Clubkinder der Stadt: Zu Gast in der Schräglage in Stuttgart

Lockdown, Ungewissheit, Sperrstunde: Für die Protagonisten des Nachtlebens ist die Corona-Krise ein schwerer Schlag. Vor allem auf den Tanzflächen der Stadt herrscht gähnende Leere und Angst um die Zukunft. Mit der neuen Reihe Clubkinder bringen wir euch in die leeren Clubs im Kessel – und sprechen mit den Betreibern darüber, was sie die vergangenen Monate erlebt haben und wie es jetzt weitergeht.

Stuttgart – Die Corona-Pandemie hat jeden unterschiedlich beeinflusst. Besonders hart getroffen hat es unter anderem die Clubszene: Seit März ist sie größtenteils lahmgelegt – und jetzt kommt die zweite Welle. Wir Clubkinder unterhalten uns diesmal mit Armen Shala, Geschäftsführer der Schräglage, über die aktuelle Lage, Pläne und über seine Hoffnungen für die nahe Zukunft.

Die größte Angst war, dass eine zweite Welle kommen würde. Jetzt scheint es so zu sein. Sperrstunde ab 23 Uhr. Wie geht es euch in der Schräglage? Könnte es brenzlig werden?

Wir haben für uns entschieden, eine Pause zu nehmen. Und die Schräglage, unser Herzstück zu schließen. Das ganze Thema nimmt uns alle schon seit Monaten mit. Jetzt geht es wieder einige Schritte zurück. Gerade hatten wir unseren Club zum Teil  und in anderer Form wieder zurück und konnten etwas Zeit zusammen verbringen. Schon müssen wir all das wieder aufgeben.

Ob eine Sperrzeit für die Gastronomie das richtige Zeichen ist, das wollen wir nicht beurteilen. Die meisten Gastronomen, die ich kenne, haben bislang ihr Bestes gegeben, um die Infektiongefahr zu senken und sich an die Regeln gehalten. Alle bedauern nun, dass es trotzdem so weit gekommen ist.

Seit März ist es still um die Stuttgarter Clubs. Habt ihr bis dato etwas zur Überbrückung gemacht? Wenn ja, was ändert sich jetzt durch die neuen Auflagen?

Wie für alle anderen war es auch für uns eine sehr neue und beängstigende Situation. Wir haben uns zusammengesetzt und uns nach Lösungen umgesehen. Wir haben Hilfen beantragt, mit unseren Partnern gesprochen und geschaut, wie wir uns über Wasser halten können. Insbesondere unsere Partner wie Lieferanten, Vermieter und noch weitere haben uns in dieser Situation sehr geholfen.

Wir überbrückten die Zeit mit unserem Terrassenbetrieb vor dem Club. Sobald es kühler wurde, führten wir den Barbetrieb unten in den Räumlichkeiten weiter. Donnerstags, freitags und samstags konnte man hier bis dato noch gemeinsam sitzen und trinken.

Jetzt steht eine neue Herausforderung an. Wir haben zwar keinen Lockdown, können jedoch auch nicht wirtschaftlich arbeiten. Die einzige Lösung ist es, nach vorne zu schauen. Und alles dafür zu tun, dass es irgendwann wieder weitergeht.

Was passiert gerade mit den Mitarbeitern?

Unsere Mitarbeiter sind unsere Family! Am Ende heißt es, save Schräglage to save the Family. Das wissen alle und sie unterstützen uns, wo sie nur können. In so einer Lage merkt man, was die Schräglage jedem Einzelnen bedeutet. Wir versuchen, einige der Mitarbeiter in unseren anderen Betrieben unterzukriegen. Damit sie wenigstens etwas dazuverdienen können.

Wie sieht es in der Club-Community aus? Kämpft jeder für sich allein oder findet ein Austausch statt – auch wenn es gerade so still ist?

Die Clubbetreiber halten zusammen. Neben dem Club Kollektiv sehe ich hier auch einen persönlichen Zusammenhalt. Ob eine kurze Message oder wenn man sich in der Stadt trifft. Jeder wünscht dem anderen, dass es weitergeht und wir uns gegenseitig wieder besuchen können. Das tut gut. Und zeigt, wie wichtig das Nachtleben für alle ist.

Bekommt ihr aktuell wieder Förderungen von der Stadt?

Wir sind auch jetzt dran und schauen, wo wir uns Hilfe holen können. Zum Glück sind wir etwas größer, sodass wir Profis an der Front haben, wenn es um die ganzen bürokratischen Dinge geht. Ich kann mir vorstellen, wie schwer es sein muss für kleinere Unternehmer, die alles alleine durchmachen müssen. Hiervor kann ich nur den Hut ziehen und jedem viel Kraft wünschen.

Was sind eure Wünsche für die nahe Zukunft?

In erster Linie: Dass alle gesund bleiben und alle das Ganze gut überstehen. Auch wirtschaftlich. Genau genommen wünsche ich mir wieder einen Abend, an dem ich um 23.45 Uhr meinen Vodka Shot in der Schräglage hole. Und dann von Club zu Club weiterziehe und all die geilen Leute gesund und lustig wiedersehe.

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