenn ich davon abhängig wäre, käme nur noch Müll raus.

Ob er sich ein Leben rein als Künstler vorstellen könne, ist die Frage. Egon Forever ist ein Ausgleich, ein langjähriger Begleiter und Tagebuch. Aber seinen Beruf als Erzieher möchte Lux nicht an den Nagel hängen. Auch der Druck, gute Comics produzieren zu müssen, würde ihn belasten.

Man sollte von seiner Kunst auch profitieren.

Trotzdem ist er der Ansicht, dass es sich auch bezahlt machen darf. Das geht über Merch, Verkauf der Originalzeichnungen, Lesungen oder auch Kooperationen.

Sticker, Buch und Merch sind wichtig.

Die Barbakulor Hefte kann man bei Lux direkt bestellen, das Egon Forever Comicbuch und den Jutebeutel kann man beispielsweise im Kaufhaus Mitte erstehen. Zudem planen Lux und die Schwarzmahler aus Stuttgart-Ost gerade eine Kooperationen mit einem eigenen Kaffee.

Damit die Leute was haben, das sie sich aufs Klo legen können.

Warum er die Comics in einem Buch zusammengefasst hat? Das erste Cartoonbuch von 2016 ist eine Sammlung aus altbekannten Klassikern und nur für das Buch entstandene Comics. Der zweite Comicband ist übrigens gerade in der Mache und wird Mitte des Jahres veröffentlicht.

Ich komme so sehr aus dem Punk, dass ich immer sofort zum Punkt kommen muss.

An längeren Comics mit mehreren Panels und Handlungssträngen hat sich Lux versucht. Zufrieden war er damit aber nicht. Er bleibt bei Altbewährtem, und das sind knappe Cartoons mit schneller Pointe.

Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Und schon immer eines, das ‚Drakula gegen Dracula‘ heißt.

Das hat er dann auch. Ganz ohne Zeichnung, sondern eine erzählte Geschichte auf 180 Seiten. Ein Spiegel-Bestseller wurde das Buch leider nicht, bei Amazon ist es aber nach wie vor erhältlich.

Es geht nicht scheißer.

Obwohl „Drakula gegen Dracula“ ganz klar dem Trash-Genre zuzuordnen ist, gibt es auch innerhalb dieser Disziplin Unterschiede, findet Lux. ‚Daniel, der Zauberer‘ ist der Film von Daniel Kübelböck und laut Lux das Schlimmste, was Trash hervorgebracht hat.

Der personifiziert ein bisschen was, was ich mal sein möchte.

Der beste Straßenkünstler aus Stuttgart ist für den Comiczeichner der Mann hinter der Drehorgel. Gerade in den Sommermonaten in der Innenstadt anzutreffen, dreht er jedes Jahr aufs Neue an der Orgel. Eine Institution der Stuttgarter Straßen.

Tatsächlich habe ich immer einen Block und einen Stabilo dabei.

Als Künstler ist Lux natürlich allzeit bereit. Doch auch wenn die Umsetzung eines Comics schnell gehen mag, die Idee dafür muss – wie bei vielen andern auch – erst einmal reifen. So kann es schon mal sein, dass er einige Tage ein Konzept für einen Comic in Gedanken ausarbeitet, bevor er ihn schlussendlich zu Papier bringt.

Eigentlich bin ich zufrieden, so wie alles ist.

Schlussworte zu einem Interview, wie sie besser nicht sein könnten.

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