Diese jungen Stuttgarter wollen in den Gemeinderat!

Lokalpolitik ist verstaubt und nur was für alte Leute? Von wegen! Diese jungen Stuttgarter beweisen das Gegenteil: Jasmin, Maximilian und Marcel machen sich für ihre Stadt stark. Stadtkind haben sie ein paar Details über sich und ihre politischen Erfahrungen verraten.

Stuttgart – Zugegeben: Kommunalpolitik, das klingt schon kompliziert, verstaubt, trocken, alt. Aber das muss nicht sein. Diese jungen Stuttgarter wollen am 26. Mai in den Gemeinderat gewählt werden. Ihre besten Polit-Stories, was sie als Bürgermeister sofort ändern würden und welche Politiker-Phrase sie wirklich nicht mehr hören können, haben sie Stadtkind verraten.

Jasmin Meergans, 24 Jahre alt

Stuttgart ist für mich… Wahlheimat und mittlerweile Zuhause. Für mich ist Stuttgart deshalb ein Gefühl des Ankommens. Und auch einfach ein spannender Ort mit super vielen, verschiedenen Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft.

Warum machst du Kommunalpolitik? Weil man damit direkt was verändern kann und diese Veränderung auch ziemlich schnell sieht. Außerdem kommt man mit vielen Leuten in Kontakt und ist sehr nah dran an den Menschen – im Vergleich zu anderen politischen Ebenen. Die Leute können, wenn sie wollen, direkt vor meiner Haustür stehen.

Und wenn du gerade keine Kommunalpolitik machst? Dann kümmere ich mich um geflüchtete Menschen, helfen ihnen bei Behördengängen, Arztbesuchen, beim Lernen. Und wenn ich mal wirklich frei habe, dann bin ich gerne an schönen Orten.

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? Ich würde eine Initiative starten für günstigeren ÖPNV.

Traumberuf: Politiker? Nein, momentan ist mein Traumberuf Lehrerin. Was die Zeit bringt, kann ich aber natürlich nicht wissen.

Deine beste Polit-Story? Einmal habe ich Häuserwahlkampf gemacht und ein Mann öffnete die Tür und stand splitternackt vor mir. Ich habe einfach meinen Wahlkampf durchgezogen und der Mann war auch sehr nett und interessiert.

Die schlimmste Politikerphrase? Was mich besonders nervt, ist, wenn Leute sagen: „Ihr jungen Menschen habt ja keine Ahnung vom Leben.“

Was ist typisch Stuttgart? Die Mischung aus Innen- und Außenstadt: In der Innenstadt ist es sehr urban, aber man ist auch sehr schnell draußen im Grünen, wo man sich fast wie in einer Kleinstadt oder auf dem Dorf vorkommt.

Jasmin kommt aus Nordhessen und ist 2013 zum Studieren in den Kessel gezogen. Sie studiert Mathematik und Chemie auf Gymnasiallehramt. Im Jahr 2012 ist Jasmin in die SPD eingetreten, seit 2014 ist sie Mitglied im Bezirksbeirat Mühlhausen. Bei der Kommunalwahl ist sie eine der beiden Spitzenkandidaten ihrer Partei.

Foto: Benjamin Hahn/Fotografie Hahn

Marcel Roth, 26 Jahre alt

Stuttgart ist für mich… regelmäßig unterschätzt. Es gibt hier unzählige nice Initiativen, die so gar nicht zum Spießerimage passen, das diese Stadt immer noch hat.

Warum machst du Kommunalpolitik? Weil ich den jungen, kreativen, unangepassten Stuttgarter*innen eine Stimme geben möchte. Die brauchen nämlich mehr Platz in dieser Stadt.

Und wenn du gerade keine Kommunalpolitik machst? Dann trinke ich Kaffee oder Bier am Marienplatz oder tanze in Stuttgarts elektronischen Clubs.

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? An allen großen Straßen Spuren und Parkplätze umwandeln zu grünen Plätzen und Radwegen.

Traumberuf: Politiker? Ich habe schon erfahren, wie langsam die Dinge manchmal in einer Demokratie voran gehen. Für ungeduldige Menschen wie mich ist es deshalb vielleicht nicht der Traumberuf, aber einer, der verdammt viel Sinn macht.

Deine beste Polit-Story? Als Grüne Jugend haben wir uns für die Abschaffung des Alkoholverkaufsverbots stark gemacht. Als dann am ersten Tag nicht mehr die Supermarktkasse gepiepst hat, weil es 22.01 Uhr war und wir drauf anstoßen konnten – das war ein gutes Gefühl!

Die schlimmste Politikerphrase? „Wer ein bisschen gesunden Menschenverstand hat…“ Es gibt keinen objektiven gesunden Menschenverstand und sollte es ihn geben, dann hat der CSU-Verkehrsminister Scheuer am wenigsten davon. Der benutzt diese Phrase nämlich immer, um zum Beispiel gegen das Tempolimit zu argumentieren.

Was ist typisch Stuttgart? Das südländische Flair: Wenn die Sonne rauskommt, kommen wirklich alle aus ihren Löchern gekrabbelt. Besonders gut zu sehen in der Tübinger Straße bei mir um die Ecke, die mittlerweile mehr Hipster-Catwalk als Fahrradstraße geworden ist.

Marcel wohnt seit vier Jahren am Marienplatz und ist seit 2013 bei der Grünen Jugend – noch bis Mitte Mai als Landessprecher. Am Wochenende geht er gerne zu elektronischer Musik feiern, Rennrad fahren oder schwimmen im Hallenbad Heslach.

Foto: Jochen Detscher

Maximilian Mörseburg, 27 Jahre alt

Stuttgart ist für mich… Heimat.

Warum machst du Kommunalpolitik? In die CDU bin ich aus Interesse an der Bundes- und Landespolitik eingetreten. Dort habe ich schnell gemerkt, dass vor Ort mindestens genauso viele Entscheidungen getroffen werden, die einen persönlich berühren.

Und wenn du gerade keine Kommunalpolitik machst? Ich habe Anfang des Jahres mein Jurastudium abgeschlossen und bin jetzt Rechtsreferendar am Landgericht Stuttgart.

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? Die Theodor-Heuss-Straße an einigen Wochenenden im Jahr für Festivals, Public Viewing oder andere Events sperren.

Traumberuf: Politiker? Jura ist mein Beruf. Politik ist mein Hobby. Das soll erst einmal so bleiben.

Deine beste Polit-Story? Die Junge Union hier aus der Gegend hat letztes Jahr einen Antrag geschrieben, der DUH (Anm. d. Red.: Deutsche Umwelthilfe) die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Dieser Antrag ging dann bis zum CDU-Bundesparteitag, wo er viel Aufmerksamkeit erregt hat. Das Magazin Monitor witterte dahinter eine große Verschwörung der „Autolobby“, da sie den ehemaligen VdA Präsidenten Matthias Wissmann auf einer CDU Homepage gefunden hatten. Dabei hat ein Freund von mir den Antrag geschrieben; Matthias Wissmann wurde dort seit Jahren nicht mehr gesehen.

Die schlimmste Politikerphrase? „Die Altparteien“

Was ist typisch Stuttgart? Die Stadtbezirke, eine starke Wirtschaft, Weinreben in der Stadt, viel Wald und leider auch viel Stau.

Maximilian ist in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Er ist CDU-Mitglied und Vorsitzender der Jungen Union Stuttgart. Am 26. Mai kandidiert er auf Platz 5 der CDU-Liste für den Stuttgarter Gemeinderat.

Foto: privat