Das Studium der Zukunft: Bitte nachhaltig!

Immer nur Kneipentour und Campustüten? Studienstart geht doch auch nachhaltiger! Der Beweis: Die Erstsemesterakademie BaWü „zukunftsfähig“. Aber was ist das genau? Stadtkind hat hier mal nachgefragt.

Stuttgart – An der Universität Hohenheim muss man nicht lange suchen bis man über Dinge stolpert, die die Welt ein kleines Stück besser machen. Faire Snacks, Fahrradwerkstatt, Fairtrade Kaffee, Fairteiler oder Mitmachgarten. All diese Angebote haben eines gemeinsam: Sie wurden von Studierenden, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, ins Leben gerufen. Bei der Aktion „zukunftsfähig“, gefördert vom Land Baden-Württemberg, soll vom 19. bis 24. Oktober genau dieses Engagement an Studienanfänger weitergegeben werden. Wir von Stadtkind haben uns mit drei Studis getroffen, die diese Aktion in Hohenheim und Stuttgart geplant haben.

Erstsemesterakademie BaWü zukunftsfähig

Schon lange vor Corona, im September 2019, dachte sich eine kleine Gruppe von Studierenden: Es gibt doch sicher auch eine nachhaltigere Art, Erstsemester willkommen zu heißen, als immer nur Kneipentour und Campustüten! Der Projektantrag für eine Förderung von der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg war schnell geschrieben. Ein Jahr später bieten nun sechs Unis in Baden-Württemberg Diskussionen, Thementage und Campus-Führungen zum Thema Nachhaltigkeit an. Neben Hohenheim und Stuttgart sind Hochschulen aus Freiburg, Tübingen und Mannheim bei der Aktion vertreten. Unter dem Titel „Erstsemesterakademie BaWü zukunftsfähig“ organisiert jede Hochschule jedoch ihr ganz eigenes Programm.

Erstsemesterakademie Studentische Organisatoren
Von links nach rechts: Lucia Hoerner, Anna Struth und David Kopp sind drei der rund 80 Initiatoren auf Landesebene. | Foto: Jana Stäbener

Neues Studium, neues engagiertes Ich

An der Uni Hohenheim ist eine der Koordinator*innen Anna Struth. Die 30-Jährige saß schon im Gründungsteam der Akademie. Aber warum setzt sie sich so sehr für Nachhaltigkeit an der Universität ein? „Weil die Hochschule immer ein Vorreiter für gesellschaftlichen Wandel ist“, erklärt Anna. Sie studiert in Hohenheim biologische Landwirtschaft und Ernährungssysteme im Master und hat sich schon zu Schulzeiten für Mitbestimmung eingesetzt. „Ich glaube ein neues Studium ist immer ein Neuanfang und damit eine gute Chance, im Leben etwas zu verändern“, findet Anna. Deswegen sei die Akademie auch hauptsächlich für Erstsemester gedacht. „Man muss also kein besonderes Vorwissen haben“, ergänzt Lucia Hörner.

Nachhaltige Kontakte knüpfen

Auch Lucia studiert in Hohenheim und kümmert sich bei der Erstsemesterakademie um die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir wollen vor allem ermöglichen, dass sich die neuen Studis kennenlernen und vernetzen können.“ Damit das funktioniert, muss natürlich auch die Software stimmen. Um die kümmert sich David Kopp. Der 26-Jährige ist Masterstudent im Fach Softwaretechnik an der Uni Stuttgart und schwört auf nachhaltige digitale Kommunikation über Plattformen wie Big Blue Button. „Die Erstsemesterakademie ist ein gutes Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit auf allen Ebenen passieren muss“, sagt David. Fairer Kaffee, ReCup oder Fahrradfahren reichen eben nicht – auch die Kommunikation über Zoom müsse hier hinterfragt werden.

Highlight in Hohenheim: Die öffentliche Podiums-Diskussion

Aber was genau erwartet denn die Teilnehmer der Erstsemesterakademie? Anna und Lucia freuen sich in Hohenheim am meisten auf die öffentliche Podiumsdiskussion am 20. Oktober. Hier diskutieren Teilnehmer*innen und Professor*innen mit spannenden Gästen wie der ZEIT-Journalistin Christine Grefe oder der Gründerin von „Spoontainable“ Julia Piechotta zum Thema Bioökonomie.

Das Gute: Bei dieser Diskussion kann jeder zuschauen, denn sie ist öffentlich im Internet zugänglich. Für alle, die es doch lieber analog mögen bieten die Stuttgarter Studierenden aber auch eine nachhaltige Campustour unter Corona-Bedingungen an, bei der Radwerkstatt, Fairteiler und Co. gezeigt werden. „Vielen geht es nämlich so, dass sie ganz überrascht sind, wenn sie erfahren, dass es auf dem Campus zum Beispiel eine Radwerkstatt gibt, weil es ihnen nie jemand gesagt hat“, sagt Anna.

Die Erstsemesterakademie als Vorbild für andere Hochschulen

Dass Stuttgart nun Risikogebiet ist bekommen die drei auch zu spüren. „Vor kurzem noch hatten wir eine Krisensitzung: Glühwein oder Ähnliches ist natürlich tabu“, erzählt David von der Universität Stuttgart. Er ist trotzdem zuversichtlich, dass nicht nur die digitalen Treffen, sondern auch die Aktionen vor Ort gut werden. Die drei wünschen sich von der Erstsemesterakademie vor allem, dass Studienanfänger merken: Wir können wirklich etwas bewirken. „Dass Energie für Veränderung frei wird“, beschreibt Lucia ihren Wunsch an die Akademie. Anna und David können ihr da nur zustimmen. „Vielleicht wird die „Erstsemesterakademie zukunftsfähig“ ja auch ein Vorbild für andere Hochschulen – das würde ich mir wünschen“, sagt Anna.

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