Das Mädchen von nebenan

Diana Scholl alias „do&live“ bloggt seit vier Jahren aus Stuttgart – heute gehört sie zu den erfolgreichsten Bloggern der Stadt. Wir haben mit ihr über ihr Erfolgsgeheimnis, die Liebe zum Kessel und ihre erste Teilnahme am New York Marathon gesprochen.

Stuttgart – Diana Scholl, 22 Jahre, okay, fast 23 Jahre, lange braune Haare, sportliche Figur. Eine Journalismus-Studentin aus Stuttgart, normales Umfeld, normale junge Frau. Fast 100.000 Follower auf Instagram. Was macht sie als Bloggerin so erfolgreich? „Vielleicht ist es genau das, dass ich so normal bin. Ich mache mir über die gleichen Sachen Gedanken, wie jeder andere auch“, sagt sie.

Diana Scholl alias „do&live“ gehört zu den erfolgreichsten Bloggern in Stuttgart. Foto: Lea Weinmann

Do&live – das ist ihre Marke. So heißt sie, so lebt sie. „Ich will den Leuten Leichtigkeit vermitteln. Verfolge deine Ziele, sei ehrgeizig, aber vergiss dabei nicht, das Leben zu genießen.“ Vor knapp vier Jahren rief Diana ihren Blog ins Leben – damals noch als „fithealthydi“. Erst der Instagram-Account, dann kam die Website dazu. „Auf Instagram boomte 2014 die Fitnessbranche: überall waren Fotos von gesundem Essen. Frisch kochen kann ich auch, also dachte ich mir, warum nicht?“

Von Fitness zu Lifestyle

Innerhalb kurzer Zeit gewann „fithealthydi“ viele Follower, wurde erfolgreich. Der Blog drehte sich um Rezepte, Fitness, Motivation. Irgendwann kamen aber auch Reisen dazu, ihre Gedanken, ihr Studium. „Ich habe mich bald verpflichtet gefühlt, weiter Dinge zu posten, die zu meinem Namen passen. Dabei hat der Name nicht mehr zu mir gepasst“, so die Bloggerin. Vor einem Jahr dann der Entschluss: Aus „fithealthydi“ wird „do&live“. Seitdem bloggt Diana viel über Lifestyle, über ihre Welt und die Möglichkeiten, Glück im Alltag zu finden.

Wenn sie von ihrem Blog erzählt, strahlt die 22-Jährige, denn dort kann sie genau das machen, was sie liebt: Geschichten erzählen und davon leben. Klingt nach dem Traumberuf schlechthin, oder? „Der Druck ist enorm. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht über den Blog nachdenke“, gibt Diana zu. Völlig abschalten? Fehlanzeige. „Ich hinterfrage jeden Tag: Was mache ich, wie mache ich es und warum? Man hat Leistungsdruck und Zeitdruck. Dazu kommt die Vorbildfunktion.“

Gerne würde sie sich auch öfter an kritischere Themen wagen, Gesellschaft und Politik. „Aber man kann nicht einfach so drauf los reden. Alles muss perfekt recherchiert sein. Je kritischer das Thema, desto stärker die Null-Fehler-Toleranz“, sagt die Stuttgarterin.

Anfragen von Unternehmen

Im Interview überlegt sie lange, manchmal herrscht viele Sekunden Stille. Dann antwortet die Bloggerin auf Fragen mit Bedacht. Ihre Kooperationspartner wählt Diana genauso bedächtig aus. „Ich nehme im Schnitt eine von dreißig Anfragen an“, sagt sie. Die Anfragen kommen von Unternehmen, die mit Bloggern kooperieren wollen, damit sie Werbung für ihre Produkte machen – Blogger Relations nennt sich das. Damit verdienen Blogger mittlerweile ihren Lohn.

Anfragen kommen von überall: aus der Automobilbranche, Reisen, Technik, Beauty, Start-ups, große Konzerne und Möbelhäuser. „Ich lehne alles ab, was nicht zu mir und meiner Zielgruppe passt.“ Beispielsweise macht sie als Second-Hand-Liebhaber nur selten Werbung für eine Fashion Marke. „Alles andere wäre unauthentisch“, sagt sie. Obwohl Diana so viel ablehnt, kann sie seit etwa einem Jahr von den Kooperationen leben.

42 Kilometer im Regen durch New York

Eine solche Kooperation mit einem Sportartikelhersteller ermöglichte es der Bloggerin, Anfang November beim Marathon in New York an den Start zu gehen. „Das war das Härteste und das Schönste, was ich je machen durfte“, schwärmt die junge Frau. Fünf Monate hatte sie dafür intensiv trainiert, zwischendurch immer wieder gedacht, sie würde scheitern. „Ich wusste bis zum letzten Moment nicht, ob ich das schaffe.“

Der 5. November in New York, Regen, 5 Grad, war dann der Tag, an dem sie ihren ersten Marathon lief. Über 42 Kilometer, zusammen mit 50.000 Läufern. Zielzeit: 4 Stunden, 56 Minuten. „Der gesamte Lauf ist die größte Party aller Zeiten. Man läuft durch alle Stadteile, überall sind schreiende Menschen, Bands, sogar Gospelchöre!“

„Stuttgart ist wie do&live“

Die Zeit war toll, aber es sei auch immer wieder schön, nach Hause zu kommen. „Stuttgart ist meine Heimatstadt“, sagt die Bloggerin. „Je mehr ich unterwegs bin, desto mehr merke ich, wie wunderschön es hier ist.“ Am liebsten trinkt sie ihren Kaffee im Claus an der Tübinger Straße oder in einem der Cafés im Westen. Im Schlossgarten und am Max-Eyth-See findet sie die Laufstrecken am schönsten. Stuttgart habe alles, was man braucht. „Die Atmosphäre ist genau die richtige Mischung aus ‚schaffe, schaffe‘ und Lebensqualität – do and live eben.“

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