Diese Bücher lesen die Stadtkinder

Die Stadtkind Bücher-Tipps versorgen dich den Winter über mit ausreichend Lesestoff – ob herzerwärmend, spannend oder einfach lustig. Viel Spaß beim Lesen!

Stuttgart – Lesen ist cool. Das muss einfach mal gesagt sein. Filme und Serien auch, gar keine Frage. Aber sich mit einer großen Tasse Tee zum Lesen in Kissen und Decken zu mümmeln, ist noch mal etwas ganz anderes. Bücher lassen uns abtauchen in unsere ganz eigene Vorstellung und wenn es gut läuft, Umgebung und Zeit völlig vergessen. Es wird schon wieder dunkel draußen? Taschenlampe an, Decke übern Kopf und weiter geht’s.

Literatur-Tipps von Stadtkind

Wer neues Material auf seinem Bücherregal braucht, der stöbert in der Stadtkind Bücherkiste – hier finden sich Klassiker, Autobiografisches, Spannendes, Unterhaltsames und vielleicht noch unentdeckte Perlen. Viel Spaß!

On the Road – Jack Kerouac

William S. Burroughs und Charles Bukowski sind ohne jeden Zweifel grandios, aber mir oft zu abgefuckt und durch. In Sachen Beat-Literatur ist Jack Kerouac für mich deswegen die goldene Mitte – und sein rauschhaftes Epos „On the Road“ („Unterwegs“) eines der großartigsten Werke der US-amerikanischen Nachkriegsliteratur. Seine Sprache ist einzigartig, seine Geschichte voller Schönheit, Verfall, Romantik… okay, und Drogen. Wenige Bücher fangen die endlose Weite Amerikas, den Traum und den Albtraum dieses Landes so gekonnt, poetisch und zeitlos ein. Und überhaupt: Für seine 60 Jahre ist dieses Buch beneidenswert gut gealtert. (Björn Springorum)

Der goldene Handschuh – Heinz Strunk

Schockierend, ungeschönt und unglaublich spannend erzählt Heinz Strunk die Geschichte des berühmt berüchtigten Frauenmörders Fritz Honka, dessen Taten in den 70ern die Schlagzeilen der deutschen Presse beherrschten. Heinz Strunk taucht in die Abgründe eines Menschen ab, dessen Leben ohne jegliche Perspektive und im Vollrausch dahinsiecht. Seine Opfer lernt Honka in der Hamburger Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ kennen – ein Ort, an dem die unterste Unterschicht ihrem dunklen, trostlosen Leben entflieht. Gleichzeitig gibt Heinz Strunk Einblicke in die Hamburger High Society, die ebenso von Verzweiflung und Hass erfüllt ist. Ob Arm oder Reich, am Ende finden alle ihren Zufluchtsort im „Zum Goldenen Handschuh“.(Joachim Baier)

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells

Die leisen Töne machen hier die Musik. Und was für eine. Auf knapp 350 Seiten erzählt Benedict Wells die Geschichte von Jules, seinen Geschwistern und Jules großer Liebe Alva. Keine Momentaufnahme, eher begleitet der Leser das ganze Leben der drei Geschwister und ihrem Umfeld. Und dabei passiert, was so ein Leben nun mal ausmacht: schlimme Kindheiten, schöne Momente, Fragen, deren Antworten wohl nie gefunden werden und Wunder, die mal kurz die Zeit stoppen und einen sprachlos werden lassen. Genau das macht wohl auch den Erfolg des Buches aus: es erzählt eine Geschichte, wie sie jedem von uns auch passieren könnte, Momente, in denen wir uns wieder erkennen und trotzdem ist sie etwas ganz Besonderes. (Nina Dias da Silva)

Die hellen Tage – Zsuzsa Bánk

In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri, die Ich-Erzählerin des Romans, helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter am Stadtrand wohnt. Der dritte im Bunde dieser Freundschaft ist Karl. Doch so leicht wie es klingt, ist das Leben der Kinder nicht – in jeder der Familien ist eine Leerstelle zu beklagen, die die Protagonisten zu bewältigen versuchen. Karl ist von den zwei Sekunden bestimmt, die ihm seinen Bruder genommen haben, Aja vermisst ihren Vater Zigi, einen zum Nomaden gewordenen Artisten, der nur selten bei seiner Familie auftaucht. Bánks Roman erzählt melancholisch von Verlust und Heimatlosigkeit und wirkt durch seine ganz eigene Sprache wie aus der Zeit gefallen. Vielleicht ist Bánks Tonlage für manchen Leser zu dick aufgetragen, befindet sich gar an der Schwelle zum Kitsch, für alle anderen erschafft die Schriftstellerin gerade deshalb eine einzigartige Welt, in der drei Heranwachsende versuchen trotz aller Prägungen und Verluste ihren Platz zu finden. Und am Ende ist der Roman dadurch mehr tröstlich als tragisch. (Ina Schäfer)

