Designer der Kunst-
akademie zeigen ihr Können

Ab Freitag präsentieren Studenten der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ihre Arbeiten beim alljährlichen Rundgang. Wir haben uns mit den Kreativköpfen der Studiengänge Kommunikations-, Textil- und Industrial Design getroffen und über ihre Projekte gesprochen.

Stuttgart – Vom 20. bis 22. Juli öffnet die Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ihre Türen. Wir haben Studenten der drei Designdisziplinen über ihr Studium und ihre Projekte ausgefragt.

Jasmina Begovic, Kommunikationsdesign, 8. Semester

ABK – das steht für: Alle brauchen Kunst. Oder: Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Oder auch: Apfelbirnenkompott. Achtung bissiger Köter, das geht auch. Jasmina Begovic studiert Kommunikationsdesign und hat all diese Wortspiele zusammen mit ihren Kommilitonen Maximilian Haslauer und Tamara-Madlen Wirth entwickelt: „Unser Ziel war es, sehr konzeptionell und über die Sprache an die Sache heran zu treten: Was ist die ABK?“ Entstanden ist daraus die komplette Rundgangsgestaltung von Flyern, über Plakate und die Webgestaltung bis hin zum Leitsystem vor Ort.

Designen, Konzepte und Ideen entwickeln und sie dann als Botschaften einem Publikum präsentieren, das ist genau das, was Jasmina in ihrem Studium lernt. An der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart habe sie dafür die nötigen Freiheiten, sagt sie: „Kommunikationsdesign kann man an vielen Hochschulen studieren, aber hier wird mir viel mehr Freiraum gelassen, das zu tun, was ich möchte.“

Gute Kontakte durch das Studium

Kommunikationsdesign sei im Gegensatz zur Kunst sehr angewandt, sagt die Studentin. Die Arbeit mit und für den Kunden steht im Vordergrund. „Für mich ist schon lange klar, dass ich etwas Gestalterisches machen möchte“, so Jasmina. Nach einem Praktikum bei einem selbstständigen Grafiker in Stuttgart blieb sie beim Kommunikationsdesign hängen.

Später kann Jasmina in Agenturen, bei Machern von Animationsfilmen, in Verlagen, im Bereich Art Direction, als Fotografin oder Webseitengestalterin arbeiten. „Meine Möglichkeiten sind sehr offen und flexibel und das ist auch das Tolle an diesem Studiengang.“

Durch die freie Arbeitsweise bereitet die Akademie Jasmina und ihre Kommilitonen insbesondere auf die Arbeit als Selbstständige vor: „Die Grafikprogramme könnte man sich auch ohne Studium beibringen. Was wirklich zählt, sind die Kontakte zu anderen Gestaltern, die man hier knüpfen kann – und die guten Professoren.“ Wer sich anstrengt, hat dadurch schon mindestens einen Fuß fest in der Branche stehen, wenn er die Akademie abschließt.

Katharina Nuner, Textildesign, 6. Semester

Durch Zufall ist Katharina auf den Studiengang Textildesign gestoßen. Die Studentin ging nach dem Abitur erst mal ins Ausland und hospitierte anschließend am Theater. Sie liebäugelte mit dem Studiengang Kostüm- und Bühnenbild, den die AKA anbietet. „Dadurch bin ich auf die anderen Angebote der Kunstakademie gestoßen und Textildesign hat mein Interesse geweckt“, erzählt sie. Doch was genau ist Textildesign?

„Man entwickelt aus einem künstlerischen Entwurf oder aus einem Thema Textilien. Dabei kann es sich um Produkte aus dem Modebereich, aber auch aus der Interieurbranche handeln“, erklärt Katharina. An ihrem Studium gefällt ihr, dass es sehr praxisorientiert ist. „Wir haben ein Strickstudio, eine Weberei und eine Druck- und Färbewerkstatt. Dadurch können wir alle Textilien selber herstellen“, sagt sie.

Strickprojekt „transformations“

Beim Rundgang wird Katharina ein Strickprojekt mit dem Titel „transformations“ ausstellen. „Das Oberthema war ‚Textile Aggregat-Zustände‘. Es ging bei dem Projekt darum, spezielle Garne, sogenannte Thermoplaste, zu verwenden, die man im Nachhinein mit Hitze bearbeiten kann. Nach dem Stricken verformt man die Thermoplaste im Hitzeschrank und dadurch entstehen verschiedene Aggregatszustände“, erklärt die angehende Designerin. Das Projekt ist in Kooperation mit der Firma Stoll entstanden.

Mit „transformations“ möchte Katharina den Fokus auf das Handwerkliche legen. „Die Besucher finden den Rundgang toll. Doch bei anschließenden Diskussionen merke ich, dass es vielen gar nicht bewusst ist, dass wir alles selber herstellen“, erklärt Katharina.

In der Mode- und in der Möbelbranche wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. Auch im Textildesignstudium steht das Thema auf der Agenda. „Es ist auf jeden Fall präsent und wird intensiv behandelt. Unser Ziel ist es, hochqualifizierte Textilien zu entwickeln, die eine lange Lebensdauer haben, an denen man sich nicht satt sieht und dadurch nachhaltig sind“, sagt Katharina.

Hans-Peter Lutsch, Industrial Design, 8. Semester

Das Projekt, das Hans-Peter Lutsch beim Rundgang ausstellen wird, ist untypisch für seinen Studiengang und hat Science-Fiction-Charakter. „Das Oberthema heißt Tabu. Der Begriff stand im Raum und wir konnten uns aussuchen, was wir damit anfangen möchten“, erklärt er.

Seine Arbeit „Interzone“, die er zusammen mit einem Kommilitonen entworfen hat, behandelt ein Zukunftsszenario. Der Mensch hat es durch technischen Fortschritt geschafft, seinen Verstand aus dem Körper auszulagern und braucht sein Äußeres nicht mehr. Er lebt quasi in der Cloud.

„Wir haben uns überlegt, dass der Mensch als eine Art Ritual wieder in seinen Körper zurückkehrt. Zu diesem Ritual haben wir drei Stationen konstruiert und uns gefragt, was würde ein körperloser Mensch spannend finden?“, erklärt Hans-Peter. Der Student schätzt es, dass man an der AKA Projekte auch mit einem kritischen und philosophischen Ton angehen kann.

Interzone

Industrial Design ist ein kleiner Studiengang, den insgesamt knapp 60 Studenten belegen. Dadurch kennt man sich und die Atmosphäre ist persönlich. Was genau beinhaltet das Studium?

„Man lernt, Produkte zu entwickeln und dabei muss man als Gestalter auf die gesellschaftlichen Veränderungen eingehen. Später bekommt man von Firmen Aufträge und soll zu einer Produktidee eine Form entwickeln und versuchen, ein Design zu konstruieren, das den Zweck des Produktes erfüllt“, so Hans-Peter. Hier arbeitet die Kunstakademie eng mit Firmen zusammen. Es erwartet einen ein vielfältiges Arbeitsspektrum, man kann verschiedene Produkte wie Stifte, Vasen oder Elektrogeräte designen.

Mehr Informationen zum Rundgang findet ihr hier.

Autorinnen: Lea Weinmann und Amelie Pyta

Rundgang an der AKA

Wann? Vom 20 bis 22. Juli

Wo? Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Am Weißenhof 1)

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