Burlesque: Body Positivity in feschen Fummeln

Wir haben uns mit der Stuttgarter Burlesque-Künstlerin Fanny di Favola über die besondere Kunstform und ihre positiven Auswirkungen unterhalten.

Stuttgart – Das gängigste Vorurteil beim Burlesque ist, dass es sich bei diesem Tanz ja auch nur um einen Striptease für lechzende Männer handelt. Doch weit gefehlt: Burleske hat ganz viel mit Body Positivity zu tun, ist, wenn professionell und authentisch ausgeführt, eine Feier der Weiblichkeit und female empowerment in seiner reinsten Form. Sexy ja, aber eben nicht ausbeutend oder herabwürdigend. Das findet auch die Burlesque-Künstlerin Fanny di Favola.

Seit ich Burlesque tanze, fühle ich mich wohler in meinem Körper

Fanny, warum tanzt du Burlesque?

Das hat sich einfach in diese Richtung entwickelt. Mir gefiel die Ästhetik schon immer und natürlich habe ich auch Dita von Teese bewundert; mir war nur nicht bewusst, dass es diese Szene auch in Deutschland gibt. Nachdem ich dann hier mal eine Show besucht hatte, machte ich kurzerhand einen Workshop und merkte: Das macht mir total Spaß. Danach ging alles sehr schnell, ich hatte bald darauf meine ersten Shows und entwickelte immer mehr Freude daran.

Warum genau?

Burlesque ist ein Tanz für selbstständige und selbstbewusste Frauen. Man hat alles selbst in der Hand. Die Kostüme, die Musik, die Choreografie, den Ausdruck…

Mir geht es darum, zu zeigen, dass ich mich in meinem Körper wohlfühle. Und seit ich Burlesque tanze, fühle ich mich wohler in ihm als je zuvor. Obwohl diese Kunstform schon recht alt ist, passt sie perfekt zur modernen Frau.

I am what I am

Wie hat sich deine Selbstwahrnehmung konkret verändert, seit du als Burlesque-Act auftrittst?

Ich bin viel gnädiger mit mir selbst und meinem Körper geworden. Ja, ich bin so – und das ist gut so. Das positive Feedback bei den Auftritten führt dazu, dass man seinen Körper so lieb haben kann, wie er ist.

Burlesque: Sinnlichkeit für selbstbestimmte Frauen (Fotos: Ela Photography)

War dir das Thema Body Positivity schon davor wichtig?

Dieser Begriff ist in den letzten Jahren zum Glück sehr viel wichtiger geworden – auch in den Medien. Gerade in meinem Unterricht beschäftige ich mich sehr viel mit diesem Thema. Ich höre oft, dass sich die Teilnehmer endlich mal wieder wohlfühlen wollen. Und genau da setzt Burlesque an: Es wird gefördert, dass wir die Menschen so annehmen wie sie sind. Und je mehr Leute sich wohlfühlen, desto milder sind sie zu ihren Mitmenschen.

Mein kleiner Beitrag, die Welt zu verändern!

Auf der Bühne und in deinen Workshops bist du für viele ein Vorbild. Wie gehst du damit um?

Ich finde es wichtig, dass man Verantwortung übernimmt. Ich nehme meine Rolle da sehr ernst, weil ich weiß, dass der Körper die Seele stützt. Wenn ich in meinen Kursen den Körper aufrichte, kommt vieles zur Oberfläche. Oftmals reden wir nur darüber. Aber das ist wichtig, weil ich nicht nur an der Oberfläche bleiben will. Burlesque ist mein kleiner Beitrag, die Welt zu verändern.

Burlesque: Bloß nicht den Film schauen!

Was sind die größten Klischees über Burlesque?

Die größten gesellschaftlichen Missverständnisse sind einerseits der grässliche Film „Burlesque“ mit Christina Aguilera und Cher, der so gar nichts mit dieser Kunstform zu tun hat, und andererseits die Verunglimpfung als Striptease. Wir räkeln uns da ja nicht nur in sexy Wäsche, wir erzählen eine Geschichte, bauen eine fremde Welt auf. Mit schnödem nackig machen hat das überhaupt nichts zu tun. Und mit der Unterdrückung der Frau auch nicht. Im Gegenteil!

War es für dich schwierig, bei deinem ersten Auftritt die Hüllen fallen zu lassen?

Eigentlich nicht. Ich stand ja davor schon auf der Bühne und kann damit umgehen. Zudem wusste ich die ganze Zeit, was ich tue. Schwieriger war es da schon eher, Freunden, Bekannten oder der Familie davon zu erzählen.

www.fannydifavola.com

3 Jahre Corso Cabaret

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