Panikherz – Benjamin von Stuckrad-Barre

Von leisen Tönen zu brachial auf‘s Maul: Benjamin von Stuckrad-Barre gilt immer noch als das Enfant terrible der deutschen Popliteratur. Der Schriftsteller wurde viel zu jung viel zu erfolgreich. Schon mit 23 Jahren veröffentlichte er seinen Bestseller Soloalbum und wurde damit – man kann es nicht anders sagen – die Stimme einer Generation. Doch wo der Erfolg und das Geld lauert, da sind die Verlockungen nicht weit und so strebt von Stuckrad-Barre eine zweite Karriere an: als kokainsüchter Bulimiker. Wo in seiner Biografie die Stellschrauben falsch waren, wie er die Sucht er- und überlebt hat und wie spannend sein Leben nach der Sucht ist (#kamillentee), darüber erzählt er sehr eindringlich in Panikherz. Gespickt mit Ironie feuert er in alle Richtungen, nimmt sich selber aus der Gleichung nicht raus und zerlegt den Leser mit einem Wirbelsturm an Wortgewandtheit. Und genau so muss das auch! (Nina Dias da Silva)

Der Club – Takis Würger

Der aus einfachen Verhältnissen stammende Hans Stichler bekommt ein Stipendium an der Eliteuniversität Cambridge. Dort soll er nicht nur studieren, sondern auch ein Verbrechen aufklären, welches sich in den obersten Kreisen der Universität ereignet hat. Hierfür lässt er sich in den „Pitt Club“ – den sagenumwobenen Box Club der Universität – einschleusen und bekommt schockierende Einblicke in die Welt der britischen Elite. Ein Buch über die dunkle Seite der Gesellschaft, über Rache, über Freundschaft und Liebe. Ein großartiges, spannendes und vor allem kurzweiliges Romandebüt von Takis Würger. (Joachim Baier)

Jenny Erpenbeck – Aller Tage Abend

Ganze fünf mal lässt Jenny Erpenbeck ihre Protagonistin sterben. Das erste Mal gleich zu Anfang als Säugling, bis die Autorin fragt: Was wäre gewesen, hätte sie überlebt? Und weiter geht der Roman und ein neues mögliches Leben ein und derselben Person. Jedes neu gewonnene Lebens-Kapitel der Protagonistin hat dabei einen historischen Kontext, ist in den Rahmen des aktuellen Zeitgeschehens eingebettet – sie flieht als halbjüdisches Mädchen vor den Nazis aus Österreich nach Moskau, stirbt – oder eben nicht, und wird zu einer bekannten Autorin in der DDR. Schließlich erlebt sie als alte Frau, die Wende im Jahre 1989 in einem Berliner Pflegeheim. Und so ersinnt sich Erpenbeck auf knapp 300 Seiten fünf verschiedene Lebenswege, die fast ein ganzes Jahrhundert umspannen. „Hätte, könnte, wäre“ wirkt dabei nie konstruiert sondern gekonnt und spannend. Ein Roman wie ein philosophisches Gedankenexperiment. (Ina Schäfer)

Dienstags bei Morrie – Mitch Albom

Genau die richtige Lektüre für alle, die sich im Café am Rande der Welt heimelig gefühlt haben. Dienstags bei Morrie erschien schon 1997 und ist ebenfalls die Geschichte des eigenen Lebens. Der Autor Mitch Albom erzählt die Geschichte seines alten Professors Morrie Schwartz. Dieser erkrankt an der unheilbaren Krankheit AMS. Mitch, der nach dem College den Weg des Erfolges eingeschlagen hat, erfährt davon und beginnt, seinen alten Mentor regelmäßig zu besuchen. Obwohl die Krankheit immer weiter voranschreitet, macht der Professor Mitch zum zweiten Mal zum Studenten und lehrt ihn, worum es im Leben wirklich geht. Dienstags bei Morrie ist ein Buch zum Beiseitelegen und Nachdenken. Zum Entscheidungen treffen. Und manchmal auch zum Weinen. (Nina Dias da Silva)

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