Das Monokel 57 geht in die Pause: Ein Rückblick

Vor einem Jahr eröffneten Terry Zeimpekoglou und Sarah Archut-Zeimpekoglou das Monokel 57 in Echterdingen. Doch die Zeit in ihrem „Mikro-Wohnzimmer“ neigt sich dem Ende zu. Ende April ist Schluss an der Echterdinger Hauptstraße. Jetzt blicken die Macher zurück und suchen nach einer neuen Location.

Stuttgart – In einem Video auf Instagram erklären Terry und Sarah: „Es geht nicht weiter.“ Ein Jahr lang bespielten sie das ehemalige Früchteeck in Echterdingen mit ihrem „Nicht-Kiosk“-Konzept aus Kuriositäten, Kunst und Kaffee. „Es war von Anfang an zeitlich begrenzt. Es gab zwar die Möglichkeit für uns, das Monokel hier weiterzuführen, doch zu Bedingungen, die für uns nicht tragbar waren.“ Schweren Herzens entschied sich das Ehepaar dagegen. Immerhin ist das Monokel nicht nur für Terry und Sarah, sondern auch für viele andere zum Wohnzimmer, Treffpunkt und Ort für verdammt guten Kaffee geworden.

Monokel 57 auf Locationsuche

Und doch versuchen die beiden nicht traurig zu sein – denn dort, wo sich eine Tür schließt, öffnet sich meist auch eine andere. Dafür sind die Monokel-Betreiber jedoch auf Hilfe angewiesen: „Wir suchen einen neuen Ort für das Monokel. Am liebsten in Echterdingen, aber auch in der Umgebung wie Filderstadt oder Stuttgart.“

Warum gerade in Echterdingen? Für Terry ganz klar: „Ich bin hier aufgewachsen, das ist meine Heimatstadt. Ich wollte den Menschen etwas zurückgeben. Echterdingen braucht das außerdem. Etwas Ungezwungenes. Wenn nicht hier, dann an anderer Stelle.“

Das Monokel als Bar bespielen

Außerdem sei man auf der Suche nach etwas Größerem – einer Location, die abends auch als Bar bespielt werden kann. Dazu haben im Monokel bisher die Möglichkeiten gefehlt.

„Wir hoffen natürlich auch, dass unsere Stammgäste mit uns mitkommen“, sagt Sarah.

Entschleunigen vom Alltag

Und während wir am Ruhetag zusammen im Monokel sitzen, stecken immer wieder Menschen die Köpfe durch die Tür. „Ist heute nicht geschlossen?“ Eigentlich schon, doch weggeschickt wird hier keiner. Den Americano und die Zimtschnecke gibt es trotzdem.

So ist das halt bei Barista-Chef Terry und Sarah, die als Illustratorin und Künstlerin arbeitet. Im Monokel sollte aus einem kleinem Raum etwas Größeres entstehen. Geht es nach ihren Stammgästen, ist das den beiden gelungen – mit viel Herz und der Liebe zum Detail.

„Es ist echt witzig, wie viele verschiedene Menschen im Monokel zusammen- und auch ins Gespräch gekommen sind“, sagt Sarah lachend. „Letztens war zum Beispiel ein Mann da, der meinte, dass seine 90-jährige Mutter zu ihm gesagt hat, er solle unbedingt mal im Monokel vorbeischauen.“

Monokel: ein Ort, viele Geschichten

Terry nickt: „Ja, es gibt so viele Begegnungen. Und es ist schwer, da einzelne herauszupicken, weil alle toll sind. Ob es die Frau ist, die hier jeden Tag ihren Kaffee zur Zigarette trinkt, die Gruppe von Jungs, die mit ihren Büchern und Heften zum lernen kommt, oder die spontanen Espresso-Trinker.“

„Da fällt mir übrigens doch was ein. Einmal kam ein Mann rein und wollte nur schnell einen Espresso trinken und gleich wieder weiter. Dann habe ich natürlich angefangen – wie ich es immer tue – ihn zu beraten und unsere verschiedenen Bohnen vorzustellen. Er hat dann seinen Kaffee getrunken und ist sogar noch etwas länger geblieben. Später erzählte er mir, dass er sich im Monokel irgendwie entschleunigt gefühlt hat. Das war ein schöner Moment.“

Monokel 57 in Echterdingen
Foto: Laura Müller-Sixer

Ein Abschied auf Zeit

Egal ob zum Krautfest oder Heiligen Nachmittag – der Platz vor dem Monokel war belebt. Die alten Kinosessel gut besetzt. Und hat einmal das Zitat des Tages auf der Tafel vor der Tür gefehlt, wurde gleich nachgefragt. Rückblickend bereuen Terry und Sarah nichts. „Unser Mut wurde belohnt. Das Monokel wurde angenommen und damit vor allem auch wir als Menschen.“ Sarah ergänzt: „Wir würden alles noch einmal genauso machen.“

Zum Abschied soll gefeiert werden: Voraussichtlich am 18. April mit Musik und Schorle – einem weinenden und lachenden Auge. Was die Zukunft bringt, ist gerade noch offen. Sicher ist aber: „Wir geben das Monokel nicht auf.“

Monokel 57: Hauptstraße 57, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 9 – 18 Uhr, Samstag 9 – 16 Uhr, Sonntag geschlossen

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