DJ Friction: Der berühmteste Freundeskreis der Stadt

Bitte keine kitschige Lovestory! Am Tag der Freundschaft haben wir uns mal beim berühmtesten „Freundeskreis“ der Stadt erkundigt. DJ Friction sinniert über die Verbindung zu seinen Bandkollegen. Wieso das romantische Konzept einer unzertrennlichen Freundschaft hier nicht funktioniert und warum das im Fall der drei Jungs auch okay so ist.

Stuttgart – Was haben die Beatles, Backstreet Boys oder Spice Girls gemeinsam? Die überzogene Darstellung von Freundschaft und eine schlussendliche Trennung. Warum muss das überhaupt sein? Kann die Popkultur nicht einfach mal „real“ sein? Das klappt wahrscheinlich vereinzelt nur im Hip-Hop der ersten Stunden. Denn da ist „real“ sein authentisch und authentisch sein ist im Hip-Hop Voraussetzung für Erfolg. Und wer authentisch ist und damit überdauernden Erfolg hat, kann sich im Spiegel nickend ein High-Five geben. Und so ist das bei Freundeskreis nun seit über 20 Jahren. Denn die Hip-Hop-Band musste sich nie trennen – weil die Jungs verstanden haben, wie man Freundschaft im Rampenlicht für sich definiert, um nicht genau daran zu zerbrechen.

Bitte kein Kitsch!

DJ Friction aka. Martin Welzer kann für die beiden Bandkollegen Max Herre und Philippe „Da Don“ Kayser sprechen: Der Grundpfeiler ihrer Freundschaft ist heute ein anderer als damals. In den 90ern war es das gemeinsame Streben und die selben musikalischen Interessen. Heute ist es die Dankbarkeit für ihren Erfolg, welcher das Trio nach wie vor verbindet. Sie sind der Beweis für eine überdauernde freundschaftliche Beziehung, die nach wie vor ohne Druck und Zwang funktioniert.

Deshalb waren die zwei Tourneen FK 10 und FK 20, in den Jahren 2007 und 2017, auch keine „Revivals“ sondern Jubiläen. Jubiläen einer erfolgreichen Stuttgarter Kolchose an Künstlern, die in der gemeinsamen Sache das Wort „Freundeskreis“ ohne Kitsch und Pompöses repräsentieren.

Der große Freundeskreis

„Das Konzept war immer schon den ganzen musikalischen Freundeskreis im Studio zusammenzubringen“, bringt es Martin Welzer, der DJ des Trios, auf den Punkt. Daher finden sich auch auf jedem Album Kollaborationen mit anderen Sängern und Rappen wie Afrob, Cassandra Steen, Wasi, Joy Denalane, Samy Deluxe oder den Massiven Tönen. „Die gehörten eben immer mit dazu“.

Auch die so oft falsch interpretierte Abgrenzung zu den Fantastischen Vier, die mit ihrem „Gute-Laune-Hip-Hop“ eher Pop als Rap machten, relativiert Martin gern. Denn so fern man auch musikalisch voneinander entfernt war, desto freundschaftlicher sei das Verhältnis mit Michi Beck, Thomas D, And.Ypsilon und Smudo gewesen, betont er.

Letztendlich wurde mit dem Livealbum „En Directo“ aus dem erweiterten Freundeskreis ab 2000 auch so etwas wie die FK Allstars. Denn man hat das „immer ein bisschen offen gesehen. Wie so ein Freundeskreis eben ist. Da kommen Leute und da gehen auch mal welche, aber der harte Kern bleiben einfach wir drei – Max Herre, Philippe Kayser und Martin Welzer.“ Ganz unromantisch, aber ehrlich.

Die „Interessensgemeinschaft“ Kolchose

Im Endeffekt beschreibt sich das Konzept der Freundschaft bei Freundeskreis wirklich am besten mit dem Begriff der Kolchose – einem sozialistischen Kollektiv, dass sich durch den Austausch seiner Güter selbst organisieren kann. „Wir haben uns zusammengetan und unsere Kräfte gebündelt“, resümiert er.

Dass daraus dann eine Freundschaft entsteht, ist wohl die logische Schlussfolgerung. Denn „da realisiert man erstmal, was einem mit den Anderen passiert ist und was für eine Wertigkeit das schlussendlich hat. Da ist man schon sehr dankbar, wenn man so denkt, dass wir uns gefunden haben und dass sich das so daraus entwickelt hat.“ So wie sich das ganze Leben nach der Jugend professionalisiert, so professionalisieren sich eben auch die Freundschaften zwischen Menschen.

Freundschaft ist Definitionssache

Martin ist überzeugt: Freundschaft ist wichtig und für jeden nahestehenden Menschen kann die Definition der eigenen Freundschaft differenzieren und doch immer im Grunde eine wahre Freundschaft sein.

So pflegt Martin natürlich auch noch regelmäßige Freundschaften zu seinen anderen Kolchose-Kollegen, wie dem DJ 5ter Ton (Alex Scheffel) von den Massiven Tönen und DJ Emilio (Emil Calusic). „Die sind hier so meine Freunde in Stuttgart geworden, zu denen ich einfach mehr Kontakt pflege.“

Und die müssen ihm dann eben auch die klassischen Freundschaftsdienste erbringen. Fürs Anpacken beim Umzug und dem Sortieren der Plattensammlung von über 10.000 Platten gibt’s dann keine Ausreden.

Okay, und jetzt ab nach Berlin!

Während Martin so über Freundschaften philosophiert, war er eigentlich auf dem Sprung zum Flughafen. Die Proben für die anstehende „Freundeskreis Live 2018-Tour“ in Berlin stehen an. Trotzdem hat er sich die Zeit genommen, um auf dem Sofa in seinem Studio zu sinnieren.

„Und freust du dich auf die anderen in Berlin?“ – „Ja und wie!“ – Na dann, viel Spaß und wir sehen uns am 4. August im Ludwigsburger Schloss! Auf die Frage, wer denn jetzt alles in Ludwigsburg als Gäste auftreten wird, schweigt er mit einem Augenzwinkern: „Das ist eine Überraschung!“

Mehr zum Thema Hip-Hop in Stuttgart beim Mutterstadt-Jam im Stadtpalais am Freitag, 3. August, 19 Uhr – mit Podiums-Diskussion, Musik und der Multimediareportage „Willkommen in der Mutterstadt“.

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