Corona-Krise: Zwischen Selbstisolation und Selfcare

Corona zwingt uns zur Selbstisolation und bringt uns zur Selbstoptimierung. Doch zwischen Workouts, Selfcare und „es ist okay, auch einfach mal nichts zu machen“ tauchen viele Fragen und ein tiefer Abgrund auf – vor allem für psychisch vorerkrankte Menschen. Unsere #letstalkaboutmentalhealth-Autorin rät: Es gibt nicht den einen, richtigen Weg!

Bremerhaven/Stuttgart – Auf Instagram häufen sich Selfcare-Tipps und Workout-Routinen. Die eine Seite sagt: Endlich Zeit, um Bücher zu lesen, eine Sprache zu lernen und überhaupt die Wohnung mal auf den Kopf zu stellen. Die andere Seite ruft: Einfach auch gar nichts tun, ist voll okay! Aber wo ist der Mittelweg? Wie schaffe ich es, den Krisenzustand anzuerkennen? Wie fördere ich meine Produktivität ohne mich ins bodenlose zu stürzen? Irgendwie habe ich den Überblick verloren. Diese Krise hat alles verändert und noch mehr wird sich verändern. Der Alltag, wie wir ihn bis dahin kannten, existiert so nicht mehr und wir müssen uns anpassen. Weil diese Anpassung aber so plötzlich und gezwungen kam, ist es nur verständlich, dass wir eigentlich gar keinen Plan haben, was wir jetzt tun sollen.

Was macht eigentlich unser Gehirn in der Krise?

Erstmal müssen wir begreifen, dass unser Gehirn im Stressmodus ist. Vieles, was wir empfinden, ist darauf zurückzuführen. Wir wissen eben nicht, was uns morgen erwartet und sind in konstanter Alarmbereitschaft.

Konstante Alarmbereitschaft

Die Unberechenbarkeit der Pandemie, auch weil wir so eine Situation noch nie erlebt haben, macht Angst, auch wenn sich das im Unterbewusstsein abspielt. Unser Gehirn ist damit beschäftigt die Lage einzuordnen und unser Überleben zu sichern. Das kostet Energie und kann auf die Konzentration schlagen.

Es ist normal, dass wir nicht so leistungsfähig sind, wie wir es sonst vielleicht von uns kennen. Und überhaupt ist unser Wohlbefinden durch gesellschaftliche Konditionierung viel von dieser Leistungsfähigkeit abhängig. Aber es ist wichtig anzuerkennen, dass wir in einem Ausnahmezustand leben.

Bewältigungsstrategien – von Workouts, Selfcare und Situationsanalyse

Es kann eine Bewältigungsstrategie sein sich in Home-Workouts zu flüchten, Selfcare-Routine Raum zu geben oder eben fünf neue Sprachen zu lernen. Allerdings kann es bei psychisch vorerkrankten Menschen auch dazu führen, dass diese sich in alte, destruktive Verhaltensmuster flüchten.

Es gibt nicht den einen, richtigen Weg!

Deswegen gilt: Social-Media-Konsum einschränken, Nachrichten gezielt (und nicht zu viel) lesen und vor allem: sich mit der Situation auseinandersetzen. Es gibt nicht den einen, richtigen Weg.

Es ist aktuell leichter für unser Gehirn sich nur mit dem Folgetag auseinanderzusetzen, es macht die Bewältigung des Ausahmezustands leichter und die Unsicherheit lässt „Langfristigkeiten“ aktuell einfach nicht zu. Und das ist okay. Auch wenn wir das nicht glauben wollen – wir sind okay und es wird wieder besser.

Titelbild: Naomi August/unsplash

Über die Autorin

Mit Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über den kleinen und großen Wahnsinn im Alltag: Von psychischer Krankheit und Gesundheit, aber immer mit ein bisschen Leichtigkeit.

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