Spitze, Transparenz und A-Linie?

Endlich ist es soweit: Meghan Markle heiratet diesen Samstag ihren Prince Harry und alle so: Yeah! Doch eine Frage blieb bislang unbeantwortet: Was für ein Brautkleid wird die Amerikanerin tragen? Drei Brautmoden-Boutiquen in Stuttgart haben eine Vermutung.

Stuttgart – Die mega Hochzeit des Jahres sorgt nicht nur für Aufregung und Emotionen, sie wird auch wieder Millionen Menschen vor die Bildschirme locken – und natürlich auch zu den Public Viewings in der Stuttgarter Innenstadt. Dass der Rebell Harry sein Glück mit der geschiedenen Schauspielerin Meghan gefunden hat, macht beide nur noch sympathischer. Die letzte Frage, die nun noch geklärt werden sollte: Was wird Meghan tragen? Wir haben bei den drei Brautmoden-Experten Katie Sue, Tara und All about Dreams nachgefragt und waren uns am Ende so ziemlich einig.

Katie Sue – bridal couture in Bad Cannstatt

Katharina Zanzinger hat sich mit ihrem Brautmodengeschäft „Katie Sue – bridal couture“ einen Mädchentraum erfüllt – aus Liebe zum Brautkleid, die bei der 33-Jährigen früh geweckt wurde. „Schon als Kind habe ich immer mit dem Kleid meiner Mutter gespielt“, erinnert sie sich. Kein Wunder führte sie die Freude an Mode und Textilien später zum Modedesign-Studium und dem Job in der Sportmodebranche.  Durch eine Zusatzausbildung im Event-, Musik-und Marketingmanagement kam das Musiklabel Chimperator in ihr Leben. Und Stuttgart wurde ihr Zuhause. Katharina hatte großen Spaß an der Arbeit, doch da war noch etwas anderes: die Vision vom eigenen Brautladen. Pläne wurden konkreter, Annoncen durchforstet und schließlich sollte es die Location in der Brählesgasse in Bad Cannstatt sein. Das war im Februar vor einem Jahr.

Dort fühlt sich die Blondine nach wie vor super wohl, ihr Angebot an Vintage-Kleidern sei gefragt. „Es ist bisher sehr gut angelaufen.“ Denn das Brautkleid verliert seinen Zauber nicht. „Das Kleid macht das Ereignis nicht aus, aber es toppt das Ganze“, ist sich Katharina sicher. Viele zukünftige Bräute hätten klare Vorstellungen, man würde aber auch oft Überraschungen erleben. „Nach drei Kleidern fällt selten die Entscheidung.“

Bis an die Grenze

Bei Meghan ist sich Katharina dafür aber ziemlich sicher. „Sie wird irgendetwas Modernes miteinbringen und mit ‚prüde und hochgeschlossen‘ brechen – entweder zeigt sie einen tiefen Rückenausschnitt oder ein transparentes Oberteil.“ Gesetzt seien aber trotzdem Langarm und auch ein fließender Rock mit Schleppe und Schleier. „Denn zu viel nackte Haut wird sie nicht zeigen dürfen.“ Sie sei eine wahnsinnig moderne Frau, an der die 33-Jährige gern etwas Fließendes, Leichtes, Zartes sehen wollen würde – ein modernes Accessoire dürfe auch nicht fehlen, vielleicht ein goldener Metallgürtel oder Haarschmuck? „Vielleicht darf sie ein bisschen verrückter sein, weil sie nicht die Nummer Eins ist – ich bin so gespannt!“

So ein Kleid könnte sich Katharina Zanzinger von Katie Sue – bridal Couture an Meghan vorstellen.

Und Meghan und Harry sind nicht die einzigen, die bald heiraten. Die Hochzeitssaison hat gerade begonnen, „aber es ist nicht die Hauptsaison für den Brautkleider-Einkauf“, so Katharina. Viele Frauen würden jetzt schon für 2019 nach Kleidern schauen. Aber auch Herbst-/Winterhochzeiten seien immer angesagter. Deshalb bricht im Mai eine Art Zwischensaison an.

