Der Stadtkind-Guide zu gutem Bier

Es muss nicht immer Craft Beer sein: In diesen Stuttgarter Läden gibt es auch abseits des Hopfen-Hypes eine besonders große, eine besonders gute oder eine besonders ungewöhnliche Bierauswahl.

Stuttgart – Habt ihr die Durchsage der deutschen Brauereien mitbekommen? Die hat es kürzlich ja sogar in die Nachrichten geschafft: In den Brauereien wird das Leergut knapp! Wer also noch ein paar leere Kisten im Keller hat und bald in den Urlaub fährt, sollte sie dringend zurückgeben. Sonst geschieht beim lieben Bier vielleicht bald ein Unglück. Und das bei diesen Temperaturen!

Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist

Denn schon die unvergleichlichen Kassierer wussten: Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist! Wer in diesem Jahrhundertsommer also durchaus noch heißer auf das kühle Blonde ist als sonst, der campiert wahrscheinlich eh seit Wochen am Palast oder den anderen üblichen Verdächtigen. Ist alles schön und gut. Doch man darf nicht vergessen, dass es auch andere Läden mit einer bemerkenswerten Bierkarte gibt. Institutionen abseits des Craft-Beer-Kults – ein kleiner Stadtkind-Guide zu Hopfen und Malz.

Schlesinger: Bier von den Kleinen

Auf diesen Kühlschrank müsst ihr achten! (Bild: Schlesinger)

Sicherlich kein Geheimtipp: Das Schlesinger zwischen Börsenplatz und Berliner Platz ist gefühlt schon immer da. Doch was viele immer noch nicht wissen: Hier gibt es nicht nur am Tag des deutschen Bieres eine herausragende Bierauswahl. Vom Fass läuft zwar hauptsächlich Hofbräu; dafür bieten die Kühlschränke gleich links neben dem Eingang eine prächtige Auswahl kleiner Brauereien aus ganz Deutschland. Aber Achtung: Erst mal lieb an der Theke fragen, bevor man einfach gierig die Tür aufreißt und sich ein Spezialbier (meist 4 Euro) genehmigt.

Schlesinger (Schlossstr. 28, S-Mitte, Mo-Do 17-1, Fr 17-2, Sa 18-2 Uhr, www.schlesinger-int.de)

Zum Dortmunder: Frisch aus dem Pott

Wo in Stuttgart gibt es sonst Bier aus Dortmund?

Legende, die zweite: Zum Dortmunder ist einer dieser Läden, die einem Stadtbezirk erst ein Gesicht geben. In diesem Fall ist es der Westen, genauer gesagt die Silberburgstraße, wo sich Anja Zöller und Manfred Schuster rührend um ihre Gäste kümmern. Wahlspruch der beiden: Sie serviert, er frittiert. Kann man sich nicht ausdenken! Auf den Tisch kommt Deftiges (alles selbst gekocht!), ins Glas fließt zum Beispiel wechselnde Dortmunder Biere vom Fass. Einzigartig in Stuttgart! Auch sonst ist die Bierauswahl klasse: Mehrere Fassbiere und zig Flaschenbiere versorgen mit Schwäbischem, Bayerischem und englischem Stoff.

Zum Dortmunder (Silberburgstr. 132, S-West, Mo-Do 18-1, Fr und Sa 18-3 Uhr)

O’Reillys: Keep calm and drink Ale

Englischen Humor gibt es hier gratis

Viele gute Irish Pubs gibt es in Stuttgart ja nicht. Der O‘Reillys an der Schwabstraße ist wahrscheinlich der Schönste: Gemütlich, authentisch, urig – und nur echt mit der wöchentlichen Quiz Night. Dazu trinkt man natürlich Guinness, Newcastle Brown Ale und Kilkenny vom Fass (0,5 l jeweils 5,60 Euro). Außerdem hat O‘Reillys ein schönes Alpirsbacher-Sortiment, Budweiser, Biere der Cast-Brauerei und wechselnde Moatsbiere für die Stammkundschaft. Die kommt gern schon montags, um den irischen Musikern zuzuhören, die in sich gekehrt ihre melancholische Musik zelebrieren.

