Das Projekt Palermo eröffnet im Westen

Nach temporären Projekten an Killesberg, Olgaeck und Stiftskirche zieht das Kunstprojekt Palermo für die nächsten drei Monate in eine ehemalige Bäckerei im Stuttgarter Westen.

Stuttgart – Der aufmerksame Westler wird es schon gemerkt haben: In den Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei Wohlgemut, an der Ecke Schloss-/Senefelderstraße, tut sich was. Alles alte Bäckermobilar ist rausgerissen, die Baustrahler werfen helles Licht auf kahle Wände. Auf einzelne Seiten aufgedruckte Buchstaben an der großen Scheibe ergeben ein Wort. Ein Wort, das Kunstfans und Freunden von besonderen Zwischennutzungen nicht fremd ist. Palermo.

Neues Leben in der alten Bäckerei

Dahinter verbirgt sich ein temporärer Projektraum, der als Kunstgalerie am Killesberg an den Start ging. Erdacht wurde er von Thorsten Neumann (47), der vom Rocker 33 über die Dresden Bar schon jede Menge in der Stadt auf die Beine gestellt hat. Seit einigen Jahren steht ihm mit dem Künstler und Korridor-Betreiber Elmar Mellert (33) ein Partner zur Seite. Und mit dem schält er jetzt zum vierten Mal einen Ort aus seiner alten Funktion heraus, um ihn einige Zeit lang mit neuem Leben zu füllen.

Enthusiasmus und Selbstaufgabe

Die ehemalige Bäckerei knüpft für Thorsten direkt an die erste Palermo an. Zurück zu den Wurzeln, sozusagen. „Am Killesberg haben wir allerdings Kunst gezeigt, die wir auch verkaufen wollten. Davon haben wir uns mittlerweile befreit.“ Mitten im Westen entsteht gerade ein Ort, der ab dem 1. März für drei Monate Kunst ohne kommerzielle Gedanken erfahrbar machen will. Wochenlange Vorarbeit für zwölf Wochen Projekt, das klingt nicht gerade verhältnismäßig. „Aber natürlich liegt genau darin auch der Reiz“, sagt Thorsten. „Enthusiasmus ist das Allerwichtigste“, findet auch Elmar. „Doch er darf nicht zur Selbstaufgabe werden.“

Thorsten (links) und Elmar vor ihrem neuesten Projekt.

Hilfe bei der Findung des Ortes gab es wieder von Maike Harm, die Zwischennutzungs-Aufspürerin der Stadt Stuttgart. Es werde nämlich immer schwerer, an solche Räume zu kommen. „Mittlerweile haben die meisten kapiert, welchen Wert solche Immobilien haben“, so Thorsten. Gefördert wird auch diese Palermo-Inkarnation vom Kulturamt und der Stiftung Landesbank. Geld wird damit trotzdem nicht verdient.

Bittersüßer Transitmoment

Das wollen die beiden auch gar nicht. Stattdessen schaffen sie einen Ort der Kunst und der Begegnung. An dem finden ab März drei Ausstellungen und eine Feldarbeit statt. Los geht‘s mit der Präsentation des Kunst-Magazins „Arts of the Working Class“. Am 22. März folgt die Griechin Iris Touliatou, am 10. Mai Sandra Kühne aus Zürich. Ein Projekt mit Studenten der ABK Stuttgart ist ebenfalls in Planung. Was danach mit dem Gebäude passiert, ist noch unklar. Aber auch das macht den Zauber solcher Orte aus. „Wir finden immer an einer Schnittstelle statt“, bemerkt Elmar. „Wenn wir kommen, ist etwas Altes schon gegangen und etwas Neues noch nicht da.“ Ein besonderer Transitmoment, der die Schönheit der Vergänglichkeit betont.

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