Das solltet ihr für euren Bafög-Antrag wissen

Zum ersten Mal Bafög zu beantragen ist kompliziert und aufwendig. Mit unseren Tipps und Tricks für den Erstantrag seid ihr aber bestens vorbereitet – und könnt teure Fallen vermeiden.

Stuttgart – Unser Stuttgart ist wunderschön – aber leider alles andere als billig. Und Studenten sind im Normalfall eher knapp bei Kasse. Wenn das Geld für ein Studium in der Schwabenmetropole nicht ausreicht, kann euch eine Bafög-Förderung über die Runden helfen. Studenten, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, können damit aktuell bis zu 649 Euro im Monat mehr bekommen. Daheimgebliebene erhalten bis zu 451 Euro pro Monat. Die Hälfte davon muss man zurückzahlen, die andere Hälfte ist geschenkt.

Mehr als 15 Prozent bekommen Bafög

Wer wie viel bekommt, wird mithilfe eines Programms berechnet, das alle gesetzlichen Bestimmungen berücksichtigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in Stuttgart, Schwerin oder Saarbrücken studiert – der Bedarfssatz bleibt der gleiche. In Stuttgart beziehen laut Studierendenwerk momentan mehr als 15 Prozent der 60.000 Studenten Bafög. Bis zu einem Drittel von ihnen hat aber zusätzlich einen Nebenjob. „Die Bafög-Förderung reicht in Stuttgart grundsätzlich zum Leben aus“, sagt Saša Trajanoski vom Amt für Ausbildungsförderung in Stuttgart. „Allerdings ist es quasi unmöglich, davon eine eigene Wohnung in der Stadtmitte zu bezahlen. Besser ist es, sich eine WG etwas außerhalb zu suchen.“

Wer die Förderungshilfe zum ersten Mal beantragt, fühlt sich von der riesigen Menge an Unterlagen vielleicht etwas erschlagen. Tatsächlich muss man als Bafög-Bezieher einiges wissen und beachten, um teure Fallen zu vermeiden. Hier kommen ein paar Tipps für den Start:

Der frühe Vogel…

Ein Bafög-Antrag ist aufwendig und ziemlich kompliziert. Deswegen sollte man möglichst früh anfangen, sich damit auseinanderzusetzen. Es müssen zig Unterlagen eingereicht werden – und das nicht nur von euch, sondern auch von euren Eltern und teilweise von Geschwistern. Zusätzlich müsst ihr Nachweise von Versicherungen anfordern. All das kostet Zeit. Hinzu kommt: Das Bafög-Amt braucht zwischen sechs und zehn Wochen für die Bearbeitung eures Antrags. „Wir raten, den Antrag zwei Monate vor Semesterbeginn einzureichen“, sagt Saša Trajanoski. Dann gibt es noch genug zeitlichen Puffer, fehlende Unterlagen nachzureichen. Insgesamt sei es aber sinnvoll, alle Unterlagen auf einmal abzugeben.

Schafft man es nicht so pünktlich, ist das aber auch kein Beinbruch. Der Antrag kann auch bearbeitet werden, wenn das Semester schon begonnen hat. Es gibt die Möglichkeit, Kurzanträge zu stellen, mit denen man erst einmal formlos BAföG beantragt. Damit kann man die Frist wahren und die fehlenden Dokumente später nachreichen. Wird der Antrag genehmigt, bekommt man dann auch die Beträge für die vergangenen Monate (bis zum Zeitpunkt der Kurzantragsstellung) rückwirkend ausgezahlt.

Genau informiert sein

Zugegeben, es gibt Spannenderes als Bafög. Aber wer die Förderung bezieht, sollte ganz genau darüber Bescheid wissen, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Beispielweise: Welche Änderungen muss ich dem Amt sofort mitteilen? Dazu gehören Veränderungen bei den eigenen Einkommensverhältnissen, ein Fachrichtungswechsel oder ein Urlaubssemester. Auf der Rückseite des Bafög-Bescheids sind alle anzeigepflichtigen Änderungen aufgelistet. „Es kommt ziemlich häufig vor, dass Studenten vergessen, uns so etwas mitzuteilen“, so Trajanoski. Mit unangenehmen Folgen: „Wer Änderungen gar nicht oder zu spät angibt, riskiert hohe Rückforderungen. Dann ist der Ärger groß.“

Wichtig sind auch die verschiedenen Höchstgrenzen bei Vermögen und Einkommen. Übersteigt euer Vermögen den Wert von 7.500 Euro, wird es auf euren Bedarf angerechnet – ihr bekommt weniger Geld. Dasselbe gilt für euer Einkommen, wenn es monatlich mehr als 450 Euro beträgt. Wer mehr verdient, sollte genau durchrechnen, ob sich das höhere Gehalt bei einer gleichzeitigen Bafög-Kürzung wirklich lohnt.

Wissen, wie man sparen kann

Als echter Schwaben-Student sollte man natürlich alle Spartricks kennen. Bares Geld spart ihr, wenn ihr euren Bafög-Kredit nach der Förderung direkt auf einmal zurückzahlt. Je nachdem, wieviel ihr zurückzahlen müsst, bekommt ihr einen prozentualen Rabatt. Außerdem sollte man sich über Sonderzahlungen informieren. Beispielsweise gibt es einen Zuschlag, wenn man seine Kranken- und Pflegeversicherung selbst zahlt. Verdienen eure Eltern plötzlich weniger Geld, kann man das direkt in einem Aktualisierungsantrag angeben. Euer Bedarf wird dann entsprechend neu berechnet.

Besser ehrlich sein

Schummeln scheint beim Ausfüllen des Antrags einfach, kann aber böse Folgen haben. Das Bafög-Amt fordert jedes Jahr willkürlich Auskünfte beim Bundesamt für Finanzen an, das Zinserträge ermitteln kann. Fällt ein Betrug auf, muss man das ganze Geld zurückzahlen. Je nach Schwere kann man auch wegen Leistungsbetrug angezeigt werden.

Wer denkt, dass er zu wenig Bafög bekommt oder zu Unrecht abgelehnt wurde, kann aber Widerspruch gegen den Bescheid einlegen. Der Fall wird dann noch einmal von einer unabhängigen Stelle geprüft.

Bei Schwierigkeiten: Sucht euch Hilfe

Wenn ihr Fragen oder Probleme habt, sucht euch Hilfe, bevor vermeidbare Fehler passieren. Es gibt eine bundesweite Info-Hotline (+49 800 / 223 63 41, Mo-Fr: 8 bis 20 Uhr) und Beratungen an den Hochschulen. Das Bafög-Amt in Stuttgart  (Holzgartenstraße 11, 70174 Stuttgart) hat eigene Telefonsprechzeiten (+49 711 / 95 74-509 oder -517, Mo-Do: 9 bis 11 Uhr und 13 bis 15 Uhr) und Sprechzeiten für persönliche Beratungstermine. Die Sachbearbeiter füllen den Antrag auch mit euch zusammen aus. Außerdem können sie euch Ansprechpartner für weitere Finanzierungsmöglichkeiten, wie Wohngeld oder Stipendien, vermitteln.

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