Ein eindeutiges Lieblingskleid kann Katharina übrigens nicht benennen. „Ich verliebe mich immer wieder neu“, sagt sie lachend. Ihre persönlichen Trends seien gerade Transparenz, Spaghettiträger und Rückenausschnitt. Aber auch fließende Stoffe, Soft- und Seidentüll, 3D-Spitze, mehrere Spitzenlagen, Blush-, Champagnertöne (als Unterstoff zu Spitze oder im Rock) seien angesagt.

Katie Sue – bridal couture

Brählesgasse 4
70372 Stuttgart

Brautatelier Tara in Stuttgart-West

Erst im April diesen Jahres feierte das Brautatelier Tara sein 10-jähriges Jubiläum. Dem Westen blieb Inhaberin Verica Pavlovic immer treu, begonnen hatte alles in der Reinsburgstraße. „Dort habe ich damals ein kleines Atelier eröffnet“, erinnert sich die 38-Jährige. Der Weg zur Gründung war hingegen eher untypisch. Durch eine Sendung im TV und das Zureden einer Freundin habe sie einfach mal ein Brautmodengeschäft aufmachen wollen. „Das war total naiv“, gibt sie heute zu. Mit 25 selbstgenähten No-Name-Brautkleidern ging Verica in ihren Laden damals an den Start. „Ich kam aus der IT-Branche und habe eigentlich gehofft, dass niemand das Atelier betritt“, sagt sie lachend. Sie habe schließlich keine Ahnung gehabt.

Das änderte sich jedoch schnell. Nach einem Jahr war Verica erstmals auf einer Messe, bekam dort ein Label, mit dem sie heute noch zusammenarbeitet. „Peu à peu lief es immer besser.“ Das Brautatelier zog schließlich in die Silberburgstraße, wo es nun schon seit mehr als sieben Jahren ist. Über Weiterempfehlung würden viele Kundinnen den Weg in ihren Laden finden. „Es passiert mittlerweile aber auch viel über Instagram“, so Verica. Dort gibt sie viel preis, fährt auch gern mal die persönliche Schiene. Und wird auch oft kontaktiert und gefragt, wie es zum eigenen Laden kam. „Die Branche ist schon ziemlich hart, deshalb gebe ich meine Tipps in Sachen Selbstständigkeit gerne weiter.“

Bei den zukünftigen Bräuten verfolge die Stuttgarterin ein ganz klares Ziel: „Ich will für jede das perfekte Kleid finden – das macht mir großen Spaß.“ Dies sei aber auch ein Prozess. Man lerne dabei viel über den Umgang mit Menschen. „Da steckt auch ganz viel Psychologie dahinter, nicht nur Kleider an- und ausziehen.“

Hochgeschlossen und Blumenspitze

Was die Hochzeit von Meghan und Harry angeht, habe Verica das Ganze vorab nicht so verfolgt. „Das war mir einfach zu viel Input“, gibt sie lachend zu. „Ich werde es mir aber auf alle Fälle anschauen und bin auch schon echt gespannt.“ Für die Zeremonie könne sich die Expertin Langarm vorstellen, auf keinen Fall Bandeau oder schulterfrei. „Das Kleid wird auch hochgeschlossen sein, vielleicht mit einem kleinen Stehkragen, und eine Art Blumenspitze haben. Aber ich glaube, so würde ich sie mir wünschen.“

Dieses Kleid mit tiefem Rückenausschnitt könnte sich Verica Pavlovic vom Brautatelier Tara als zweites Kleid an Meghan vorstellen.

Was das Sortiment im Brautaltelier Tara angeht, findet Verica klare Worte: „Wir haben alle Schnitte und alle Richtungen. Was wir nicht haben, sind viel Glitzer, Steine und Perlen.“ Einerseits sei der Stil der Kleider aber „boho“ und modern – die klaren Linien eben. Die Hälfte des Sortiments sei made in Germany und made in Europe. „Seit vier Jahren fahren wir die Schiene und das ist mein Glück, denn es hebt uns von den anderen ab.“ Das Prinzessinnenkleid findet Verica übrigens vor allem dann cool, wenn der Stoff wirken darf.

