Citytrip: Mit kleinem Geldbeutel durchs hippe Antwerpen

In unserer Rubrik #stadtkindontour nehmen wir euch mit auf Weltreise. Stadtkind-Autorin Sabrina verbringt ein Semester im belgischen Antwerpen. Wie es sich dort als Studentin lebt und welche Insidertipps ihr unbedingt kennen solltet lest ihr hier.

Stuttgart – Als ich vor zwei Monaten für mein Auslandssemester von Stuttgart nach Antwerpen zog, ohne viel mehr Vorbereitung als eine Googlesuche, war ich geplättet. Von der Vielfalt und Schönheit dieser Stadt der Kunst, Mode und Diamanten. Und ich war im besten Sinne überrascht, dass Antwerpen sich auch als Studentenstadt sehen lassen kann. Hier kommen sieben Dinge, die Studenten in Antwerpen lieben werden.

1001 Biersorten

Wenn man als Stuttgarter schon stolz auf Dinkelacker, Schwaben Bräu und Co. ist, setzt Antwerpen noch einen drauf. Die Belgier sind Bierfeinschmecker, es existieren an die 1000 Varianten und da es anders als in Deutschland kein Reinheitsgebot gibt, werden die ausgefallensten Kreationen gebraut. Für viele Sorten gibt es sogar ein spezielles Glas. De Konick wird beispielsweise ausschließlich in einem bauchigen Stielglas serviert. Bier trinkt man hier gerne stark. Duvel, der Promi unter den belgischen Bieren, hat 8,5 Prozent Alkoholgehalt und ist damit keine Seltenheit, geschweige denn das stärkte Bier. Gut dazu passt eine Tüte belgische Fritten, die gibt es für ein paar Euro an jeder Ecke. Möchte man seinen Bierhorizont erweitern, empfiehlt sich ein Besuch bei Bier Central (De Keyserlei 25). Die Bierkarte dort ist 122 Seiten lang und erklärt jedes angebotene Getränk. Für gemütliche Abende sind die Bars im Studentenviertel, zum Beispiel Kassa 4 (Ossenmarkt 21) oder Papa Jos’ (Blindestraat 39) perfekt.

Vintage-Shopping

Antwerpen ist bekannt als Modestadt und deshalb auch sehr hip. Viele Studenten tragen hier am liebsten Vintage. Und passend dazu findet man an jeder Ecke Vintage- oder Second-Hand-Geschäfte. Besonders zu empfehlen ist der Melting Pot (Nationalestraat 14), ein Second-Hand-Kilostore. Think Twice (unter anderem in der Lange Klarenstraat 21) findet man in Antwerpen vier Mal. Alle sechs Wochen gibt es dort einen Ausverkauf mit unglaublichen Rabatten. Am Tag bevor die neue Kollektion in die Läden kommt, bekommt ihr alles (!) für einen (!!) Euro. Früh sein lohnt sich, ihr werdet nämlich nicht die einzigen sein, die sich hier eindecken.

Kultur zum Sparpreis

Das Studentenleben kostet in Antwerpen ähnlich viel wie in Stuttgart. Die Mieten sind aber vergleichsweise moderat. Für Einkäufe und Ausgehen blecht man gleich viel oder unwesentlich mehr. Richtig sparen kann man mit den Sport- und Kulturangeboten der Universität Antwerpen. Aber auch wenn man anderswo eingeschrieben ist, gibt es viele Studentenrabatte in Museen, Theatern und so weiter. Immer noch zu teuer für die Ultraschwaben? Auf die Aussichtsplattform des Museums aan de Stroom (MAS) und in den malerischen Beginenhof kommt man komplett umsonst. Außerdem gibt es regelmäßig Märkte, Partys oder andere Events, die häufig kostenlos sind. Dazu lohnt es sich, auf Facebook die Veranstaltungen zu durchstöbern.

Auf einen Kaffee oder zehn

Probleme einen Treffpunkt für Gruppenarbeiten oder zum Entspannen zu finden, hat man in Antwerpen nie. An jeder Ecke gibt es einzigartige Cafés, zum Beispiel das Kaffeenini im Süden der Stadt. Internationale Ketten findet man dagegen nur wenige – angenehm! Viele Cafés haben außerdem ihren ganz eigenen Dreh. In der Wasbar (Graaf van Egmontstraat 5) könnt ihr eure Wäsche waschen (Waschmaschinen gibt es in den meisten Stadtwohnungen nämlich keine) und dabei einen Cappuccino schlürfen. Bei Me & My Monkey (Oever 18) gibt es im Hinterzimmer Schallplatten und Kassetten zu kaufen.

Fahrradstadt Antwerpen

Trotz einer halben Millionen Einwohner gibt es in Antwerpen keine S-Bahn. Zwar fahren stattdessen Tram und Busse, doch da die Stadt so klein ist, braucht man die in den seltensten Fällen. Das Öffiticket kann man sich also sparen. Beinahe alles ist zu Fuß zu erreichen, am schnellsten von A nach B kommt man jedoch mit dem Fahrrad. Dazu empfiehlt sich entweder eines der „Vélo“ Stadträder oder man mietet sich für langfristige Aufenthalte ein Fahrrad von Swapfiets. Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt unter dem Fluss Schelde. Richtig gelesen, mittels des Sankt-Anna-Tunnels seid ihr in ein paar Minuten am anderen Ufer von Antwerpen. Der Tunnel ist nur für Fahrradfahrer und Fußgänger zugänglich und kostet keinen Cent.

Raus aus Antwerpen

Belgien ist unser Nachbarland und trotzdem nicht sonderlich bekannt als Ausflugsziel. Zu Unrecht! Mit dem Flixbus fährt man von Stuttgart aus schon ab 35 Euro nach Antwerpen, in den Semesterferien heim zu kommen ist also kein Problem. Außerdem liegt die Stadt im Herzen Europas. Möchte man seinen Trip also noch etwas ausweiten – kein Problem. Brüssel, Amsterdam, Paris oder London sind nur ein paar Stunden entfernt. In die wunderschönen belgischen Städte Gent, Brügge oder Oostende ist es nur ein Katzensprung. Unter 26 Jahren sollte man sich hierfür den „Go Pass 10“ für 52 Euro holen. Damit könnt ihr innerhalb von einem Jahr zehn Zugfahrten in ganz Belgien antreten und den Pass dabei sogar mit Freunden teilen.

Achtung, Suchtgefahr!

Was soll ich sagen? Nach zwei Monaten Erasmus in Antwerpen bin ich schon ein wenig in die Stadt verschossen. Schuld daran sind die Häuser in Stil der flämischen Renaissance, die das Stadtbild prägen, der Hafen, die kleinen Gassen, die omnipräsente Kunst und der Duft von Waffeln, der einem immer wieder entgegenweht. Antwerpen ist reich dank des Diamantenhandels und das sieht man auch. Antwerpen ist aber auch reich an Kulturangeboten, Kunst und vor allem Vielfalt. 177 Kulturen sind dort Zuhause. Um diese Stadt durch und durch zu erfassen braucht es wohl mehr als ein Semester. Aber ein Wochenendtrip ist – nicht nur für Studenten – ein guter Anfang.

Text & Fotos: Sabrina Höbel

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