O‘Reillys (Reuchlinstr. 27, S-West, Mo-Do 11:30-1:30, Fr 11:30-3, Sa 12-3, So 12-1:30 Uhr, www.oreillys.de)

Tobis: Wenns mal schneller gehen muss

Systemgastro muss man nicht mögen. Doch der Tobis direkt am Palast der Republik hat sich mittlerweile zu einer mehr als probaten Anlaufstelle entwickelt, wenn die Schlange am Palast mal wieder bis zum Milaneo reicht. Wenn man keinen Platz draußen ergattert ist das alles wahrscheinlich eher zum Mitnehmen als zum Verzehr vor Ort geeignet; dafür gibt es hier eine herrliche Bierauswahl: Allgäuer Büble, Tegernseer, Stiftungsbräu, Gruibinger oder Alpirsbacher (0,5 l immer 3,80 Euro), dazu Kölsch vom Fass – und zwischen 17 und 18 Uhr für einen Euro pro Glas. Da trinkt der Schwabe vielleicht auch mal Kölner Bier.

Tobis (Bolzstr. 7, S-Mitte, Mo-Do 11:30-23, Fr und Sa 11:30-1, So 12-21 Uhr, www.tobis-food.de)

Ackermanns: Öfter mal was anderes

Schöne Aussichten im Westen. (Foto: Ackermanns)

Whisky-Fans schnalzen beim Namen dieser Kneipe mit der Zunge. Die Auswahl ist famos, die Beratung gut, der Laden gemütlich. Kein Wunder, dass hier auch Bierfans regelmäßig versacken. Die Aktionsbiere wechseln regelmäßig, es gibt eine hausgebraute Eigenmarke, Weißbier von Maisel‘s, Alpirsbacher, Guinness und sehr viele Flaschenbiere (0,5 l meist 3,70 Euro). Das einzige Manko mag der fehlende Außenbereich sein; doch der Sommer wird ja auch nicht ewig gehen. Wobei…

Ackermanns (Bebelstr. 20, S-West, Mo-Do 17-1, Fr und Sa 17-2 Uhr, www.ackermanns.de)

Caffè-Bar: Aperitivo mit Bier

Hier gibt es nicht nur Kaffee. (Foto: Tanja Simoncev)

Kürzlich zwanzig geworden: Die Caffè-Bar am Tagblatt-Turm inszeniert sich gern als Hangout der Künstler, Bohemiens und Intellektuellen. Ob das nun stimmt oder nicht, ist eigentlich egal. Insbesondere diese sympathischen kleinen Bierchen von Peroni (Italien), Super Bock (Portugal) oder Estrella (Spanien) versüßen den Aperitivo nämlich so oder so. Augustiner oder Baisinger runden das kleine, aber feine Bierangebot ab – alle Flaschen zwischen 2,60 und 3,20 Euro. Getrunken wird stehend am Tresen oder draußen, ganz dolce vita eben mitten in der Stadt.

Caffè-Bar (Torstr. 27, S-Mitte, Mo-Mi 8:30-1, Do und Fr 8:30-2, Sa 9-3, So 12-0 Uhr, wwww.caffe-bar.com)

Alte Schule: Schwabe mit schottischen Wurzeln

Schon 1985 wurde dieses Lokal von Halbschotte Bernie McGlave zum Irish Pub umfunktioniert. Mittlerweile hat seine Tochter übernommen. Doch das Konzept dieses Stücks Gablenberger Seele ist erhalten geblieben. Für viele ist die Alte Schule eine der schönsten Kneipen der Stadt, unzählige Niederlagen (und einige Siege) des VfB hat man hier bei irischem, englischem und schottischem Bier miterlebt. Quartierskneipe, dieser Begriff ist selten so angebracht wie hier.

Alte Schule (Gablenberger Hauptstr. 128, S-Ost, Mo-Mi 16-1, Do 10-1, Fr und Sa 10-2, So 10-1 Uhr)

Maulwurf: Wo Bier noch Bier sein darf

Im Maulwurf hat man auch ein Herz für Weizen-Fans. (Foto: Maulwurf)

Okay, das Schlimmste zuerst: Man muss ein Stückchen mit der Bahn fahren, um in den Maulwurf zu gelangen. Doch der Weg nach Vaihingen wird sich für jeden lohnen, der gern gutes Bier trinkt. Beispiele? Gern! Es gibt hier nicht nur ein Monatsbier, sondern auch ein Monatsweizen. Dazu das irische O’Hara’s Stout oder das wunderbare Pilsner Urquell. Hochdorfer, Alpirsbacher oder einige üppige Bockbiere gibt‘s dazu, serviert in richtig schöner Kneipenatmosphäre (0,5 l meist 4 Euro). Ja, dafür kann man halt sogar mal nach Vaihingen fahren.

Maulwurf (Möhringer Landstr. 9, S-Vaihingen, Mo-Do 17-1, Fr 17-2, Sa 19-2, So 19-0 Uhr, www.maulwurf-stuttgart.de)

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