Blumen zum Vatertag und einen Sixer für die Mama

Stell dir vor, deine Mutter zieht mit dem Bollerwagen los, während dein Vater die Blume 2000-Lieferung freudig entgegennimmt und sich einen Schluck vom Kaffee des neuen Vollautomaten gönnt. Klingt komisch? Sollte im Jahr 2018 aber drin sein, findet unsere Redakteurin Laura.

Stuttgart –  „Zeit, danke zu sagen“. Unter diesem Motto haut Lidl passend zum Muttertag Bügeleisen „Liberty“, Saugroboter und andere tolle Küchengeräte heraus. Versteht mich nicht falsch, so ein geiles Dampfbügeleisen ist super praktisch und ich bin mir sicher, dass sich viele Frauen darüber freuen – vielleicht sogar der ein oder andere Mann. Aber wo sind Bohrer, Hammer und das Fass Faxe auf den Muttertag-Werbeblättern der Discounter? Ah, sorry. Hat nicht mehr in die Schublade gepasst.

Klischee-Schubladen: Männer trinken, Frauen sind emotional

Wenn man hier schon die Moralkeule für die Frauen schwingt, muss man gleichzeitig auch eine Lanze für die Männer brechen. Geworben wird unter anderem mit dem „Leberkäse-Herz“ oder gar einem gravierten Bierglas für den starken Mann im Haus. Klar, die Herren der Schöpfung gönnen sich eben gerne mal das flüssige Gold, haben aber darüber hinaus wohl einiges mehr zu bieten als rote Alkoholgesichter und Trinkfestigkeit.

Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass der eigentliche Feiertag „Christi Himmelfahrt“ zumindest im Urlaubskalender der Büros noch zu existieren scheint, ziehen zum Vatertag schon lange nicht mehr nur „echte Väter“ zum Outdoor-Besäufnis los. An diesem Tag werden beim Gruppenbesäufnis auch die kinderlosen Kumpels zum Papa – ganz abgesehen von den zahlreichen, in den Park kotzenden, Gruppen Jugendlicher mit Bluetooth-Boxen und vollen Rucksäcken – richtig, da ist kein Joghurt drin.

Fassen wir also kurz zusammen: Männer haben Bierbäuche und trinken am Vatertag. Frauen wiederum dürfen sich über einen Strauß Blumen freuen, kümmern sich an ihrem „großen Tag“ um den Haushalt und gönnen sich nach getaner Arbeit einen „Latte Matschiato“ – natürlich erst nachdem sie ihren Männern den Kaffee serviert haben.

„Geschlechterklischees sind eher so 1950“

Betrachten wir das große Ganze und die allgemeine Nachfrage, ist es wohl genau das, was viele Frauen und Männer anspricht. Das Netz pikiert sich jedoch trotzdem – und das völlig zu recht. Geschlechterklischees sind halt eher so 1950. Allerdings werden diese solange aufrechterhalten, wie sie nach außen prakitziert werden. Das Klischeedenken beginnt bei blauen Babystrampelanzügen mit der Aufschrift „Superhero“ sowie pinken Kleidchen samt „Princess“-Strass-Stickerei, wird weitergespielt mit Sätzen wie „Weinen ist was für Frauen“ oder „Kurze Haare tragen nur Jungs“ und findet sich demnach auch in der Werbung für den Vater- und Muttertag wieder. Genau deshalb ist es wichtig darauf aufmerksam zu machen, um das Bewusstsein für veraltete Klischees zu schärfen.

Danke Papa, Danke Mama!

Fakt ist: Wir leben in einer Zeit, in der alle Menschen, das sein sollen, was sie sein wollen – egal, ob mit oder ohne Gender. Gleichberechtigung ist in unserer Gesellschaft angekommen, wenn unsere Mütter gröhlend mit dem Bollerwagen losziehen können und Männer einen Wellness-Tag machen mit ihren Jungs, ohne dass es von irgendjemanden als komisch empfunden wird. Weil, ist es nicht.

Ganz davon abgesehen, dass es keinen besonderen Tage bedarf, um den Eltern einfach mal Danke zu sagen – egal welchen Part sie einnehmen – sollte an diesem Tag nicht der Konsum im Vordergrund stehen, sondern die Liebe und Dankbarkeit. Genauso wie die Sorgen, Ängste und Gedanken, die zum Vater- oder Muttersein dazugehören. Denn Muddi, Papi – was wären wir eigentlich ohne euch?

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2 Thoughts

  1. Hey Laura,

    grundsätzlich erstmal: ja, richtig? Die Frauen, die ich kenne, würden sich im Leben nicht verbieten lassen, zu jeder Zeit zu tun, was auch immer sie tun wollen. Die Art Frau gibt aber auch nichts auf Lidl-Werbung – wie auch immer die geartet sein mag. Und die Art Werbung, sind wir mal ehrlich, ist 2018 nicht mehr repräsentativ.
    Und Feminismus ist meines Erachtens angekommen. Vielleicht nicht in den Chef-Etagen großer Konzerne und wohl noch nicht in ausreichender Form auf den Gehaltszetteln.
    Dennoch wird die Frau mehr denn je geachtet – zumindest in meiner Wahrnehmung. Links und rechts gibt es dann noch einerseits die, die sich darüber echauffieren, dass Hymnen vom „Vaterland“ handeln und andererseits jene, die sich freiwillig in Barbie-Klischee-Schubladen legen und jede Form der Emanzipation ablehnen – beiden Extremen ist nicht zu helfen.
    Jedenfalls ist es 2018 eben auch Realität, dass ein bisher nicht dagewesenes Bewusstsein für den Weltfrauentag präsent war. Und das bei Frauen und Männern!
    Ich denke daher, dass es müßig ist, angestaubtes Rollendenken auf Teufel komm raus zu suchen, wo wir doch eigentlich auf einem guten Weg sind.
    Den Rest, der sich dem verwehrt (und dann bei Lidl Bügeleisen kauft), kann man neunmal nicht retten.

    1. Hey Flo,

      danke für dein Feedback!
      An sich kann ich dir hier nur zustimmen.
      Wie du schon sagst, Feminismus ist in der Gesellschaft (weitestgehend) angekommen. Das ist auch gut so.
      So müßig muss man allerdings gar nicht nach angestaubten Klischees suchen. Die sind nämlich noch immer da und wurden nach bestimmten Werbeaktionen zum Mutter- und Vatertag heiß diskutiert. Also scheint Redebedarf zu herrschen.
      ABER – und da hast du vollkommen recht – zeigt das nur, dass es heutzutage genau dieses Bewusstsein gibt, welches ich toll finde.
      Aber dieses Bewusstsein sollte in beide Richtungen gehen. Das ist wichtig. Dieser kleine Kommentar hat also nicht nur einen gewissen feministischen Anspruch, sondern soll auch auf das aufmerksam machen, was wirklich wichtig ist: Liebe.

      In diesem Sinne:

      Liebe Grüße!

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