Dia de los Muertos: Der Tod feiert in den Wagenhallen!

Kaum haben die Wagenhallen wiedereröffnet, fallen auch schon die Toten über sie her: Am 31. Oktober steigt wieder der Dia de los Muertos, der Tag der Toten.

Stuttgart – Zugegeben: Für einen Mitteleuropäer ist der mexikanische Umgang mit dem Tod auf den ersten Blick ungewöhnlich. Auf den zweiten ist er dann aber schon interessant und spätestens auf den dritten absolut wünschenswert. Wo der Tod hierzulande noch immer das große, totgeschwiegene Tabu ist, ist der Dia de los Muertos, der Tag der Toten, in Mexiko ein kunterbuntes Fest voller Musik, bunter Totenköpfe, Süßigkeiten und Geister.

Die Nacht der lebenden Toten

Für jene eine Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, so sagt man, kehren die Toten aus der Geisterwelt zurück in die Welt der Sterblichen. Was also sollte man bitteschön tun als eine riesengroße Fete zu schmeißen, auf der die Hinterbliebenen Seite an Seite mit den Verblichenen lachen, singen, tanzen und schmausen?

Santa Muerte in den Wagenhallen

Nun ist Deutschland nicht Mexiko und Stuttgart nicht Mexiko-Stadt. Zum Glück, würden manche vielleicht sagen, dann gäbs hier ja noch mehr Verkehr. Aber einmal im Jahr, in der schicksalhaften Nacht auf den 1. November, überquert der Tod den Atlantik, um sich mit seinem kunstvoll geschminkten Totenkopfgesicht in Stuttgart unters Volk zu mischen. Zu verdanken ist das seit 2011 Thorsten Schwämmle. Der zelebrierte seinen ganz eigenen Tag der Toten erst in der Röhre, später im Universum und zuletzt im Wizemann. Jetzt kehrt das mexikanische Totenfest in die frisch eröffneten Wagenhallen zurück.

Party with dead people in den Wagenhallen

Die Totenblume

Und das mexikanischer denn je: Mittlerweile ist Schwämmle mit Karla Gallardo liiert, einer Mexikanerin, die in den letzten Jahren dafür gesorgt hat, dass der Dia de los Muertos noch authentischer wird. Ist ja auch Ehrensache: In Mexiko ist dieser Tag so wichtig wie Weihnachten! Und bunter eh! „Ich weiß noch, wie wir immer zum Friedhof gefahren sind“, erinnert sich Karla. „Am Eingang gab es dieses Meer aus gelben und orangenen Tagetes, unsere Totenblumen. Diese Blume hat für mich den schönsten Duft auf der Welt. Und immer, wenn ich sie rieche, fühle ich mich wieder wie ein kleines Mädchen, das an der Hand ihrer Großeltern zum Friedhof geht.“

Das hat nichts mit „Süßes oder Saures“ zu tun!

Für Karla ist es selbstverständlich, dass sie ihren mittlerweile verstorbenen Großeltern an diesem besonderen Tag näher ist als sonst. „Ich weiß, dass sie da sind. Ich finde es schön, dass ich mit dieser Tradition aufgewachsen bin, und hoffe sehr, dass ich sie gut an meine Tochter weitergeben kann.“ Dass das Fest der Toten hierzulande gerne mal mit Halloween in einen Topf geworfen wird, macht sie traurig. „Der Dia de los Muertos ist für mich nicht nur eine Verkleidung. Dahinter steckt eine alte Tradition. Die hat nichts mit ‚Süßes oder Saures‘ zu tun.“

Party mit den Toten

Jetzt kehrt der mexikanische Totentag in die Wagenhallen zurück – und verspricht einen ziemlich unvergesslichen Abend. „Allerdings fehlt der Friedhof“, lächelt Karla. Dennoch ist der Grundgedanke auch in den Wagenhallen derselbe. Wie immer wird es auch in Stuttgart die traditionelle Eröffnung an der Ofrenda geben, dem Altar, an dem man kleine Andenken der Verstorbenen hinterlassen kann. Danach heizt eine Mariachi-Band ordentlich ein, während man sich mit Cerveza, Tacos und Tequila langsam in Form bringt. Dann werden die Stuttgarter Tex-Mex-Rocker Los Skeletores ihr Abschiedskonzert geben.

Ein mexikanischer Markt rundet das Totenfest in den Wagenhallen ab

Dazu wird Neo-Burlesque-Blickfang Violetta Poison (aka Karla Gallardo) das tödliche Tagesthema in einem sinnlichen Tanz aufgreifen, relativ burschikos konterkariert von echtem, trashigem, lautem Lucha-Libre-Wrestling! Ab Mitternacht strömen dann die Toten in unsere Welt, angelockt von DJ Enrique Silverhammer, der im Morgengrauen versuchen muss, sie alle wieder zum Gehen zu bewegen. Aber das soll ja nicht unser Problem sein.

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