Der Keller Klub steht vor dem Aus

Zuletzt hat es die Clubs Tonstudio und Muttermilch erwischt. Jetzt geht es zwei weiteren Institutionen aus dem Stuttgarter Nachtleben an den Kragen: Keller Klub und Gabys Gruft stehen vor dem Aus.

Stuttgart – Nachdem die Zukunft des Keller Klubs schon öfter auf Messers Schneide stand, ist ab Mitte nächsten Jahres höchstwahrscheinlich Schluss für den Club am Rotebühlplatz: Das Gebäude wird abgerissen, muss dem Vernehmen nach einem Hotel weichen. Und während der Stuttgarter Osten besungen wird, im Gegensatz zu vielen anderen, stärker gentrifizierten Innenstadtbezirken besonders authentisch zu sein, verliert dieser womöglich ausgerechnet eine der kultigsten Live-Bühnen im gesamten Kessel: Für Gabys Gruft an der Haußmannstraße läuft der Pachtvertrag zum Jahresende aus – und es ist unklar, ob er verlängert wird.

Ohne Clubs keine Konzerte

Miha Ivankovic, der Betreiber des Keller Klubs, dementiert das Gerücht, das in der Gastroszene die Runde macht und sagt, der Club würde schon zum Jahresende schließen: „Das stimmt nicht, unser Pachtvertrag läuft bis Juni 2019.“ Wie es danach weitergeht, ist dem 44-Jährigen aber auch nicht klar: „Wir befinden uns mit dem neuen Vermieter in Verhandlungen und hoffen bis zum neuen Jahr auf eine Antwort, ob wir dann noch länger machen können.“

Sollte dem nicht so sein, versichert Ivankovic, werde man sich nach neuen Räumen umsehen, um den Geist des Keller Klubs zu erhalten. „Wir wissen, dass wir mit unserem Programm eine Sparte abdecken, die ohne den Keller Klub in Stuttgart zu kurz kommen würde“, sagt der Clubbetreiber.

Hotel statt Club?

Die Stadtverwaltung hat zum jetzigen Zeitpunkt keine Kenntnis über einen Abrissantrag oder die Pläne des Gebäudeeigentümers mit der Immobilie, forscht derzeit aber beim Baurechtsamt nach. Den Clubbetreibern ist die Idee eines Hotels zwar auch bekannt, aber ob es wirklich so kommt, da seien sie sich auch nicht sicher.

In Gabys Gruft herrscht indes aktuell ein Booking-Stopp. „Für Januar buchen wir keine Bands mehr“, sagt Daniela Schübel, die für das Programm auf der kleinen Bühnen des Kellers in Stuttgart-Ost verantwortlich ist. Der Grund: Der Pachtvertrag läuft zum Jahreswechsel aus.

Wir haben hier tendenziell sowieso viel zu wenig Orte, wo Livemusik stattfinden kann.

Im Gegensatz zum Keller Klub, der – früher oder später – garantiert zu macht, ist die Zukunft von Gabys Gruft noch gänzlich offen. „Natürlich wünschen wir uns eine Verlängerung des Vertrags“, sagt Schübel. Ob der Vermieter dem Wunsch entsprechen wird, werden die Verhandlungen zeigen. „Sonst müssen wir uns neue Räume suchen“, heißt es auch hier.

Walter Ercolino, Leiter der Popbüros Region Stuttgart, blickt besorgt auf die Entwicklung: „Wir haben hier tendenziell sowieso viel zu wenig Orte, wo Livemusik stattfinden kann.“ Clubs wie der Keller Klub würden hier eine besonders wichtige Rolle einnehmen.

Ercolino warnt davor, die Tatsache zu ignorieren, dass Bands verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen – und entsprechend unterschiedlich große Bühnen brauchen. „Die Lage, was Konzerte für 400 bis 700 Besucher angeht, hat sich leider wieder verschlechtert“, sagt er. „Wenn du das als Stadt nicht bieten kannst, dann wandern dir die Bands ab.“ Nach Karlsruhe oder Mannheim, glaubt Ercolino, wo die Infrastruktur diesbezüglich besser sei.

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