Online-Studium: Wie läuft’s bei den Stuttgarter Studenten?

In den Hörsälen von Stuttgart herrscht gerade gähnende Leere. Die Unis haben – wie viele andere – auf Online umgestellt. Auch das Studentenleben ist anders: Partys? Fehlanzeige. Jobsuche? Viel Spaß. Trotzdem läuft es ganz gut. Drei Studenten berichten.

Stuttgart – Online-Unterricht über Zoom statt Vorlesungssaal, Skype-Calls statt Studentenpartys – dieses Semester ist wirklich alles anders an Unis in Deutschland, ja, in der ganzen Welt. Während einige Universitäten schon planen, das reine Online-Studium auch im Wintersemester fortzusetzen, sieht es in Stuttgart bisher so aus, als ob digital studieren erst einmal nur eine Corona-Notlösung sein soll.

Wer sich mit den Stuttgarter Studenten unterhält, merkt aber schnell: So schlecht läuft es gerade gar nicht an den Unis. Super glücklich ist aber auch keiner mit der Situation. Wie sich das Studentenleben anfühlt, das gerade so gar kein Studentenleben ist – drei Stuttgarter berichten.

Martin Vogel, 24 Jahre, studiert Wirtschaftspädagogik an der Uni Hohenheim

„Einmal hat der Prof gesagt: ‚So, jetzt wird es wirklich klausurrelevant‘ und zack – in dem Moment war mein Internet weg. So etwas passiert halt. Aber es läuft wirklich besser als erwartet mit den Online-Vorlesungen, die Uni hat das gut im Griff. Vom Ablauf hat sich für mich wenig geändert: Es gibt eine Power-Point-Präsentation (wie immer), zu der der Prof dann etwas erzählt. Mit dem Unterschied, dass dann auch mal die fünfjährige Tochter ins Zimmer des Professors gelaufen kommt und freundlich gebeten wird, wieder zu gehen. Ich mache sogar mehr für die Uni im Moment als sonst. Man hat ja nichts Besseres zu tun.

Dafür geht das Studentenleben flöten. Den Martin Studentmeisten ist halt langweilig. Man sitzt zu Hause und es fällt einem die Decke auf den Kopf. Partys, Leute kennenlernen, mit anderen treffen… Das fällt alles weg. Ich bin in einer Studentenverbindung, das Verbindungshaus ist wie mein zweites Wohnzimmer und dort konnte ich lange Zeit auch nicht hin. Jetzt dürfen ja zumindest wieder fünf Personen dort sein.

Ich bin nur froh, gerade kein Absolvent zu sein. Wer gerade auf Jobsuche gehen muss, für den sieht es sehr grau aus.“

Alina Martin, 25 Jahre, studiert Media Publishing an der Hochschule der Medien

„Ich habe jetzt während der Krise meine Bachelorarbeit geschrieben. Am Anfang war noch alles normal und dann ging es im März plötzlich los. Meine Interviewpartner, die ich brauchte, waren plötzlich nicht mehr erreichbar – weder telefonisch noch per Mail. Wegen der Kurzarbeit ist außerdem mein Nebenjob weggebrochen, Freizeitbeschäftigungen wie Sport oder Chor sind für mich auch weggefallen. Da war es zwischenzeitlich ziemlich schwierig, den Kopf freizukriegen. Man hat ja quasi nur noch seine Abschlussarbeit und sonst keinen Ausgleich mehr.

Alina StudentinJetzt gerade hänge ich in einem krassen Schwebezustand: Ich kann mich auf nichts bewerben, nichts machen. In dieser Zeit auf Jobsuche zu gehen, ist wirklich deprimierend. Eigentlich hatte ich meine Abschlussarbeit extra sehr früh im Jahr angemeldet, um dann vielleicht schon im Juni oder Juli eine Stelle anfangen zu können. Daraus wird jetzt eher nichts. Bis Oktober bin ich als Studentin eingeschrieben. Wie es danach weitergeht, wird sich zeigen.“

Laura Gleisner, 21 Jahre, studiert Werbung und Marktkommmunikation an der Hochschule der Medien

„Wir haben ganz normale Vorlesungen nach einem festen Stundenplan. Das finde ich super hilfreich, um sich zu motivieren und eine Struktur reinzukriegen. Man lässt sich zu Hause ja sonst viel leichter ablenken. Die vielen Links zu verschiedenen Online-Plattformen sind noch ein bisschen verwirrend, aber insgesamt klappt das alles ganz gut. Klar – manche Professoren geben sich mehr Mühe als andere: Die einen ziehen einfach wie sonst steif ihre Vorlesung durch, andere erarbeiten einen wöchentlichen Lernplan für uns. Und es geht eben alles ein bisschen langsamer dieses Semester. Da haben aber alle Seiten Verständnis.

Trotzdem fehlt mir ein Stück Lebensqualität: Ich wäre gerne mit meinen Kommilitonen auf den Wasen gegangen, hätte das Sommersemester gerne ausgenutzt – aber ist halt nicht. Am Ende einer Vorlesung haben wir vor kurzem alle Laura Studentinmal die Kamera anschalten dürfen und uns zugewunken. Das war mega schön. Eine hat gerade noch Zähne geputzt, wir saßen alle ungeschminkt und in Gammelklamotten da, aber das war ganz egal. Da hat man erst einmal gemerkt, wie sehr man die Leute vermisst – selbst die, mit denen man sonst nicht so viel zu tun hat.“

 

Fotos: privat, Collage: Lea Weinmann