Common Sense People: Exklusives Interview und Stadtkind-Playlist

Zum siebten Geburtstag haben wir die Common Sense People-Macher zum Interview getroffen. Außerdem gibt’s eine exklusive Stadtkind-Playlist der beiden auf Spotify.

Stuttgart – Angefangen hat für Leif Müller und Konstantin Sibold alles vor sieben Jahren mit einer Residency im Rocker 33 in der alten Bahnhofsdirektion. Seitdem sind die beiden als Veranstalter aus dem Stuttgarter Nachtleben nicht mehr wegzudenken. Zudem sind beide mit Erfolg als Solokünstler und Produzenten unterwegs. Wir haben uns mit ihnen über den Common Sense People-Sound unterhalten und nachgefragt, welche Abende für die beiden prägend waren. Zu ihrem 7. Geburtstag haben sie uns außerdem eine Playlist mit den Künstlern aus sieben Jahren CSP zusammengestellt.

Was hat sich seit eurer ersten Common Sense People-Party 2011 im Rocker33 für euch verändert?

Leif: Aus meiner Sicht hat sich alles verändert. Auf uns persönlich bezogen, angefangen bei dem Niveau, wie wir auflegen, die Musikrichtung, die eigene Wahrnehmung, die Wahrnehmung von Clubkultur, unsere Veranstaltungen. Es sind jetzt sieben Jahre vergangen, in denen wir uns weiterentwickelt haben. Aber genauso hat sich auch das Publikum verändert. Und die Feierkultur.

Konstantin: Ich finde auf der einen Seite hat sich das verändert, wohin wir uns musikalisch weiterentwickeln wollten. Aber eigentlich hat sich für mich gar nicht so viel verändert, weil wir das Artwork seit der ersten Party unverändert durchgezogen haben. Auch der Leitfaden, den wir damals bestimmt hatten, ist derselbe: non-commercial, deep and timeless Electronic Music. Wir haben gesagt, wir holen Acts, die zeitlos sind, vom Anspruch her eine gewisse Tiefe haben, die undergroundig sind und nicht zu „kommerziell“.

Leif: Der Kern der Veranstaltung ist unverändert. Es ist gut, dass wir uns da treu geblieben sind.

Wie hat sich denn der Common Sense People-Sound verändert?

Konstantin: Wir haben von Anfang an versucht, Acts nach Stuttgart zu holen, die andere nicht buchen. Also was zwischen Techno und House liegt, aber trotzdem fern von Genre-Schubladen ist. Am Anfang haben wir noch mehr Acts gebucht, die man einem Genre zuordnen kann, wie zum Beispiel Soundstream oder Move D. Ich würde sagen, wir waren vom Sound her etwas House-lastiger. Und wir haben uns immer mehr in eine abstraktere Richtung entwickelt. Wir buchen Leute wie Voiski oder nd_Baumecker, bei denen es eher schwer ist, die wirklich zu klassifizieren.

Leif: Ich würde auch sagen, dass wir vom Sound experimenteller, tendenziell noch spezieller anstatt massenkompatibler geworden sind. Und auch auf jeden Fall härter, also Techno anstatt House. Und eher eine Techno-Abwanderung Richtung Acid und Electro, anstatt hin zu House und Disco.

Konstantin: Der Kern ist Techno.

Wo standet ihr als Künstler und DJs vor sieben Jahren und wo steht ihr heute?

Leif: Aus meiner Sicht war die Entwicklung für uns als DJs und Veranstalter ein Ding, weil wir erst in diese ganze Sache reingewachsen sind und das hat sich dann gemeinsam entwickelt.

Konstantin: Es hat sich über die Jahre mehr ein charakteristischer Sound von uns beiden herauskristallisiert. Wir haben ja einen sehr ähnlichen Geschmack oder beurteilen Sachen ähnlich. Mittlerweile kann man aber einen Unterschied feststellen, wenn Leif auflegt oder wenn ich auflege. Wir sind anders verortet. Aber das macht es gerade interessant – dass wir versuchen  trotzdem musikalisch irgendwie an einem Strang zu ziehen und unsere Kosmen zusammenzubringen, um etwas Interessanteres zu schaffen. Und ich glaube, das ist über die Jahre gereift und die Art, wie wir auflegen, wurde konsistenter. Am Anfang haben wir dazu geneigt, unüberlegter zu spielen.

