Cafés und Off-Locations: Artwalk durch die Tübinger Straße

Von Misch Misch bis Toto Lotto: Am Freitag verwandeln sich die Gastros und Ladengeschäfte entlang der Tübinger Straße für einen Abend in Galerien. Der Artwalk will Kunstaffine und Neulinge auf Entdeckungsreise schicken.

Stuttgart – Am Freitag bringt Naddi Christin Zschiesche einen Hauch von LA nach Stuttgart. Ein halbes Jahr hat die Stuttgarterin in der Stadt im Süden Kaliforniens verbracht. Das ist zwar schon 15 Jahre her, eines ist ihr aber bis heute im Gedächtnis geblieben: die Artwalks durch Galerien und Off-Locations. “Das wollte ich seither immer in Stuttgart mal organisieren, habe es aber nie geschafft“, sagt sie

Artwalk durch die Tübinger Straße

Jetzt, da die Kinder der 34-Jährigen älter geworden sind, ist auch wieder Zeit für neue Projekte. „Jetzt dachte ich, ich mach’s einfach“, sagt sie und lacht. Partner hat sie dafür auch gefunden: David Braschler und weitere Künstler, die ihr als Galerie-Berater und Künstlervermittler zur Seite stehen.

In den vergangenen Wochen hat das Team ziemlich Gas gegeben, und voilà: Am Freitag führt der erste Artwalk vom Marienplatz aus durch die Tübinger Straße.

Kunst in jeglicher Spielart

Das Konzept: Die Ladengeschäfte und Gastronomiebetriebe an der Tübinger Straße verwandeln sich für einen Abend in Galerien. Vom Marienplatz aus bis zur Ecke Römerstraße können die Teilnehmer von 20 – 22 Uhr die Kunst in den Läden zu Fuß und auf eigene Faust erkunden. Beim Artwalk soll Kunst in jeglicher Spielart zu finden sein: von Malerei über Skulpturen, Installationen, Filmkunst und Fotografie, von Streetart bis zu Ölgemälden. Naddi möchte eine Plattform für Künstler aus sämtlichen Genres bieten.

Auch was die teilnehmenden Läden und Gastros angeht, ist die Bandbreite groß. Da wären zum Beispiel das Misch Misch und das Café Galao, die auch jenseits des Artwalks Kunst in ihren Räumen ausstellen. Aber auch das Toto Lotto Geschäft und die Änderungsschneiderei Kara sind dabei. „Ich habe mir vorgenommen, wirklich in jedem Geschäft zu fragen – ganz ohne Vorurteile“, sagt Naddi. Und das hat sich ausgezahlt: „Vor allem dort, wo ich dachte: das klappt nie, haben sich ganz neue Möglichkeiten aufgetan. Da gab es plötzlich einen perfekten Nebenraum, oder einen Keller, in dem wir etwas ausstellen können.“ Im ehemaligen Prime wird sogar eine ganze Interims-Galerie eingerichtet.

Die Menschen sind offen für solche Konzepte.

Auch zwei Live-Painting-Aktionen wird es am Freitagabend geben. Eine im Hof des Toto Lotto Geschäfts und des Friseursalons Schnittstelle. Die andere findet in der Bar Yoyo statt.

Naddi wohnt selbst in der Nähe des Marienplatzes, was aber nicht unbedingt der ausschlaggebende Punkt für die Wahl des Ortes war. „Die Tübinger Straße ist ideal für den Artwalk. Die Straße hat sich in den vergangenen Jahren wahnsinnig entwickelt. Die Atmosphäre ist toll, es gibt schöne Läden und die Menschen sind offen für solche Konzepte“, sagt sie.

Ein Artwalk pro Quartal

Naddi war schon immer umtriebig. Die Stuttgarterin war in der Hip-Hop-Szene aktiv und hat in der Vergangenheit viele Veranstaltungen organisiert, wie etwa Talks zum Thema Graffiti.

Naddi Zschiesche, Artwalk

Ihr Plan ist es, in Zukunft in jedem Quartal einen Artwalk zu organisieren – und dann den Radius vom Marienplatz aus immer ein bisschen zu erweitern. Der nächste Termin steht auch schon: der 20. März 2020.

Die Veranstaltung soll inspirieren

Am Artwalk soll jeder teilnehmen können, der möchte: Kunstaffine, Neulinge und die Nachbarschaft rund um den Marienplatz. Ziel sei es auch Menschen anzuziehen, die normalerweise nicht in Galerien gehen. „Die Kunst soll zu den Menschen kommen“, sagt Naddi. Es gehe darum mit Freunden von Bar zu Bar und von Laden zu Laden zu ziehen und „sich überraschen zu lassen.“ In LA habe sie sich von den Artwalks inspirieren lassen. „Das macht etwas mit einem.“

Die Bilder bewegten sich in jedem Preissegment – und vielleicht kann so schon Ende November das ein oder andere Weihnachtsgeschenk abgehakt werden.

Artwalk: Freitag, 22. November, Kernzeit: 20 – 22 Uhr, manche Geschäfte haben früher beziehungsweise länger geöffnet >>>

Titelfoto: Unsplash/Drew Patrick Miller

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