Zu den Brautmoden-Trends hat die 38-Jährige folgendes zu sagen: „Boho und Spitze bleibt – wie dieses und letztes Jahr.“ Außerdem angesagt: A-Linie, Tüll und viel (auch fester) Stoff, aber doch schlicht – die moderne Prinzessin. „Denn der Princess-Look kommt wieder.“ Auch der V-Ausschnitt feiert sein Comeback.

Brautatelier Tara

Silberburgstraße 171

70178 Stuttgart

All about Dreams in Stuttgart-Ost

„Ich mache das, weil es mir Freude bereitet“, sagt Doris Nothnagel von All about Dreams in Stuttgart-Ost. „Ich will den Bräuten, bei diesem immer unübersichtlicheren Markt, ein Zuhause geben – wo sie einfach auch gut aufgehoben sind.“ Was macht die Braut die sich im Mainstream nicht wiederfindet? Die ist bei Doris definitiv in guten Händen. Denn die 51-Jährige, die den Laden nebenberuflich betreibt, hat – neben vielen modernen Roben – Kleider, die nicht nur aus einer anderen Zeit anmuten, sondern es auch sind. Einige seien von Garage-Sales in den USA hinzugekommen. „Ich fand es immer spannend, was Brautkleider aus einer Frau machen – das hat was Magisches. Wenn die Frau und das Kleid zu einer Einheit werden, dann haben wir alles richtig gemacht.“

Das selbsternannte Brautkleid-Wunderland von Doris gibt es jetzt seit sechs Jahren. Wie es dazu gekommen ist, sei eine eigenwillige Geschichte. „Brautkleider haben mich schon lange fasziniert, deshalb habe ich mich damit beschäftigt. Es folgten Studium und Umzug – und schließlich die erste Hochzeit. „Dann fing ich wieder an mich damit zu beschäftigen.“ Außerdem habe eine ihrer Freundinnen ihr Kleid loswerden wollen und es Doris schließlich geschenkt. „Dann hatte ich zwei Kleider, die ich nicht mehr brauchte.“ Bei einer Auktion kam ein drittes dazu – die Brautmodenexpertin baute sich langsam aber sicher einen kleinen Fundus auf. Der Laden konnte schließlich nur der nächste logische Schritt sein. Mittlerweile gibt es nur noch ein paar Raritäten im sonst so gut sortierten Shop in Stuttgart-Ost.

Körperbetont und verspielt

Beim Kleid von Meghan sieht Doris keinen Reifrock, dafür aber eine schmale Linie. „Es wird körperbetonter als das von Kate, aber nicht sexy.“ Die Ärmel des Kleides werden nach der Expertin lang sein. „Ich könnte mir aber auch Off-Shoulder mit langen Ärmeln vorstellen.“ Das wäre auch etwas, das Doris gern an der Schauspielerin sehen wollen würde. „Sie wird irgendwo zwischen ‚cool‘ und ’spießig‘ den Mittelweg finden.“ Schleifen kommen auch wieder, genauso wie Spitze und Schlitz – das könnte sich die Brautkleider-Expertin auch an Meghans Kleid vorstellen. „Sie darf sich andere Freiheiten erlauben.“

Doris Nothnagel von All about Dreams tippt bei Meghans Kleid auf Spitze und Schleife.

Trends sind für Doris das tiefe V, das schon sehr deep sei. „Die wenigsten Frauen in Deutschland trauen sich das aber dann auch zu.“ Der Trend der 3D-Blumen würde bleiben, genauso wie „clean und chic“ – vor allem bei Couture-Kleidern.

Die Braut, die sich nicht traut 

Aber auch schwarze Applikationen würden immer präsenter, zum Beispiel Taillenbänder. Diese seien nach acht Jahren wieder in Mode. „Man sollte Schwarz in diesem Zusammenhang nicht als Trauerfarbe, sondern als modern verstehen“, gibt Doris den deutschen Bräuten mit auf den Weg. denn hierzulande traut sich Braut noch nicht so und würde einfach gern auf „schön, stilvoll, Nummer sicher“ gehen.

All about Dreams

Stuifenstraße 4

70188 Stuttgart

Mehr aus dem Web

Hinterlasse eine Antwort