Leif: Und zufälliger und bunter. Wir machen uns jetzt mehr Gedanken darüber, dass eine Linie drin ist. Der Sound ist erwachsener, wir entwickeln uns weiter.

Konstantin: Damals haben wir halt beide studiert. Wir haben ja nicht geplant,  irgendwann mal Partys zu machen. Das hat sich irgendwie ergeben, weil wir Residents waren und die Veranstalter irgendwann meinten: Macht doch auch mal Partys hier! Das ist alles gesund gewachsen, ohne etwas zu erzwingen. Es war nie ein Business-Plan dahinter. Das Konzept bestand einfach nur aus unserem Geschmack. Das hat sich jetzt professionalisiert und ist zu unserem Beruf geworden. Das ist toll!

Gibt es bei den über 40 Partys besonders prägende Abende, an die ihr euch erinnern könnt?

Konstantin: Ich persönlich liebe die Heiligabend-Partys, weil die Stimmung so weihnachtlich, froh und gesellig ist. Anders als an Silvester, wo jeder so eine Erwartungshaltung hat und eine leichte Grundaggressivität. Deswegen freue ich mich jedes Jahr extrem auf Weihnachten.

Mir ist auch noch eine Party mit Redshape im alten Rocker33 im Kopf geblieben. Da war Stromausfall. Dann ist Kai, der damalige Chef, rumgelaufen im Rocker-Gebäude um herauszufinden, wo der Sicherungskasten ist, um irgendwas wieder anzuschalten. Da wurden die Leute schon unruhig. Die haben zum Teil wieder Geld zurückbekommen, sind rausgelaufen. Sehr viele sind aber geblieben, weil sie wussten, dass es vielleicht noch klappen wird. Dann ging der Strom wieder an und auch die Party – das war der Hammer. Ein Freund hat mir erzählt, dass er schon beim Döner in der Innenstadt gewesen sei und jemand gemeint hätte, der Strom sei wieder an. Dann ist er ins Taxi gestiegen, zurückgefahren und hat nochmal Eintritt gezahlt.

Leif: Das gesamte Ding mit DJ Koze im alten Filmhaus war für mich krass. Das habe ich einfach im Kopf, wenn ich an die beste Party denke. Wir hatten bis auf einen schwachen Abend bei Levon Vincent eigentlich immer mindestens gute Partys. Es war nie scheiß Stimmung – wir hatten immer gute bis geile Partys.

Konstantin: Es hat sich ein ganz guter Lauf entwickelt. Manche Leute kommen, weil sie das Booking interessiert, aber der größte Teil kommt einfach, weil sie wissen, dass die Partyreihe immer Spaß macht.

Wenn man Partys innerhalb einer Stadt erfolgreich macht, dann denkt man sicher darüber nach, die Partys auch mal in einer anderen Stadt zu machen. Gibt es da Pläne?

Leif: Ja, das hatten wir schon mal überlegt. Ich fände es nach wie vor cool, eine Art Clubtour zu machen. Durch andere Städte, vielleicht im Ausland.

Nachdem ihr in den vergangenen Jahren schon oft kurz davor wart, zusammenzuziehen, seid ihr den Schritt jetzt gegangen. Wie funktioniert das, mit dem besten Freund zusammenzuwohnen?

Konstantin: Ziemlich geil.

Leif: Irgendwas zwischen überragend und Weltklasse.

Konstantin: Zusammenzuziehen war immer mal wieder Thema, als Leif noch in der berühmt-berüchtigten Gute Laune GmbH gewohnt hat. Dort war es mir immer einen Tick zu wuselig, aber trotzdem halt immer lustig. Jetzt haben wir eine Wohnung, die etwas ruhiger gelegen ist – Leif und ich kommen ja auch in die Jahre und werden etwas ruhiger, deshalb passt das ganz gut. (grinst)

Leif: Wir kennen uns seit 20 Jahren und sind beste Freunde – wir kennen die Marotten des anderen, wir haben schon so viel Zeit zusammen verbracht. Ein kleines Risiko, ob die Freundschaft darunter leidet, war davor immer da. Aber ich glaube diese paar Prozent haben sich aufgelöst, die haben wir durch Bio-Eier ersetzt (lacht).

7 Years CSP x StadtPalais w. Roman Flügel
Mittwoch, 31. Oktober, 23 Uhr
StadtPalais, Konrad-Adenauer-Straße 2

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