Clubkinder der Stadt: Zu Gast im Suessholz und Kupfi

Lockdown light, Ungewissheit, Sperrstunde: Auf den Tanzflächen der Stadt herrscht gähnende Leere und Angst um die Zukunft. Mit der neuen Reihe Clubkinder bringen wir euch in die leeren Clubs im Kessel – und sprechen mit den Betreibern darüber, was sie die vergangenen Monate erlebt haben und wie es jetzt weitergeht. Diesmal: Felix Klenk vom Suessholz und Freund & Kupferstecher.

Stuttgart – Seit dem 2. November ist ganz Deutschland im Teil-Lockdown angekommen. Damit Schulen und Kitas weiter offenbleiben können, müssen andere Bereiche zurückstecken. So ist die Gastro- und Kulturszene erneut gezwungen ihren Betrieb für vier Wochen einzustellen. Was für Auswirkungen hat dies auf die bereits gebeutelte Szene, und welche Perspektiven gibt es? Wir sprechen für unsere Reihe diesmal mit Felix Klenk, Geschäftsführer von Freund & Kupferstecher sowie dem Suessholz, über den Zwiespalt zwischen Verantwortung und Existenz, sowie Hoffnungen und Zusammenhalt.

Der Teil-Lockdown wurde lange diskutiert, jetzt ist er schon seit einiger Zeit da. Wie geht es euch im Suessholz, habt ihr damit gerechnet?

Wir haben es eigentlich schon erwartet. Es war für uns relativ früh klar, dass diese vermeintliche Normalität zwischen Mai und September endlich ist. Deswegen haben wir uns auch mit Investitionen in Wärmepilze oder Luftfilter zurückgehalten. Wir waren uns sicher, dass die Zahlen wieder steigen werden und dann die Gastronomie der erste Bereich sein wird, der runtergefahren wird. Mein Gefühl ist, dass wir dieses Jahr tendenziell eher nicht mehr aufmachen dürfen.

Auch wenn man die Maßnahmen als sinnvoll erachtet, ist es ein herber Schlag für die Kulturszene. Wo ordnet ihr euch in diesen Zwiespalt ein?
Wir sind mehrfach getroffen, als Suessholz und als Clubbesitzer, was verheerender ist, da wir im Freund & Kupferstecher seit acht Monaten keinerlei Möglichkeit haben, auch nur einen Euro Umsatz zu erwirtschaften. Natürlich sind Bereiche wie Vergnügen und Genuss das Erste was reduziert wird, und ich finde darauf kann man auch für einen gewissen Zeitraum verzichten. Ich glaube jedoch nicht, dass wir von vier Wochen Teil-Lockdown reden und deswegen tue ich mich schwer damit, dass das jetzt die Lösung sein soll, die vielleicht bis März gelten wird. Ich persönlich glaube, dass die Gastronomie an sich kein besonders gefährlicher Ort ist, vor allem dank der Hygieneregelungen, die seit fünf Monaten eingehalten werden. Wir halten uns an Abstände, regelmäßige Lüftung und desinfizieren alles von Stuhl, Tisch über Stift bis hin zum Kerzenhalter.

Momentan ist noch kein Ende der Coronapandemie in Sicht. Wie lange kann das Hin und Her zwischen Schließung und Öffnung durchgehalten werden?
Ich halte es für unrealistisch, dass wir mit einem vierwöchigen Teil-Lockdown die Lösung haben. Die Frage ist doch, wie kommt man durch den Winter? Innerhalb der letzten sechs Monate hätte man durchaus eine langfristige tragfähige Strategie für den Winter und dessen Risiken entwickeln können, die nicht die komplette Aussetzung des Kulturbetriebs bedeutet hätte.

Versprochen wurden Gastronomen 75 Prozent der Einnahmen vom November letzten Jahres, gute Idee?
Wenn das so kommen sollte, ist das auf jeden Fall ein deutlich fairerer Ansatz als die ersten Hilfen, da man sich an der Realität orientiert. Und klar, für Unternehmen, die es kürzer als ein Jahr gibt, oder die saisonale Schwankungen haben, muss eine Lösung gefunden werden.

Wie ist der Zusammenhalt in der Gastroszene, gibt es Support?
Mit unseren direkten Nachbarn stehen wir in fast täglichem Austausch, da wir mit ähnlichen Bedingungen zu kämpfen haben. Außerdem gibt es auch viel Austausch im Rahmen des Club Kollektivs, das viel Lobbyarbeit für die Clubszene betreibt. Essentiell ist aber, dass die Politik sich dies auch zu Herzen nimmt und umsetzt, daran hapert es noch etwas.

Es gab auch Probleme, Clubbetreiber, die sich nicht an Vorgaben gehalten haben.

Leider gab es auch in der Gastroszene einige schwarze Schafe. Von unseren Gästen gab es aber viel positives Feedback für unsere Umsetzung der Hygieneregelungen, und das ist für uns natürlich sehr erfreulich.

Wie sieht‘s mit der Zukunft von Süßholz und Kupfi aus?
Weder beim Kupferstecher noch dem Suessholz stehen wir akut vor einer Betriebsaufgabe. Trotzdem ist es so, dass auch unsere Power endlich ist. Im Suessholz stehen wir noch ganz okay da, da wir die letzten zwei Jahre sehr gut gewirtschaftet haben und wir jetzt über den Sommer, trotz Pandemie, dank unserer Terrasse zumindest einigermaßen kostendeckend arbeiten konnten.

Der Club ist schon ziemlich lange zu.

Ja, seit acht Monaten und niemand weiß, wann dieser wieder öffnen darf – deswegen ist die Zukunft durchaus ungewiss. Ich hätte aber auch kein gutes Gefühl gehabt, wenn wir im Sommer den Club hätten aufmachen dürfen, selbst mit halber Kapazität. Ich finde, als Unternehmer muss man Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, und momentan kommt mir das insgesamt etwas zu kurz. Wichtig ist in jedem Fall, wenn es eine Zukunft für den Club geben soll, dass uns als Ausgleich für das Betriebsverbot, in ausreichendem Maß vom Staat geholfen wird, um nach der Pandemie wieder starten zu können. Was das Suessholz angeht kann ich versprechen, dass wir wieder aufmachen!

Wie geht’s euren Mitarbeitern?
Unsere Teil- und Vollzeitangestellten bekommen Kurzarbeitergeld. Für die 450-Euro-Kräfte ist die Situation natürlich die größte Katastrophe. Da diese oft Studierende sind, hängt deren finanzielle Situation natürlich auch vom Backing ab, also ob sie Bafög oder Studentenhilfen bekommen, aber trotzdem gibt es natürlich Einzelschicksale. Allein dass das Trinkgeld wegfällt, ist für die Angestellten ein enormer Einkommenseinbruch, das können nämlich schon ein paar Euro pro Schicht sein.

Plant ihr diesen November spezielle Aktionen?
Wir werden im Suessholz kein to-go anbieten. Wir müssen schauen, dass wir keinen Euro zu viel liegen lassen, und dafür muss man wissen, dass wir mit Kuchen und Kaffee nicht unser Geld verdienen. Außerdem macht es bezüglich der Pandemie auch keinen Sinn, mit Auto oder Öffentlichen zum Abholen zu fahren und Kaffee und Kuchen in Gruppen zu genießen. Dann bleiben wir lieber daheim, und schauen, dass wir die Zahlen möglichst schnell wieder runter kriegen, damit wir zeitnah wieder öffnen können.

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